Wenn dein Hund abhaut, sobald er die Leine sieht

Du nimmst die Leine in die Hand und dein Hund macht schon drei Schritte rückwärts. Du gehst einen Schritt auf ihn zu, er dreht ab und schlägt einen Haken. Du wieder hin, er wieder weg. Am Ende stehst du mitten auf der Wiese, lockst mit Piepsstimme und kramst nach der letzten Leberwursttube in der Futtertasche, während du schon leicht sauer wirst.

Wenn dein Hund sich nicht anleinen lässt, bist du damit nicht allein. Mein Tierschutzhund Paco war früher genauso. Sobald ich die Leine in die Hand nahm, um ihn anzuleinen, ist er weggerannt und hat lieber immer drei Meter Abstand gehalten, damit ich ihn nicht erwischen konnte.

Ganz ehrlich: Das liegt nicht an dir. Und dein Hund will dich auch nicht ärgern. Für viele Hunde heißt Anleinen: Mensch kommt her, leint mich an, Spaß vorbei. Und dann laufen sie lieber weg. Anleinen kannst du trainieren. So, dass dein Hund freiwillig zu dir kommt und du ihn nie wieder einfangen musst.

Warum dein Hund abhaut, sobald die Leine kommt

Anleinen heißt für viele Hunde: Der schöne Teil ist vorbei. Kein Schnüffeln mehr, kein Rennen, kein Freilauf. Stattdessen geht’s nach Hause oder an der Leine weiter. Kein Wunder, dass dein Hund da lieber noch eine Runde Abstand hält.

Dazu kommt, was wir Menschen beim Anleinen oft machen, ohne es zu merken. Und das ist für viele Hunde richtig unangenehm:

  • Wir gehen direkt auf den Hund zu.
  • Wir beugen uns nach vorn, weil die wenigsten Hunde easy auf unserer Handhöhe sind.
  • Wir gucken den Hund konzentriert an, weil wir ihn gleich anleinen wollen.
  • Manche beugen sich sogar über den Hund drüber.
  • Manche packen ihn am Halsband oder Brustgeschirr.
  • Und wenn der Hund viel Fell hat, ziept es beim Rangreifen. Das tut dann auch noch weh.

Für uns ist das alles ganz normal. Für deinen Hund kann das gruselig sein. Er beobachtet dich außerdem viel genauer, als dir bewusst ist und erkennt schon früh, dass du ihn gleich anleinen willst. An deiner Hand, an deinem Blick, an dem Stück Weg, das gleich kommt. Und weil er das kommen sieht, ist er weg, bevor du überhaupt bei ihm bist.

Mit meinem Hund Paco ist mal etwas passiert, das wirklich schrecklich hätte ausgehen können. Einmal hab ich im Auto seine Leine abgemacht, weil wir losfahren wollten und ich ihn eigentlich anschnallen wollte. Zack, ist er rausgesprungen, direkt auf den Fußweg, mit der Straße und den Autos direkt daneben. In dem Moment hat sich meine Hand automatisch in seine Richtung bewegt, weil ich ihn stoppen wollte. Er lief los, Richtung Bordsteinkante und stand am Ende schon mit einer Pfote auf der Fahrbahn. Die ersten Autos haben angefangen zu bremsen. Mein erster Impuls: schnell hin und schnappen. Zum Glück hab ich’s nicht gemacht. Ich hab kurz durchgeatmet, bin einen Schritt zurück und in die Hocke gegangen. Und Paco? Drehte sofort um und kam zu mir.

Du siehst schon: Meine greifende Hand hat Paco weggetrieben. Als ich einen Schritt zurück und in die Hocke gegangen bin, hab ich ihn eingeladen, statt ihn weiter von mir wegzudrücken. Deshalb kam er. Solange dein Hund Angst vorm Anleinen hat oder es ihm unangenehm ist, läuft er lieber weg. Erst wenn er anleinen richtig gut findet und weiß, dass sich das für ihn lohnt, kommt er von selbst zu dir.

