Am zweiten Tag nach dem Einzug meines Hundes Paco – das war 2009 – nutzte er das Zimmer meiner damaligen Mitbewohnerin als Klo. Als sie aufgewacht ist, fand sie ein kleines Geschenk in ihrer Zimmerecke.
Paco war mit zehn Monaten zwar in der Lage, seine Blase zu kontrollieren, aber stubenrein war er nur in meinem Zimmer. Im Tierheim hatte er gelernt, sich nicht dort zu lösen, wo er schläft. Dass der Raum nebenan kein Klo ist, wusste er noch nicht.
Wenn du deinen Hund stubenrein bekommen willst, egal ob Welpe oder erwachsener Hund aus dem Tierheim, zeige ich dir hier alles zur Stubenreinheit beim Hund – in 6 konkreten Schritten.
Das denken fast alle, wenn ihr Hund ins Haus macht – stimmt aber nicht
Bevor ich dir zeige, wie dein Hund stubenrein wird, muss ich erst mal ein paar Sachen aufräumen. Denn rund um das Thema kursiert ziemlich viel Bullshit, der einfach nicht stimmt.
„Mein Hund macht das mit Absicht.“
Nein. Dein Hund macht nicht ins Haus, um dich zu ärgern oder dir zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Vielleicht kann er’s noch nicht anhalten. Vielleicht traut er sich draußen nicht zu lösen. Vielleicht ist er draußen einfach zu abgelenkt. Und manchmal steckt auch was Medizinisches dahinter, eine Blasenentzündung zum Beispiel. Also erstmal in der tiermedizinisches Praxis vorbeischauen, wenn dein Hund plötzlich anfängt, ins Haus zu machen.
„Er weiß, dass es falsch ist, macht es aber trotzdem.“
Ganz ehrlich: Dein Hund macht es da, wo er sich sicher fühlt oder wo er gerade ist und einfach muss. Es geht nicht ums Dürfen. Er weiß noch nicht, wo er es machen kann, weil ihm die Gewohnheit fehlt, es draußen zu machen.
„Wenn ich schimpfe, versteht er endlich, dass er das hier nicht machen soll.“
Nope. Schimpfen macht deinem Hund Angst. Angst stresst ihn. Und wenn er gestresst ist, muss er vielleicht sogar schneller wieder. Noch schlimmer: Er macht es dann heimlich, weil er aufpasst, dass du es nicht siehst. Wenn du ihn dafür belohnst, dass er draußen macht, wird er wollen, dass du merkst, dass er raus muss. Das ist der Unterschied. Und Angst vor dir schadet eurer Beziehung von Anfang an.
„Mein alter Hund kann das nicht mehr lernen.“
Inkontinenz oder eine Blasenschwäche können natürlich ältere und auch kranke Hunde betreffen – da hilft Training allein nicht weiter. Aber wenn die Blase es schafft, können auch alte Hunde noch lernen, sich draußen zu lösen.
In 6 Schritten zum stubenreinen Hund
Los geht’s! Hier sind die 6 Schritte, mit denen du Stubenreinheit bei deinem Hund trainierst.
Die folgenden Schritte gelten sowohl für junge als auch erwachsene Hunde.
Schritt 1: Verhindere, dass dein Hund ins Haus macht
Das Wichtigste zuerst: Je seltener dein Hund ins Haus macht, desto schneller wird er stubenrein. Und das liegt vor allem an dir. Du sorgst dafür, dass dein Hund rechtzeitig nach draußen kommt – indem du aufmerksam hinschaust, seine Signale erkennst und reagierst, bevor es zu spät ist. Dein Hund braucht deinen Support dabei.
Und mach dir das Leben leichter – das ist wirklich wichtig. Räum Teppiche vorübergehend weg und leg Inkontinenzunterlagen an Stellen aus, wo dein Hund sich gern aufhält. Wenn doch mal was passiert, ist die Aufräumaktion schnell erledigt. Das macht es für dich stressfreier. Und weniger Stress ist auch für deinen Hund besser.
Schritt 2: Anzeichen erkennen, dass dein Hund raus muss
Bring deinen Hund nach draußen:
- 5 bis 30 Minuten nach dem Fressen
- Nach größeren Trinkphasen
- Sofort nach dem Aufwachen
- Nach Spielphasen
- Nach Ruhepausen
Wie lange dein Hund einhalten kann, ist individuell. Beobachte deinen Hund genau und halt dich nicht stur an diese Zeitangaben. Als Faustformel gilt: Die Anzahl der Lebensmonate in Stunden. Ein Welpe mit zwei Monaten kann also etwa zwei Stunden einhalten, mit drei Monaten etwa drei Stunden.
