Ich hab lange klar Nein zu Flexileinen gesagt, und das hatte einen einfachen Grund: 2009 landete in einem spanischen Tierheim eine Flexileine in meiner Hand, daran ein riesiger Galgo an einem breiten Halsband. Ich sollte mit ihm Gassi gehen. Er ging mit mir Gassi und weil ich die Knöpfe der Flexileine nicht bedienen konnte, flog ich irgendwann hinter ihm her, als er losrannte.
Dazu kamen die Bilder in meinem Kopf: Flexileine bedeutete für mich Hündchen, die unkontrolliert durch die Gegend flitzen und auf kein einziges Signal reagieren. Ich hielt Flexileinen für sinnlos. Was ich dabei nicht gecheckt hatte: eine Flexileine tut einem Hund nicht weh, wenn sie richtig eingesetzt wird. Ob sie sinnvoll ist, hängt von der Situation und vom Hundemenschen ab.
Mittlerweile nutze ich selbst eine Flexileine. Und ich finde sie super. Wann sie wirklich passt, wann nicht, und was du dabei wissen musst, liest du hier.
Wie mein alter Hund mich zur Flexileine gebracht hat
Mein Hund Paco wurde älter und das Sehvermögen ließ nach. Das bedeutete: mehr Leine, auch dort, wo er vorher ohne unterwegs war. Auf unseren Morgenrunden im Wald blieb er an der Leine, weil früh um sieben neben den Wegen noch die Wildschweine chillten.
Aber Paco hatte ein echtes Problem mit der Schleppleine. Wenn sie hinter ihm herschliff, an seine Beine kam oder er sich darin verwickelte, blieb er stehen und wollte nichts mehr erkunden. Paco sollte auf unseren Runden schnüffeln, sich bewegen, sein Ding machen können. Mit der Schleppleine hat er genau das nicht mehr getan.
Die Flexileine hat das geändert. Paco lief vor mir her, schnüffelte, erkundete, ohne dass ihn irgendetwas störte oder hemmte. Die Leine schliff nicht, nichts verwickelte sich, er blieb nicht mehr abrupt stehen. Er war wieder er selbst.
Spoiler: Als mein zweiter Hund Ascii später auch älter wurde, hab ich die Flexileine auch bei ihm genutzt. (Hat genauso gut funktioniert. )
Wann eine Flexileine wirklich Sinn macht
Bei Paco hat mich vor allem eines überzeugt: Er war an der Flexileine fast wie ohne Leine unterwegs. Er lief vor mir her, schnüffelte, erkundete, nutzte die acht Meter voll aus. Mit einer Schleppleine hat er das nie gemacht.
Dazu kam: Ich musste nicht mehr ständig aufwickeln. Die Hände blieben trocken, auch bei Regen, auch mit Handschuhen. Im Winter, wenn draußen alles nass ist, ist das schon sehr nice. 10 von 10!
Viele denken: Flexileine bedeutet, der Hund verlernt jede Leinenführigkeit. Sorry not sorry, aber das ist Bullshit. Paco lief an der normalen Leine auf einmal viel besser neben mir, seit wir die Flexileine nutzten. Weil er zwei Modi gecheckt hatte.
- Kasten in der Hand, Geräusch der Leine, die sich abwickelt = Flexileine-Modus: Mehr Raum, freier bewegen, rumtudeln, schnüffeln, nicht so sehr auf mich achten.
- Normale Leine in der Hand = Leinenführigkeit-Modus: Eher beim Menschen laufen, mehr auf mich achten.
Hunde können das krass gut auseinanderhalten, wenn du ihnen die Chance gibst, das zu lernen, und es selbst richtig einsetzt. Der Kasten der Flexileine in deiner Hand sieht anders aus als eine normale Leine und das Geräusch, wenn die Flexileine rausläuft, kommt noch obendrauf. Dein Hund checkt das. Checkst du?
Podcast-Tipp Folge 120: Von der Leine lassen – Was du vor dem ersten Freilauf beachten solltest
Was Leute über Flexileinen denken und was wirklich stimmt
Flexileinen sind nur was für kleine Hunde
Mein Hund Ascii wog 33 Kilo, Paco knapp 20. Bei beiden hat die Flexileine super funktioniert. Next.
