Warum ich plötzlich ein Fan von Flexileinen bin

von Ulrike Seumel

Vor fast acht Jahren in Spanien wurde mir eine Flexileine in die Hand gedrückt, an deren Ende ein riesiger Galgo an einem breiten Halsband. Ich sollte mit ihm Gassi gehen… Er ging mit mir Gassi und da ich die Knöpfe der Flexileine nicht bedienen konnte, flog ich irgendwann hinter dem Galgo her, als er plötzlich losrannte. Ich fand Flexileinen so sinnlos und unnötig. Und bei Flexileinen dachte ich nur an kleine verrückte Hündchen, die außer Rand und Band durch die Straßen laufen und sowieso auf kein Signal reagieren.

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Eigentlich bescheuert, etwas sofort zu verteufeln – Flexileinen tun einem Hund nicht weh, wenn sie richtig gebraucht werden. Und alles Weitere liegt an der Hundehalter*in.

Es gibt Hilfsmittel, die extra entwickelt werden, um Hunde zu hemmen und ihnen Schmerzen zuzufügen, aber eine Flexileine gehört nicht dazu. Warum also verteufeln? Seit einigen Wochen bin ich stolze Besitzerin einer Flexileine und ich mag sie. Und mittlerweile ist sie mir auch nicht mehr peinlich.

Warum plötzlich doch eine Flexileine?

Paco wird langsam alt und gesundheitlich geht es ihm nicht besser. Außerdem wird sein Augenlicht schlechter. Deshalb muss er ab und zu an der Leine bleiben – zum Beispiel auf unserer letzten Runde am Abend.

Auch auf den morgendlichen Runden im Wald – wenn früh um 7 Uhr neben unseren Wegen noch die Wildschweine schlafen – bleibt die Flexileine an Paco und Ascii bleibt an der Schleppleine. Morgens will auch ich meine Ruhe, genau wie die Wildschweine, die sich dann nicht von uns stören lassen.

Sind wir morgens zu zweit unterwegs und nicht in so einem wildreichen Gebiet, dann laufen beide Hunde ohne Leine.

Unsere letzte Runde abends findet fernab der Straße statt und Paco soll in Ruhe sein Ding machen dürfen. Und ich war es leid, immer die Schleppleine aufzuwickeln, denn Paco mag es nicht, wenn die Leine hinter ihm her schleift, an seine Beine kommt oder er sich darin verwickelt. Dann bleibt er lieber in meiner Nähe und erkundet nicht mehr die Umwelt. Mit Flexileine ist er jetzt vor mir unterwegs und macht sein Ding. Keine störende Leine mehr, die ihn hemmt.

Ascii stört sich gar nicht an einer Schleppleine und hat auch selbst eine sehr gute Technik entwickelt, wenn die Leine sich mal um sein Bein vertüdelt. Deshalb braucht er (noch) keine Flexileine.

Und da Paco und Ascii selten miteinander spielen und es auch nur kurze Rennspiele gibt, wenn beide ohne Leine sind, passt eine Flexileine zu Paco ganz wunderbar.

Warum Flexileinen doch cool sind?

Für unseren sensiblen Paco ist eine Flexileine super, weil er entspannter damit unterwegs ist und ich nicht ständig hochkonzentiert die Schleppleine aufwickeln muss. Er ist damit fast wie ohne Leine unterwegs.

Da das Aufwickeln wegfällt, bleiben die Hände trocken und auch mit Handschuhen bleibt alles sauber und trocken. Und Handschuhe lassen sich mit Flexileine sehr gut tragen – ein großer Pluspunkt für mich im Winter.

Pacos Leinenführigkeit wird noch besser. Ja, das geht dank Flexileine. Paco weiß, dass er mit der Flexileine laufen kann, wie er mag. Und er weiß, wann die Flexileine in meiner Hand ist – ich halte einen Kasten in der Hand und es macht ein leises Geräusch, wenn er an der Leine nach vorn läuft oder sie sich von allein aufwickelt.

Mit unserer normalen Leine fällt das weg und so weiß Paco, wann er einfach machen darf und wann er das nicht kann und es sich lohnt, neben mir zu laufen.

Da Paco schon immer eine gute Leinenführigkeit hatte, bin ich erstaunt, wie frei er sich jetzt an der Flexileine bewegt.

Paco findet es super, da ihn die Leine nicht mehr hemmt. Er nutzt die acht Meter komplett aus – mit einer Schleppleine hat er das nie gemacht.

Wann ist eine Flexileine nicht passend?

Wald?