Ein Hund kann frühestens ab der 12. Lebenswoche seine Blase bewusst kontrollieren. Bis dahin musst du einfach öfter raus.
Podcast-Tipp Folge 73: Erste Tage mit Welpen
Mein Hund Paco durfte nach seinem Missgeschick vier Wochen lang nicht uns in das Zimmer meiner Mitbewohnerin. Als wir sicher waren, dass er sich zuverlässig draußen löst, stand die Tür ihm wieder offen. Es kam nie wieder zu einem Missgeschick.
Das sind Anzeichen, dass dein Hund raus muss
Beobachte deinen Hund genau, denn so zeigt er dir, dass er raus muss:
- Stehenbleiben oder langsamer laufen
- Intensives Schnuppern
- Drehen
- In Richtung Tür gehen oder schauen
- An der Tür scharren
- Vor die Tür setzen
- Fiepen
- Hecheln
- Plötzliches Umsehen
- Aufgeregtes Umherlaufen
- Zur Bezugsperson laufen oder sie ansehen
- Orte aufsuchen, an denen sich dein Hund schon gelöst hat
Dein Hund muss nicht alle Anzeichen zeigen. Paco zum Beispiel läuft aufgeregt hin und her, Hündin Ami starrt uns an und Hund Ascii legt sich vor die Tür.
Du willst die Körpersprache deines Hundes schneller und besser erkennen? In meinem Video-Training Doggo Reading zeige ich dir genau, worauf du achten kannst.
Dein Hund zeigt nicht an, dass er raus muss?
Wenn dein Hund noch keine Anzeichen zeigt, geh einfach alle zwei Stunden mit ihm raus. Lass ihn kurz vor der Tür ein Signal ausführen, das er gut kennt. Und lieber einmal zu oft raus als zu lange warten. Besonders bei Welpen, die ihre Blase noch nicht kontrollieren können, muss es manchmal wirklich schnell gehen.
Schritt 3: Was du nicht tun solltest, wenn dein Hund ins Haus macht
Bestrafe deinen Hund niemals, wenn er ins Haus macht. Er macht das nicht mit Absicht und er will dich damit nicht ärgern. Er hat es einfach noch nicht gelernt und braucht deinen Support dabei.
Wenn du mit ihm schimpfst oder seine Nase in sein Geschäft drückst, machst du ihm Angst. Angst sorgt dafür, dass dein Hund schneller wieder muss. Vielleicht kennst du das selbst aus Prüfungssituationen. Im schlimmsten Fall traut er sich nicht mehr, sich in deiner Nähe zu lösen, und macht es lieber heimlich. Das erschwert alles nur.
Wenn ein Missgeschick passiert: kommentarlos aufwischen, fertig. Danach kurz überlegen, was du übersehen hast oder ob ihr einfach zu lange gewartet habt.
Tipp: Nutze einen geruchsneutralisierenden Reiniger – bitte keinen Essigreiniger, weil dieser Ammoniak enthält, was deinen Hund eher zum Lösen animiert als abhält.
Podcast-Tipp Folge 49: Erstausstattung für Welpen
Schritt 4: So hilfst du deinem Hund mit einer festen Lösestelle
Eine feste Stelle draußen, wo sich dein Hund lösen kann, hilft ihm dabei, stubenrein zu werden. Die Stelle sollte nah an der Haustür sein und möglichst wenig ablenken, damit dein Hund seinen Auftrag nicht vergisst.
Immer wenn dein Hund Anzeichen zeigt oder es Zeit wird, bringst du ihn angeleint zu dieser Stelle und wartest geduldig. Kein Spielen, keine Interaktion, einfach warten. Je spannender es für deinen Hund ist, desto länger wirst du warten.
Wichtig: Trenne den Gassigang von der Lösestelle. Geh zuerst mit deinem Hund zur Lösestelle und starte den eigentlichen Spaziergang erst, wenn er sich gelöst hat. So lernt dein Hund auch, dass er nicht einfach anzeigt, dass er muss, um früher spazieren gehen zu können.
Falls dein Hund bei der Züchter*in oder im Tierheim auf einem bestimmten Untergrund gelernt hat, sich zu lösen, kannst du diesen an der Lösestelle draußen auslegen. Das macht es für deinen Hund leichter, sich dort zu lösen.
Podcast-Tipp Folge 30: Fehler beim Einzug von Tierschutzhunden
Schritt 5: Bring deinem Hund ein Lösesignal bei
Ein Lösesignal ist mega praktisch und für jeden Hund sinnvoll. Willst du zum Beispiel nicht, dass dein Hund an den Gartenzaun der Nachbar*innen pinkelt, gibst du ihm das Lösesignal schon vorher auf dem Wiesenstreifen. Wenn er sich dort schon gelöst hat, geht er am Zaun viel entspannter vorbei.