Warum Einfangen und Austricksen alles schlimmer machen

Wenn sich dein Hund nicht anleinen lässt, ist der erste Reflex meistens: hinterher und schnappen. Verständlich, du willst ihn ja sichern. Für deinen Hund fühlt sich das aber an, als würdest du ihn bedrängen. Und dann macht er das, was sich für ihn in dem Moment am sichersten anfühlt: Er geht auf Abstand.

Einfangen und Packen

Deinen Hund einfangen klappt vielleicht höchstens einmal, allerhöchstens zweimal. Danach hat er den Braten gerochen. Er findet es gruselig, dass du ihn schnappen und anleinen willst und sorgt beim nächsten Mal dafür, dass du ihn gar nicht erst erwischst. Er wird schneller, schlägt früher einen Haken oder liest schon an deinem Gesicht, deiner Hand oder dem Stück Weg ab, was gleich kommt.

Und es bleibt nicht beim Anleinen. Immer mehr klappt auf einmal schlechter:

  • Dein Hund kommt schlechter zurück, wenn du ihn rufst.
  • Er läuft neben dir schlechter, ohne Leine und mit Leine.
  • Er haut mit Spielzeug oder gefundenen Sachen vor dir ab, statt sie dir zu bringen.

Er bleibt dann lieber auf Abstand bei dir, weil sich das für ihn viel sicherer anfühlt. Auch wenn du ihm überhaupt nichts Böses willst.

Trick 17 und Austricksen

Klar kannst du deinen Hund auch austricksen. So tun, als würdest du in die andere Richtung gehen. Was Spannendes auf den Boden werfen. Ein Spielzeug zücken. Das tut deinem Hund nicht weh, das ist schon mal besser als Packen.

Der Haken: Hunde durchschauen solche Tricks ziemlich schnell und viele finden sie auch richtig unangenehm. Dann brauchst du beim nächsten Mal einen neuen Trick. Und irgendwann ist deine Trickkiste leer und dir fällt nichts mehr ein. Das ist auf Dauer anstrengend. Vor allem kannst du dir nie sicher sein, dass es genau bei dem Spaziergang klappt, wo du deinen Hund wirklich schnell an die Leine brauchst, weil da hinten schon der nächste Hund um die Ecke kommt.

Podcast-Tipp Folge 120: Von der Leine lassen – Was du vor dem ersten Freilauf beachten solltest

Sicher unterwegs, auch wenn das Anleinen noch nicht klappt

Solange dein Hund abhaut, sobald die Leine kommt, kannst du ihn nicht einfach ableinen und hoffen, dass es schon gut geht. Ein Reh, eine Jogger*in, ein fremder Hund und weg ist er.

Deshalb gilt immer: Sicher deinen Hund und trainiere dann in Ruhe. Und nein, das ist kein Rückschritt. Dieser Schritt macht dir nicht nur den Kopf frei, damit du entspannt üben kannst. Er sorgt auch dafür, dass dein Hund und alle anderen sicher sind.

Schleppleine ans Brustgeschirr, bis das Anleinen sitzt

Nutze eine Schleppleine immer nur an einem gut sitzenden Brustgeschirr. Und achte darauf: Wenn du die Schleppleine schleifen lässt und nicht die ganze Zeit in der Hand hältst, dann muss dein Hund schon sicher kommen, wenn du ihn rufst. Spoiler: Die meisten Hunde, die sich nicht anleinen lassen, haben das noch nicht.

Aber durch die Schleppleine musst du nicht mehr dicht an deinen Hund ran und ihn einfangen. Du hast das Ende der Leine in der Hand oder nimmst es mal ein bisschen kürzer, wenn du’s brauchst, statt ihn ständig anzuleinen. So könnt ihr bis nach Hause laufen und du musst nicht auf eine kurze Leine wechseln. Dein Hund darf schnüffeln, laufen und Hund sein. Und du weißt die ganze Zeit: Egal was passiert, ich hab ihn.

