„Zieh ihm einfach den Maulkorb an, der gewöhnt sich schon dran.“
Nö. Tut er nicht.
Du drückst den Maulkorb irgendwie drüber und fummelst am Verschluss rum, während dein Hund versucht, das Ding mit der Pfote wieder loszuwerden. Beim nächsten Mal rennt er weg, sobald er auch nur merkt, dass du den Maulkorb rausholen willst.
Damit dein Hund den Maulkorb freiwillig trägt und nicht jedes Mal denkt „oh nein, das Ding schon wieder“, brauchst du den richtigen Trainingsaufbau. Ich geh mit dir durch, wie du deinen Hund an den Maulkorb gewöhnst, damit er seine Nase von allein reinsteckt und ihn überall entspannt tragen kann.
Dein Hund hat genug Stress. Der Maulkorb sollte keiner sein.
Überleg mal, wann dein Hund den Maulkorb braucht. Meistens in Situationen, die für ihn eh schon nicht easy sind: in der tiermedizinischen Praxis, in der vollen S-Bahn oder wenn plötzlich fremde Hunde um die Ecke kommen, die dein Hund eh schon anstrengend findet.
Genau deshalb sollte dein Hund den Maulkorb gern tragen. Freiwillig Nase rein, Verschluss zu und dein Hund fühlt sich happy damit. Sonst hast du in der vollen S-Bahn einen Hund, den die S-Bahn stresst und der Maulkorb gleich mit.
Wenn du deinem Hund den Maulkorb antrainieren willst, heißt das: Der Maulkorb wird niemals einfach draufgepackt in der Hoffnung, dass dein Hund sich schon dran gewöhnt. Du möchtest erreichen, dass dein Hund seine Nase freiwillig in den Maulkorb steckt und ihn gern trägt.
Welcher Maulkorb passt zu deinem Hund?
Egal, ob du es Maulkorb oder Beißkorb nennst. Jeder Hund braucht einen, mit dem er:
- hecheln kann
- trinken kann
- Futter nehmen kann
Die meisten Maulkörbe, die ich draußen sehe, sind viel zu eng. Die Hunde bekommen den Fang nicht auf. Das ist, als würdest du mit zugehaltener Nase einen Marathon laufen.
Kein Hund fühlt sich in so einem Maulkorb wohl, egal wie toll dein Maulkorbtraining ist.
„Aber mein Hund soll doch gerade nichts vom Boden fressen können mit dem Maulkorb!“ Jo, das verstehe ich. Für viele Maulkörbe gibt es extra Einsätze, die genau das verhindern. Aber dein Hund muss mit dem Maulkorb trotzdem hecheln und trinken können. Hecheln ist für deinen Hund wie für dich Schwitzen, so reguliert er seine Körpertemperatur. Wenn der Maulkorb das verhindert, wird es gefährlich.
Wenn du noch keinen Maulkorb hast oder dir unsicher bist, ob deiner passt: Hier findest du alles Wichtige zur Auswahl.
Maulkorbgewöhnung: Von „Was ist das?“ zu „Her damit!“
Eine positive Gewöhnung an den Maulkorb läuft in drei Phasen:
- Dein Hund lernt den Maulkorb kennen und findet ihn nice.
- Dein Hund steckt seine Nase freiwillig rein und du machst den Verschluss zu.
- Dein Hund trägt den Maulkorb entspannt, egal wo.
Wie schnell ihr durch die Phasen kommt, bestimmt dein Hund. Wenn du zu schnell vorgehst, weil der Termin in der tiermedizinischen Praxis nächste Woche ist oder weil es doch „eigentlich schon ganz gut klappt“, machst du dir im schlimmsten Fall den ganzen Aufbau kaputt und musst dann vielleicht wieder bei Phase 1 starten.
Phase 1: Angucken und schnüffeln lassen
Es geht in Phase 1 gar nicht darum, dass dein Hund jetzt irgendwas Krasses mit dem Maulkorb macht. Geh in dein Wohnzimmer, leg den Maulkorb auf den Boden und warte. Wenn dein Hund einmal hinkommt und guckt, gibst du dein Markersignal und belohnst ihn mit einem Leckerli oder einem kurzen Spiel. Das war’s. Mehr muss in dieser Phase nicht passieren. Dein Hund lernt: Immer wenn dieser komische neue Gegenstand auftaucht, passieren nice Sachen.