Besonders wichtig ist das für Hunde, die draußen schnell gestresst oder abgelenkt sind. Ein Hund, der sich nicht gelöst hat, trägt diesen Druck die ganze Zeit mit sich. Das macht alles andere noch schwerer. Wenn du ihm vorher die Möglichkeit gibst, sich zu lösen, fällt ihm alles leichter – der Spaziergang, die Begegnungen, die Ablenkungen. Gerade in stressigen Situationen wie rund um Silvester ist ein gut aufgebautes Lösesignal Gold wert.
So baust du das Lössignal auf:
- Warte, bis der Po deines Hundes Richtung Boden geht
- Gib dann ruhig und in normaler Tonlage dein Lösesignal
- Bitte nicht quietschen, sonst steht dein Hund wieder auf
- Solange er sich löst, sagst du nichts und lässt ihn in Ruhe
Schritt 6: Belohn deinen Hund, wenn er sich draußen löst
Wenn dein Hund fertig ist, belohn ihn dafür. Direkt, punktgenau und mit etwas, das er wirklich mag. Ein Markersignal hilft dir dabei, deinem Hund genau in dem Moment zu sagen: Ja, genau das war richtig. Und dann kommt die Belohnung.
Buchtipp: Markertraining für Hunde – Auf Augenhöhe zum glücklichen und kooperativen Hund
Aber erst, wenn er wirklich fertig ist – egal ob kleines oder großes Geschäft. Solange er sich löst, lässt du ihn komplett in Ruhe. Nicht loben, nicht ansprechen, nicht anstarren. Einfach warten. Denn wenn du ihn vorher ansprichst, unterbricht er sich vielleicht und lässt nicht alles raus.
Wenn dein Hund dann belohnt wird, sobald er draußen sein Geschäft gemacht hat, lernt er: Das lohnt sich. Und genau das wollen wir.
Das verändert auch deinen Fokus als Mensch: statt darauf zu warten, dass dein Hund irgendwo ins Haus pinkelt und dann zu reagieren, belohnst du ihn aktiv, wenn er’s draußen macht. Das ist der Unterschied.
Und wenn doch mal ein Missgeschick passiert: durchatmen. Nicht schimpfen, aber auch nicht über dich selbst aufregen, weil du’s nicht rechtzeitig gesehen hast. Hunde merken, wenn wir innerlich kochen – auch wenn wir die Wut gegen uns selbst richten. Das stresst sie genauso. Also: kommentarlos aufwischen, kurz überlegen, was du beim nächsten Mal anders machst, und weitermachen. Es passiert. Das ist okay.
Hund stubenrein bekommen – das Wichtigste auf einen Blick
Stubenreinheit braucht Zeit und vor allem deine Aufmerksamkeit. Aber wenn du diese 6 Schritte konsequent umsetzt, werdet ihr das hinbekommen:
- Verhindere, dass dein Hund ins Haus macht.
- Lern die Anzeichen kennen, dass dein Hund raus muss.
- Bestrafe deinen Hund nie für Missgeschicke.
- Such dir eine feste Lösestelle draußen.
- Bring deinem Hund ein Lösesignal bei.
- Belohn deinen Hund, wenn er sich draußen löst.
Wenn dein Hund gerade neu bei dir eingezogen ist, braucht er nicht nur Stubenreinheit – er braucht auch einen guten Start mit dir als Team. In meinem 0€ Online-Training „In 6 Schritten zu einem Hund, der dich hört“ zeige ich dir genau das.
Fragen, die wir ständig bekommen, wenn Hunde nicht stubenrein sind
Indem du aufmerksam hinschaust, deinen Hund rechtzeitig rausbringst und ihn belohnst, wenn er sich draußen löst. Und schimpf nie für Missgeschicke – das macht alles nur schwerer. Die 6 Schritte dazu findest du hier im Artikel.
Das ist individuell und hängt von vielen Faktoren ab – Alter, Vorgeschichte, wie gut ihr als Team zusammenspielt. Manche Hunde schaffen es in wenigen Wochen, andere brauchen länger. Gib deinem Hund die Zeit, die er braucht.
Dein Hund zeigt dir das – du musst nur genau hinschauen. Typische Anzeichen sind:
- intensives Schnüffeln
- Drehen
- in Richtung Tür schauen oder laufen
- Fiepen
- aufgeregtes Umherlaufen
Die komplette Liste findest du weiter oben im Artikel.
Geh einfach alle zwei Stunden mit ihm raus und beobachte ihn genau. Gib dir auch Zeit, deinen Hund kennenzulernen – auch wir Menschen brauchen eine Weile, bis wir die Signale unseres Hundes wirklich lesen können.