Dein Hund kommt noch nicht sicher, wenn du ihn rufst? Dann fang genau da an. In meinem 0 € Online-Training „In 6 Schritten zu einem Hund, der auf dich hört“ zeig ich dir, wie dein Hund draußen wieder auf dich reagiert. 🔥

Renn ihm bloß nicht hinterher

Dein Hund düst weg und dein Körper will sofort los, hinterher. Kenn ich. Aber ganz ehrlich: Rennst du hinterher, rennt er weiter. Für deinen Hund ist das entweder ein tolles Spiel oder er denkt, dass gleich was Unangenehmes passiert. Beides bringt ihn nicht zu dir.

Also erstmal stehen bleiben und durchatmen. Kurz gucken, wo dein Hund überhaupt hin will. Und dann machst du das Gegenteil von dem, was sich gerade richtig anfühlt: Du gehst nicht auf ihn zu, du gehst von ihm weg. In die Hocke, Schulter zur Seite, vielleicht ein fröhliches Geräusch. Die meisten Hunde werden neugierig und kommen gucken, was du da machst. Genau das hat Paco damals gerettet, als er ohne Leine aus dem Auto gesprungen ist und schon fast auf der Straße stand.

So baust du ein Anlein-Signal auf

Ein Signal fürs Anleinen? Ja, richtig gelesen. Meine Hunde wissen bei dem Wort „Leine“ ganz genau, was gleich passiert. Paco kam auf das Wort immer angelaufen. Ascii ist entweder gemütlich angetrottet oder einfach stehen geblieben und hat gewartet, bis ich ihn angeleint hab.

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Weitere Informationen

Ein Anlein-Signal bringt dir richtig viel:

  • Du musst deinen Hund nicht mehr einfangen.
  • Du musst ihn nicht austricksen.
  • Dein Hund rennt nicht mehr vor dir weg.
  • Dein Hund kann sich auf das Anleinen einstellen, statt sich zu erschrecken.

Warum ein Anlein-Signal so gut funktioniert? Dein Hund weiß vorher, dass du ihn gleich anleinst und verbindet damit etwas Gutes. Du kündigst ihm an, was du gleich machst und was gleich passiert. Dadurch erschreckt er sich nicht und kann sich in Ruhe darauf einstellen.

Und jetzt zeig ich dir Schritt für Schritt, wie du’s ihm beibringst. Glaub mir, das ist super easy.

Das Anlein-Ritual an der Tür

Du fängst zu Hause an, wo es für deinen Hund am leichtesten ist. An der Wohnungstür, kurz bevor ihr rausgeht. Häng dir am besten einen Zettel an die Tür mit dem Ablauf, dann vergisst du keinen Schritt.

So läuft’s:

  1. Die Leine hängt über deiner Schulter oder liegt noch irgendwo rum.
  2. Du gibst dein Signal zum Anleinen, zum Beispiel „Leine“ oder „Anleinen“.
  3. Kurz durchatmen.
  4. Nimm die Leine in die Hand.
  5. Geh zu deinem Hund und leine ihn an.
  6. Gib dein Markersignal.
  7. Belohne deinen Hund mit Futter.
  8. Und dann geht ihr zusammen los.

Zu Hause ist das Anleinen für die meisten Hunde kein Problem. Deshalb ist das der perfekte Ort, um deinem Hund das Wort in aller Ruhe beizubringen. Er hört „Leine“, wird angeleint, bekommt ein Leckerli und dann passiert was Schönes: Gassi.

Eine Sache noch, ganz wichtig: Wenn dein Hund gar nicht erst aus dem Haus will oder sich richtig wegduckt und dichtmacht, dann liegt das oft nicht nur an der Leine. Dann steckt meistens noch mehr dahinter. Schau dir dann generell mal an, was deinem Hund Angst macht und was für ihn beim Gassigehen schwierig ist. Und hol dir dafür am besten eine gute Trainer*in an die Seite.