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Und das machen die meisten in diesem Moment falsch: Du wirst ungeduldig und schiebst den Maulkorb zu deinem Hund oder fuchtelst mit dem Ding vor seiner Nase rum, damit er ihn endlich mal anguckt. Lass das. Dein Hund geht zum Maulkorb, nicht umgekehrt.
Phase 2: Nase rein und Verschluss üben
Wenn dein Hund den Maulkorb schon cool findet und immer wieder hingeht, fängst du an, Leckerli durch den Maulkorb zu füttern. Dein Hund steckt seine Nase rein, um ans Futter zu kommen. Wichtig: Du hältst den Maulkorb still und lässt deinen Hund kommen. Du schiebst den Maulkorb nicht auf deinen Hund zu, auch wenn es noch so verlockend ist. Viele Hunde finden das voll gruselig, wenn du dich mit dem Maulkorb auf sie zubewegst. Und du merkst auch gar nicht, ob dein Hund wirklich freiwillig mitmacht oder ob er einfach keine Chance hatte, auszuweichen.
Üb das Öffnen und Schließen von deinem Maulkorb vorher unbedingt ein paar Mal ohne deinen Hund. Klingt übertrieben, aber wenn du deinem Hund den Maulkorb aufsetzen willst, solltest du nicht erst an seinem Kopf rausfinden, wie das Ding überhaupt funktioniert.
Dein Hund braucht auch beim Verschließen vom Maulkorb kleine Schritte:
- Führe den Verschluss einmal hinterm Kopf zusammen, Markersignal und belohnen und sofort wieder den Verschluss loslassen.
- Steigere dann Sekunde für Sekunde.
- Erst nach mehreren Trainingseinheiten und wenn du merkst, dass dein Hund cool bleibt, machst du den Verschluss wirklich zu.
Und auch hier machen die meisten den gleichen Fehler: zu schnell vorgehen. Wenn du den Verschluss zu früh schließt, kann dein Hund in Panik geraten und du musst hektisch an seinem Kopf rumfummeln. Dann kannst du mit dem Aufbau von vorn anfangen.
Und wenn du jetzt denkst „Boah, für meinen Hund ist das alles noch viel zu viel“: Dann mach die Schritte noch kleiner. Es gibt keine zu kleinen Trainingsschritte. Mach sie so klein, dass dein Hund sie schaffen kann.
Phase 3: Signal draufsetzen und überall üben
Wenn dein Hund seine Nase zuverlässig in den Maulkorb steckt, setzt du ein Signal drauf. „Maulkorb“, „Mauli“ oder was auch immer du sagen willst. Gib das Signal für den Maulkorb eine Sekunde, bevor dein Hund die Nase reinsteckt. Und wenn er das gemacht hat, gibst du dein Markersignal und belohnst ihn. Wichtig: Den Verschluss machst du hier noch nicht zu. Du übst an dem Punkt erstmal nur das Signal. Wir machen nie zwei Sachen, die neu sind, auf einmal mit dem Hund. Immer nur eine.
Üb das ganze Maulkorbtraining nicht nur im Wohnzimmer. Nimm den Maulkorb mit in ein anderes Zimmer, in den Garten, auf eine ruhige Gassistrecke. Hol den Maulkorb auch mal raus, wenn dein Hund einfach super entspannt auf der Couch hängt. Wenn der Maulkorb nur auftaucht, sobald dein Hund eine Impfung braucht, wird er sich nicht drauf freuen.
Hilfe, mein Hund hasst den Maulkorb!
Dein Hund dreht den Kopf weg, sobald er den Maulkorb sieht? Oder haut ab? Und sobald er mal kurz die Nase reinsteckt, versucht er sofort, das Ding mit der Pfote wieder loszuwerden? Klares Zeichen: Du bist zu schnell vorgegangen. Starte nochmal mit Phase 1 und mach die Trainingsschritte kleiner. Die drei Phasen in diesem Artikel sind grobe Schritte. Du kannst die noch in viel kleinere Teile runterbrechen. So klein, dass dein Hund gar nicht anders kann, als es richtig zu machen und sich pudelwohl zu fühlen.