Mit Flexileine hast du den Hund nicht unter Kontrolle
Wer das sagt, meint meistens: du lässt deinen Hund einfach machen, was er will, und schaust dabei zu. Und oft kommt dann noch hinterher: setz dich doch mal durch, zeig ihm, wer hier das Sagen hat. Das verrät ziemlich viel darüber, was manche Leute unter „Hundetraining“ verstehen. Ich will meinen Hund nicht kontrollieren. Ich will mich auch nicht durchsetzen. Eine Leine schafft Sicherheit – für meinen Hund, für andere, für mich. Manchmal gibt’s Leinenpflicht. That’s it. Eine Flexileine ist eine Leine wie jede andere auch.
Flexileine-Hundemenschen sind faul
„Die laufen einfach mit dem Smartphone in der Hand rum, schauen nie, was passiert und kümmern sich draußen null um ihren Hund.“ Klar, das gibt’s. Aber das hat gar nichts mit der Flexileine zu tun. Das hat gar nichts mit der Flexileine zu tun. Wer draußen nicht auf seinen Hund achtet, macht das mit jeder Leine oder ohne.
Mit Flexileine verlernt der Hund die Leinenführigkeit
Hunde, die an der Flexileine ziehen und auf kein Signal reagieren, haben nie gelernt, dass es sich lohnt, an einer lockeren Leine zu laufen. Oder sie sind so gestresst und überfordert, dass sie es gerade nicht können. Das hat mit der Flexileine nichts zu tun. Ich hab sogar das Gegenteil erlebt: Paco lief an der normalen Leine besser neben mir, seit wir die Flexileine nutzten. Weil er zwei Modi gecheckt hatte. Die Flexileine kann das Training sogar supporten, wenn du sie richtig einsetzt.
Wann du die Flexileine besser weglässt
Wald?
Flexileinen mit Seil verwickeln sich schnell in Ästen, zumindest meine. Wenn dein Hund gern im Unterholz unterwegs ist, kann das anstrengend werden. Paco blieb im Wald auf dem Weg, deshalb hatten wir damit kein Problem. Eine Schleppleine verwickelt sich im Unterholz übrigens auch, aber die kriegst du schneller von Ästen frei als eine Flexileine mit Seil.
Hot Take: Zeig deinem Hund, dass es sich voll lohnt, auf dem Weg zu bleiben. Dann rennt er nicht ins Unterholz, nichts bleibt hängen, und die Tiere im Wald haben ihre Ruhe.
Im Straßenverkehr?
Ich hab die Flexileine im Straßenverkehr kaum bis gar nicht genutzt, für mich war sie eher was für Situationen, wo ich sowieso die Schleppleine rausgeholt hätte. Ob sie im Verkehr passt, musst du selbst abwägen: Wo bist du unterwegs? Wie schnell kannst du gerade reagieren? Je mehr Fußgänger*innen und Radfahrer*innen um dich rum sind, desto mehr spricht dagegen.
Hundekontakt?
Wenn zwei Hunde aufeinandertreffen und sich beide in Flexileinen verwickeln, macht das wirklich keinen Spaß. Mit Paco wäre das kein Problem gewesen, er hätte kurz beschnüffelt und wäre auf Signal weitergegangen. Aber das klappt nur, wenn der andere Hund auch so drauf ist. Deshalb: wenn ich die Flexileine nutze, geh ich Hunden aus dem Weg.
Lesetipp: Warum es bei Hundebegegnungen an der Leine schneller knallt – und was du dagegen tun kannst
Flexileine richtig nutzen: Das sind meine Basics
Die Knöpfe der Flexileine schnell drücken klingt banal, ist es aber nicht. Erinnerst du dich, wie komisch sich die erste Hundeleine in deiner Hand angefühlt hat? Wie lang lass ich die jetzt raus? Hätte ich die nicht schon früher kürzer halten sollen? Warum hab ich so spät reagiert? Mit der Flexileine ist das genauso. Üb das erst auf langweiligen Runden, bis du den Kasten wirklich sicher in der Hand hast.
Der Stopp-Knopf
Dein Hund düst nach vorn und du drückst einfach auf Stopp. Das kann deinem Hund wehtun. Woher soll er wissen, wann du diesen Stopp-Knopf drückst? Ich hab deshalb ein Signal aufgebaut, das ich zwei Sekunden vorher gegeben hab, bevor ich den Knopf gedrückt hab. So hatte Paco die Chance, selbst abzubremsen, statt in die Leine zu krachen.