Anleinen draußen üben, in kleinen Schritten

Wenn du deinen Hund oft einfangen musstest und er lieber vor dir wegrennt, reicht das Ritual an der Tür allein noch nicht. Dann übst du das Anleinen zusätzlich ein paar Mal die Woche draußen. Und zwar in ganz kleinen Häppchen.

Du zerlegst das Anleinen dafür in Mini-Schritte, die für deinen Hund so leicht sind, dass er gar nicht erst auf die Idee kommt wegzulaufen. Dein Hund muss dabei nichts können außer stehen bleiben. Er muss gar nichts aktiv machen und sollte einfach in deiner Nähe stehen.

So gehst du vor:

  • Üb jeden Schritt in vielen kurzen Einheiten.
  • Bleib so lange bei einem Schritt, bis dein Hund dabei entspannt stehen bleibt und dir nicht mehr ausweicht. Im besten Fall steht er freudig neben dir und wartet schon auf seine Belohnung.
  • Erst dann gehst du zum nächsten Schritt.
  • Ist ein Schritt für deinen Hund zu groß, mach ihn einfach kleiner.
  • Lock deinen Hund nie mit Futter zu dir. Er soll von allein neben dir stehen bleiben. Das Futter kommt erst danach, als Belohnung.

Schritt 1: Karabiner klicken auf Abstand

Hier geht’s nur ums Geräusch. Dein Hund lernt: Wenn’s klickt, passiert was Gutes und ich muss dafür nur stehen bleiben.

  • Die Leine hängt über deiner Schulter oder steckt in deiner Tasche.
  • Du gibst dein Signal, zum Beispiel „Leine“.
  • Kurz durchatmen.
  • Nimm die Leine in die Hand oder hol sie aus der Tasche.
  • Klick einmal mit dem Karabiner, ohne dich auf deinen Hund zuzubewegen.
  • Dein Hund bleibt stehen.
  • Gib dein Markersignal und wirf ihm die Belohnung hin oder gib sie ihm, wenn er nah bei dir steht.

Schritt 2: Einen Schritt näher

Jetzt kommst du deinem Hund beim Klicken schon ein Stück näher. Für ihn bleibt alles gleich entspannt.

  • Die Leine hängt über deiner Schulter oder steckt in deiner Tasche.
  • Du gibst dein Signal, zum Beispiel „Leine“.
  • Kurz durchatmen.
  • Nimm die Leine in die Hand und geh damit näher an deinen Hund heran.
  • Klick einmal mit dem Karabiner.
  • Dein Hund bleibt stehen.
  • Gib dein Markersignal und belohne ihn.

Schritt 3: Näher ran, aber ohne Anleinen

Du gehst mit der Leine bis ans Geschirr, leinst aber noch nicht an. So merkt dein Hund, dass auch das kein Grund zum Wegrennen ist.

  • Die Leine hängt über deiner Schulter oder steckt in deiner Tasche.
  • Du gibst dein Signal, zum Beispiel „Leine“.
  • Kurz durchatmen.
  • Nimm die Leine in die Hand und geh mit ihr bis zum Ring am Geschirr oder Halsband.
  • Klick einmal mit dem Karabiner, aber leine deinen Hund noch nicht an.
  • Dein Hund bleibt stehen.
  • Gib dein Markersignal und belohne ihn.

Schritt 4: Jetzt wird angeleint

Und jetzt der ganze Ablauf. Weil dein Hund die einzelnen Teile schon kennt, ist das Anleinen selbst nur noch der letzte kleine Schritt.

  • Die Leine hängt über deiner Schulter oder steckt in deiner Tasche.
  • Du gibst dein Signal, zum Beispiel „Leine“.
  • Kurz durchatmen.
  • Nimm die Leine in die Hand und klick den Karabiner in den Ring am Geschirr oder Halsband.
  • Gib dein Markersignal und belohne deinen Hund. An diesem Punkt steht er sowieso neben dir und du kannst ihm das Futter aus der Hand geben.