Check auch mal, ob der Maulkorb überhaupt bequem für deinen Hund ist. Bei manchen Hunden reibt der Maulkorb auf dem Nasenrücken oder sitzt einfach unbequem. Wenn dein Hund den Maulkorb trotz Training nicht annehmen will, kann es auch am Maulkorb selbst liegen.
Wenn dein Hund am Maulkorb kratzt, ignorier das bitte nicht. Das ist kein „der gewöhnt sich schon dran“, sondern dein Hund sagt dir, dass du zu schnell vorgegangen bist. Das machst du dann:
- Frag ein paar Signale ab, die dein Hund gern macht und die er super gut kann.
- Belohne ihn, wenn er die Signale ausführt.
- Lauf dann ein paar Schritte mit deinem Hund weiter.
- Nimm ihm dann ganz entspannt den Maulkorb ab.
Bitte nimm den Maulkorb nicht ab, während dein Hund daran rumkratzt, denn sonst lernt dein Hund: Kratzen funktioniert, und er wird das immer schneller wieder machen. Und dann geh im Maulkorbtraining unbedingt zurück in die Phase, in der sich dein Hund noch wohlgefühlt hat und kein Problem hatte mit dem Maulkorb.
Sobald dein Hund den Maulkorb ein paar Sekunden mit geschlossenem Verschluss tragen kann, steh nicht rum und guck, wie lange er das aushält. Geh mit ihm los, lauf ein paar Schritte und wirf Leckerli auf den Boden, die er mit seinem Maulkorb aufsammeln kann. Dein Hund kommt so in Bewegung, hat was zu tun und denkt dann nicht die ganze Zeit an den Maulkorb, den er da gerade trägt. Das hilft ihm dabei, sich an den Maulkorb zu gewöhnen und sich damit ganz normal beim Gassigehen zu bewegen.
Bisher einfach drübergezogen? Du kannst das ändern.
Vielleicht hast du deinem Hund den Maulkorb bisher einfach drübergezogen, weil es halt schnell gehen musste. Und vielleicht hat sich das nie gut angefühlt. Du kannst jederzeit nochmal von vorn anfangen. Hol den Maulkorb raus, leg ihn auf den Boden und starte mit Phase 1.
Wenn dein Hund den Maulkorb vor allem braucht, weil er draußen auf andere Hunde reagiert: Hol dir meinen 0 € Guide mit drei Strategien für entspanntere Spaziergänge.
Drei Fragen, die ich zum Maulkorbtraining immer wieder bekomme
Das kommt auf deinen Hund an. Manche Hunde stecken nach drei Tagen freiwillig die Nase rein, andere brauchen drei Wochen. Trainier nicht nach Zeitplan, sondern geh erst zum nächsten Schritt, wenn dein Hund beim aktuellen entspannt ist und freiwillig mitmacht. Rechne lieber mit ein paar Wochen kurzen Trainingseinheiten als mit einem Wochenende Crash-Kurs.
Geh zurück zu der Phase, in der dein Hund noch kein Problem mit dem Maulkorb hatte, und mach die Trainingsschritte kleiner. Check außerdem, ob der Maulkorb überhaupt bequem sitzt. Wenn er auf dem Nasenrücken reibt oder zu eng ist, will dein Hund ihn nicht tragen, egal wie gut dein Training ist. Und wenn dein Hund am Maulkorb kratzt, ignorier das bitte nicht. Dein Hund sagt dir damit, dass du zu schnell vorgegangen bist und er sich noch nicht mit dem Maulkorb wohlfühlt.
Kannst du. Aber dein Hund wird sich merken, dass du ihm dieses Ding einfach über den Fang gedrückt hast. Beim nächsten Mal rennt er weg, sobald er den Maulkorb auch nur sieht. Nimm dir die Zeit für ein sauberes Maulkorbtraining. Dein Hund soll seine Nase freiwillig reinstecken, dann hast du in Situationen, die eh schon stressig sind, nicht auch noch den Maulkorb als Problem.