Flexileinen verwickeln sich sehr schnell auch in kleinen Ästen – zumindest meine Flexileine, da ich mich für eine mit Seil entschieden habe. Wenn dein Hund gern mal im Unterholz unterwegs ist, kann das anstrengend werden. Da Paco auch im Wald auf dem Weg bleibt, gibt es da bei uns keine Probleme.

Auch eine Schleppleine ist im Wald bei Hunden, die gern im Unterholz unterwegs sind, ein Problem – aber einfacher von Ästen zu befreien als eine Flexileine.

Im Straßenverkehr?

Für mich macht eine Flexileine im Straßenverkehr bzw. in der Nähe von Straßen keinen Sinn. Die Gefahr, dass der Hund plötzlich auf die Straße rennt und ich zu spät den Stopp-Knopf drücke, ist mir zu hoch. Und da ich auch mit Gegenverkehr in Form von Fußgänger*innen oder Radfahrer*innen zu rechnen habe, passt die Flexileine für mich nicht.

Hundekontakt?

Hunde, die sich bei einer Begrüßung in ihre Leinen verwickeln sind nicht cool – aber Hunde, die sich gegenseitig in Flexileinen verwickeln, machen wirklich keinen Spaß.

Mit Paco wäre eine kurze Begrüßung an der Flexileine kein Problem – er würde schnüffeln und dann würde ich mit ihm auf Signal weitergehen. Das geht aber nur, wenn der andere Hund auch so mitmacht. Deshalb meide ich Kontakt an der Flexileine und wenn ich die Flexileine nutze, treffen wir sowieso nicht auf andere Hunde.

Das musst du wissen:

Ich musste erst lernen, die Knöpfe zu bedienen – vor allem schnell zu bedienen. Vielleicht erinnerst du dich noch daran, als du zum ersten Mal eine Hundeleine in der Hand hattest. Deine Hand wusste noch nicht so recht, wie sie die Leine halten und dabei noch andere Dinge machen kann. Deine Reaktionsfähigkeit und deine Geschicklichkeit in diesem Moment waren noch nicht vorhanden. Auch mit der Flexileine musst du lernen umzugehen. Deshalb nutze die Flexileine erst auf sehr entspannten Spaziergängen, bis du damit sicher umgehen kannst.

Der Stopp-Knopf!

Dein Hund düst nach vorn und du haust einfach in die Stopp-Taste deiner Flexileine. Das ist nicht nett und kann deinem Hund weh tun. Woher soll er wissen, wann du die Taste betätigst? Ich nutze deshalb das Signal Stopp, was Paco schon kennt und sage es zwei Sekunden, bevor ich die Stopp-Taste betätige. So hat er die Chance, selbst zu stoppen und abzubremsen – und rennt nicht ins Ende der Leine. Und ja, auch an der Flexileine musst du vorausschauend mit deinem Hund unterwegs sein – wie auch ohne oder mit irgendeiner anderen Leine.

Und es macht dir den Spaziergang leichter, wenn du nicht die Leine benutzen musst, um deinen Hund zu bewegen oder zu stoppen. Ein Signal zum Weitergehen oder nur den Namen, um deinen Hund anzusprechen, können dir sehr hilfreich sein.

Welche Flexileine benutzen wir?

flexi Vario Seil-Leine M anthrazit, 8 m

Die Leine ist für Hunde bis 20 kg ausgelegt.

Das Endstück mit dem Karabiner ist austauschbar und kann durch einen Ruckdämpfer ersetzt werden.

Beim Kauf einer Flexileine solltest du auf das Gewicht achten, für das sie ausgelegt ist. Flexileinen mit Gurtband sind stabiler und werden auch von anderen Hundehalter*innen besser gesehen.

Außerdem solltest du Flexileinen genau wie Schleppleinen nur an einem gut sitzenden Brustgeschirr nutzen.

Fazit

Eine Flexileine hat ihre Vorteile, aber sie muss in der Hand von einer verantwortungsvollen Hundehalter*in liegen. Und das gilt für jede Leine – auch für die unsichtbare Leine.
Du musst gut mit der Leine zurechtkommen – genau wie dein Hund. Deshalb suche das für euch passende Leinenmodell und genieße den Spaziergang mit deinem Hund.

 

PS: Hier findest du mehr zu unserem Training: dogitright.de

Über die Autor*in

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist Trainerin für Menschen mit Hund, Coach, Autorin und Gründerin von Dog It Right. Mit Dog It Right begleitet sie Menschen und ihre Hund auf dem Weg zu einem glücklichen und unbeschwerten Leben. Ihr Team und sie trainieren Hundehalter*innen, damit diese wissen, wie sie mit ihrem Hund umgehen. Die Menschen sollen Probleme erkennen, verstehen und lösen können. Dabei trainieren sie immer mit den Bedürfnissen und Stärken von Mensch und Hund.

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