Diese Schritte übst du erst mal zu Hause, damit du im Ablauf sicher wirst. Wenn du weißt, was zu tun ist, nimmst du sie mit nach draußen. Und für draußen gilt: Sichere deinen Hund über eine Schleppleine am Brustgeschirr, damit nichts passieren kann, während ihr übt.

Du trainierst noch nicht mit einem Markersignal? Kein Stress, dann lass es erstmal weg und belohne deinen Hund einfach direkt. Wie Markertraining genau funktioniert und warum es das Training so viel leichter macht, liest du in meinem Buch „Markertraining für Hunde“.

Wenn dein ängstlicher Hund sich nicht anleinen lässt

Manchmal steckt hinter dem Wegrennen Angst. Dein Hund duckt sich weg, macht sich klein, kneift vielleicht sogar den Schwanz ein, sobald du mit der Leine kommst. Und dann gibt es die Hunde, die dabei aussehen, als fänden sie das total lustig und fröhlich abhauen. Auch da steckt oft Angst dahinter, die lösen das nur mit Rumalbern.

Die Gründe können ganz unterschiedlich sein:

  • Vielleicht wurde dein Hund früher am Halsband gepackt und ruckartig festgehalten.
  • Vielleicht ist er allgemein unsicher.
  • Vielleicht kennt er eine Leine auch einfach noch gar nicht.

Geh mit einem ängstlichen Hund noch kleiner vor

Für so einen Hund ist die kleinschrittige Übung aus meiner Anleitung Gold wert. Genau deshalb zerlegst du das Anleinen ja in so winzige Häppchen, dass dein Hund an keiner Stelle in Panik gerät. Mach die Schritte bei einem ängstlichen Hund noch kleiner und geh noch langsamer vor. Lieber zehn Mini-Schritte mehr als ein Schreckmoment, der euch zurückwirft.

Zwing deinen Hund dabei nie. Wenn er ausweicht, war der Schritt zu groß. Kein Drama, du gehst einfach einen zurück und machst ihn leichter.

Podcast-Tipp Folge 99: Zusammenleben mit ängstlichen Hunden und die Folgen

Wenn die Angst größer ist als die Leine

Eine Sache musst du aber ehrlich checken: Wenn dein Hund nicht nur beim Anleinen Angst hat, sondern generell draußen schnell gestresst ist, sich kaum traut oder bei vielen Sachen dichtmacht, dann ist die Leine nur ein kleiner Teil vom Ganzen. Dann bringt dir das beste Anlein-Signal wenig, solange der Rest nicht passt. Hol dir in dem Fall eine gute Trainer*in dazu, die sich mit ängstlichen Hunden auskennt und euch im ganzen Alltag supportet.

Wenn dein Hund in der Pubertät plötzlich nicht mehr will

Dein Hund ließ sich immer anleinen und jetzt läuft er auf einmal weg, sobald du die Leine nimmst? Willkommen in der Pubertät.

Die kann ab dem fünften Monat losgehen und bis zum dritten Lebensjahr dauern. Das hängt von der Größe deines Hundes ab: Je größer dein Hund, desto länger zieht sich diese Zeit.

In dieser Zeit baut sich im Kopf deines Hundes richtig viel um. Der Teil im Gehirn, der für Gefühle zuständig ist, reagiert jetzt stärker. Der Teil fürs Denken und Planen macht gerade eine Pause. Kein Wunder, dass sich dein Hund anders verhält als vorher. Ganz typisch in dieser Phase:

  • Dein Hund hat auf einmal Watte in den Ohren und reagiert schlechter auf dich.
  • Die Umwelt wird super spannend, andere Hunde erst recht und du bist gefühlt nur noch Nebensache.
  • Dein Hund wird unabhängiger und läuft weiter weg.
  • Sachen, die vorher gut liefen, klappen plötzlich nicht mehr. Auch das Anleinen.
  • Manchmal tauchen sogar neue Ängste auf oder alte werden stärker.