Proaktiv unterwegs sein
An der Flexileine musst du mitdenken, was gleich passiert, nicht erst reagieren, wenn es schon passiert ist. Das gilt an jeder Leine, aber an der Flexileine besonders, weil dein Hund mehr Raum hat und schneller irgendwo ist, wo du ihn nicht haben willst.
Wichtige Signale für die Flexileine
Du machst dir das Leben leichter, wenn du nicht die Leine brauchst, um deinen Hund zu stoppen oder weiterzubewegen. Ein Weitergeh-Signal und ein Stopp-Signal sind an der Flexileine Gold wert. Und oft reicht auch einfach der Name deines Hundes.
Flexileinen sind gefährlich
Jede Leine kann in gefährliche Situationen führen, wenn du nicht proaktiv damit umgehst. Eine Schleppleine kann sich genauso um einen anderen Hund wickeln wie eine Flexileine. Das Seil oder Band kann sich in die Haut schneiden, bei dir oder bei deinem Hund. Das Risiko ist real. Aber es geht darum, wie du damit umgehst: Situationen früh checken, das Seil nie um die Hand wickeln, abwägen, wo und wann du die Flexileine einsetzt.
Welche Flexileine ich genutzt hab
Bei Paco hab ich die flexi Classic M mit Seil genutzt, acht Meter, für Hunde bis 20 kg – hat für seine knapp 20 Kilo gepasst. Der einzige Nachteil: das Seil ist ziemlich schlecht zu sehen, gerade bei schlechtem Licht.
Bei Ascii mit 33 Kilo hab ich die flexi Giant L mit Gurtband genommen, ebenfalls acht Meter. Das Neongelb des Gurts war krass praktisch: du siehst die Leine sofort, auch wenn dein Hund weit vor dir läuft. Bei Seilen hast du das nicht.
Ich hab immer die originale flexi-Leine gekauft und selbst bezahlt. (Keine Werbung & keine Kooperation an dieser Stelle – ich schreib hier nur über das, was ich selbst genutzt habe.)
Lohnt sich eine Flexileine?
Ganz ehrlich? Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine Flexileine cool finde. Aber ich hab es geliebt, mit Paco rauszugehen und zu sehen, wie entspannt und frei er unterwegs war. Und später war die Flexileine auch für Ascii eine totale Erleichterung. Beide konnten sich freier bewegen, kein Aufwickeln, keine Leine, die schleift oder sich verwickelt, und ich hab gecheckt, wie gut Hunde zwei verschiedene Leinen-Modi unterscheiden können.
Das Einzige, was wirklich zählt: du hast eine Leine in der Hand. Geh proaktiv damit um, schau, was passiert, und setz sie bewusst ein.
Ob mit Flexileine oder ohne – schön wär’s, wenn dein Hund draußen auch auf dich hört, wenn es spannend wird, oder? In meinem 0 € Online-Training zeige ich dir in 6 Schritten, wie das geht. Ohne Schreien und ohne „Setz dich dich einfach durch“. Versprochen! ✌️
Nope. Eine Flexileine ist ein Hilfsmittel wie jedes andere auch. Ob sie sinnvoll ist, hängt davon ab, wo du unterwegs bist, was dein Hund gerade braucht und ob du proaktiv damit umgehst.
Ja. Es gibt Flexileinen für Hunde bis 50 kg und mehr. Mein Hund Ascii wog gut 33 Kilo, die flexi Giant L hat problemlos funktioniert. Wichtig ist, dass du die richtige Leine für das Gewicht deines Hundes wählst und immer nur am gut sitzenden Brustgeschirr nutzt.
Eine Schleppleine liegt auf dem Boden und du wickelst sie selbst auf, wenn du sie kürzer brauchst. Eine Flexileine zieht sich automatisch ein und aus. Die Schleppleine wird nass und schmutzig, die Flexileine nicht. Dafür musst du bei der Flexileine den Kasten in der Hand halten und die Knöpfe bedienen können.
Nein. Hunde verlernen keine Leinenführigkeit durch eine Flexileine. Hunde, die an der Flexileine ziehen und nicht reagieren, haben schlicht nie gelernt, dass es sich lohnt, an einer lockeren Leine zu laufen oder sind einfach zu gestresst, um es auf die Reihe zu bekommen. Das hat mit der Flexileine nichts zu tun. Wenn du beide Leinen bewusst einsetzt, können Hunde den Flexileine-Modus und den normalen Leinen-Modus krass gut auseinanderhalten.