Das ist super nervig, aber ganz normal. Und es geht auch wieder vorbei. Wichtig zu wissen: Mit Training kannst du diese Phase nicht überspringen und wenn du jetzt strenger wirst, machst du es schlimmer.

Was dir und deinem Hund jetzt wirklich durch die Pubertät und Jugendentwicklung hilft:

  • Bau das Anlein-Signal auf, nutze es und bleib freundlich zu deinem Hund.
  • Mach das Anleinen weiter richtig lohnend und pack ruhig besonders gutes Futter aus, damit du gegen die spannende Umwelt eine Chance hast.
  • Sicher deinen Hund lieber einmal mehr über eine Schleppleine oder Flexileine.

So bleibt ihr ein Team, während dein Hund erwachsen wird. Und wenn die Pubertät und Jugendentwicklung durch sind, vertraut dein Hund dir richtig und du ihm auch.

Anleinen muss sich für deinen Hund lohnen

Mach das Anleinen zu etwas, auf das dein Hund sich freut. Bei mir gibt’s direkt nach dem Anleinen mein Markersignal und dann eine Belohnung. Jedes Mal.

So lernt dein Hund: Wenn die Leine ans Geschirr klickt, passiert was Gutes. Und ein Hund, der sich aufs Anleinen freut, rennt dir nicht mehr weg.

Eine Sache noch, die viele übersehen: Leine deinen Hund nicht nach jedem Rückruf sofort an. Wenn du ihn rufst und er dann jedes Mal sofort an die Leine muss, lernt er ganz schnell, dass „herkommen“ das Ende vom Freilauf bedeutet. Und dann kommt er beim nächsten Mal langsamer oder gar nicht. Ruf deinen Hund also oft einfach nur zu dir, belohne ihn und schick ihn wieder los. So bleibt dein Rückruf sicher und dein Hund hat Bock, zu dir zu kommen.

Podcast-Tipp Folge 130: Dein Rückruf im Alltagstest – besteht ihr wirklich?

Dein Hund lässt sich anleinen, wenn er dir vertraut

Wenn dein Hund abhaut, sobald die Leine kommt, liegt das nicht an dir. Dein Hund hat nur gelernt, dass Anleinen unangenehm ist. Und genau das kannst du ändern. Mit einem Anlein-Signal, mit kleinen Schritten und mit ganz viel Belohnung.

Fang klein an:

  • Übe das Anlein-Ritual an der Tür, wo es für deinen Hund am leichtesten ist.
  • Bau dir ein gutes Anlein-Signal auf und belohne deinen Hund jedes Mal nach dem Anleinen.
  • Sichere deinen Hund draußen über eine Schleppleine oder Flexileine, solange das Anleinen noch nicht sicher klappt.
  • Und hab Geduld mit euch beiden.

Ein Hund, der nicht sicher kommt, wenn du rufst, hat meistens auch ein Problem mit dem Anleinen. Und andersrum. Das hängt eng zusammen: Zum Anleinen brauchst du deinen Hund erstmal bei dir. Kommt er nicht sicher, wenn du rufst, kommst du gar nicht erst ans Anleinen ran. Und wenn dein Hund Anleinen unangenehm findet, kommt er beim Rückruf vielleicht gar nicht, weil er schon ahnt, dass gleich die Leine kommt. Deshalb solltest du immer beides gemeinsam angehen.

Dein Hund ist draußen voll abgelenkt und kommt nicht, wenn du rufst? In meinem 0 € Online-Training „In 6 Schritten zu einem Hund, der auf dich hört“ zeig ich dir, warum das so ist und was deinem Hund wirklich hilft, wieder auf dich zu achten.

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Ein Reh springt aus dem Gebüsch, ein anderer Hund rennt über die Wiese, eine Fährte zieht deinen Hund magisch weg. Und du willst, dass dein Hund trotzdem kommt, wenn du rufst? In Rückruf Pro baust du den Rückruf Schritt für Schritt so auf, dass er auch in genau diesen Momenten sitzt.

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Häufige Fragen, wenn dein Hund sich nicht anleinen lässt

Warum lässt sich mein Hund nicht anleinen?

Für viele Hunde heißt Anleinen: Der schöne Teil ist vorbei. Dazu kommt, dass wir Menschen uns beim Anleinen über den Hund beugen, ihn anstarren oder ihn am Halsband packen. Das ist für viele Hunde unangenehm. Dein Hund erkennt außerdem schon früh, dass du ihn gleich anleinst, und geht lieber auf Abstand. Mit einem Anlein-Signal und kleinen Trainingsschritten drehst du das um.

Was tun, wenn mein Hund wegläuft, sobald ich ihn anleinen will?

Renn ihm auf keinen Fall hinterher, das treibt ihn nur weiter weg. Bleib stehen, atme durch und geh dann von deinem Hund weg statt auf ihn zu. In die Hocke, Schulter zur Seite, vielleicht ein fröhliches Geräusch. Die meisten Hunde kommen dann neugierig zu dir. Und sicher deinen Hund über eine Schleppleine, solange das Anleinen noch nicht sicher klappt.

Mein Hund lässt sich nicht einfangen, was kann ich tun?

Hör auf, ihn einzufangen. Jedes Einfangen macht das Problem größer, weil dein Hund lernt, dass er in deiner Nähe geschnappt wird. Nutze stattdessen eine Schleppleine am Brustgeschirr, damit du ihn sicherst, ohne ihn zu jagen. Und bau dir in Ruhe ein Anlein-Signal auf, damit dein Hund freiwillig zu dir kommt.

Mein Hund beißt, wenn ich ihn anleinen will. Was steckt dahinter?

Wenn dein Hund beim Anleinen schnappt oder beißt, ist das fast immer der letzte Schritt einer langen Reihe. Vorher hat dein Hund meistens viele leisere Signale gezeigt, die übersehen wurden: wegdrehen, sich klein machen, erstarren. Beschäftige dich dringend mit der Körpersprache deines Hundes, damit du diese Signale früh erkennst. In meinem Video-Training Doggo Reading lernst du genau das. Lass außerdem tiermedizinisch abchecken, ob Schmerzen dahinterstecken und hol dir eine*n gute*n Trainer*in dazu. Bei Beißen solltest du nicht allein weiterprobieren. Hör dir dazu unbedingt das an: Podcast-Tipp Folge 4: Wenn Hunde plötzlich aggressiv werden

Mein Hund lässt sich in der Pubertät nicht mehr anleinen, ist das normal?

Ja, das ist ganz normal. In der Pubertät baut sich im Kopf deines Hundes viel um, die Umwelt wird spannender und Sachen, die vorher liefen, klappen plötzlich nicht mehr. Werd jetzt bloß nicht strenger. Bleib bei deinem Anlein-Signal, belohne gut und sicher deinen Hund über eine Schleppleine. Die Phase geht vorbei.

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist ausgebildete Hundetrainerin, Coach, Autorin des Buches „Markertraining für Hunde“ und Gründerin von Dog It Right®. Seit 2011 arbeitet sie hauptberuflich im Hundetraining, seit 2013 online.

Sie begleitet Menschen, deren Hunde wie auf einem anderen Planeten sind, sobald irgendwo ein anderer Hund auftaucht.

Dog It Right steht nicht für Dominanz, Gehorsamsdenken oder „sich durchsetzen“, sondern für ein Training, das ohne Machtspielchen auskommt und im echten Leben funktioniert, nicht auf dem Hundeplatz.

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