Hund bei Hitze abkühlen – was wirklich hilft und was du lassen solltest

Wenn’s draußen richtig heiß wird, merkt dein Hund das deutlich schneller als du. 🥵 Hunde können sich kaum über die Haut abkühlen – ihr Körper funktioniert einfach anders. Damit heiße Tage für euch beide erträglich bleiben, zeige ich dir, was wirklich hilft, was du lassen solltest und woran du einen Hitzschlag erkennst, bevor es gefährlich wird.

Wie schwitzen Hunde – und warum Hitze für sie anders ist?

Hunde schwitzen kaum über die Haut – ihre Schweißdrüsen sitzen hauptsächlich an den Pfotenballen. Auf dieser kleinen Fläche verdunstet so wenig Schweiß, dass es beim Abkühlen kaum hilft. Stattdessen regulieren Hunde ihre Körpertemperatur vor allem über Hecheln – und über die Wärmeabgabe durch die Haut, wenn das Fell dünn genug ist.

Genau da liegt das Problem: Durch jahrelange Zucht hat sich das Fell vieler Hunde so verändert, dass es sich nicht mehr optimal an die Umwelt anpasst. Langes, dichtes Fell staut die Wärme – und dein Hund kommt kaum noch runter, egal wie viel er hechelt.

Dazu kommt, dass die Sommer bei uns durch die Klimakrise immer heißer und unberechenbarer werden. Extreme Hitzewellen, die früher selten waren, gehören inzwischen zum Alltag. Das macht es umso wichtiger, dass du weißt, wie du deinen Hund an solchen Tagen schützt.

Hund abkühlen – das hilft wirklich an heißen Tagen

Schwimmen, Planschen, Wasser marsch

Such dir einen See oder Bach in der Nähe – oder stell deinem Hund ein kleines Planschbecken hin. Wenn dein Hund es mag, kannst du ihm auch einfach die Beine und den Bauch nass machen. Das Wasser verdunstet auf dem Fell und dein Hund kühlt von außen ab. Bitte kein eiskaltes Wasser – wenn sich die Blutgefäße durch die Kälte zusammenziehen, kann die Wärme nicht mehr gut aus dem Körper raus. Das Gegenteil von dem, was du gerade erreichen willst. Und wenn dein Hund schon überhitzt ist, bitte nicht sofort ins kalte Wasser springen – das geht auf den Kreislauf.

Ist dein Hund wasserscheu? Dann fang einfach mit einer flachen Schüssel an und lass ihn die Pfoten reinstellen.

Schattige Plätze und kühle Untergründe

Dein Hund sollte sich frei zwischen verschiedenen Plätzen bewegen dürfen – Fliesen, Stein, ein nasses Handtuch oder sein Hundebett. Wenn’s ihm zu warm wird, sucht er sich selbst den coolsten Spot. Das klappt aber nur, wenn er wirklich die Wahl hat. Sonnenschirm, Pavillon oder einfach ein kühler Raum – schau, was bei euch möglich ist.

Kühldecken für Hunde funktionieren gut und schützen nebenbei den Holzboden vor Nässe. Kühlwesten sind eine Option – aber ich nutze sie nicht, weil dein Hund sich dem nicht entziehen kann, solange er sie trägt.

Gassi gehen – aber wann?

Größere Runden verlagerst du auf den frühen Morgen oder den späten Abend. Mittags bleibt ihr besser zuhause oder macht nur kurze Runden im Schatten. Wenn ihr doch raus müsst – schattige Waldwege sind Gold wert. Aber überleg kurz, wie ihr dahinkommt: Wenn du erst 45 Minuten ohne Klimaanlage durch die Hitze fährst, über glühenden Asphalt läufst und dann wieder nach Hause musst, ist der Waldweg vielleicht doch keine Erholung – weder für dich noch für deinen Hund.

Eis und gefrorene Leckerlis

Ein gefrorener Kong oder eine eingefrorene Schleckmatte kühlt deinen Hund nicht komplett ab, aber als Beschäftigung an heißen Tagen ist das eine tolle Sache. Als Füllung eignen sich Quark, Leberwurst, Nassfutter oder Gemüsepüree – hauptsache, dein Hund verträgt es und mag es.

Lesetipp: Was du deinem Hund zum Kauen bieten kannst

Immer genug Wasser

Frisches Wasser immer griffbereit – zuhause und unterwegs. Für Spaziergänge gibt es faltbare Näpfe oder Trinkflaschen mit integriertem Napf. Und wenn ihr raus müsst und es richtig warm ist: Mach deinem Hund vorher die Beine und den Bauch mit einem nassen Waschlappen nass. So bleibt er auf der Runde etwas kühler. Aber bitte kein eiskaltes Wasser – wenn sich die Blutgefäße durch die Kälte zusammenziehen, kann die Wärme nicht mehr gut aus dem Körper raus. Das Gegenteil von dem, was du gerade erreichen willst.

Fellpflege das ganze Jahr

Lose Haare regelmäßig ausbürsten, Unterwolle mit einer speziellen Bürste rausarbeiten und bei manchen Felltypen auch trimmen lassen. Das hilft deinem Hund, die Hitze besser wegzustecken. Manche Hunde profitieren enorm vom Scheren – bei meinem Hund Paco war das ein echter Gamechanger im Sommer.

Was du bei Hitze unbedingt vermeiden solltest

Hund nie im Auto lassen

Das ist wirklich wichtig: Dein Hund gehört bei Hitze nicht ins Auto – auch nicht kurz, auch nicht mit geöffneten Fenstern. Autos heizen sich in der Sonne innerhalb von Minuten auf lebensgefährliche Temperaturen auf. Auch in der Sonne angebunden ist keine Option – lieber gemeinsam im Schatten warten.

Finger weg vom heißen Asphalt

Dein Hund läuft ohne Schuhe und Asphalt heizt sich in der Sonne extrem auf. Bevor ihr losspaziert, leg kurz deine Handfläche oder deinen nackten Fuß auf den Boden. Kannst du es nach fünf Sekunden nicht mehr aushalten? Dann ist es für deinen Hund auch zu heiß. Weich ausweichen auf Gras, Erde oder Waldböden – und im Zweifel lieber drinbleiben.

Kein Sport und kein intensives Training

Fahrradfahren, Agility oder andere intensive Aktivitäten solltest du bei Hitze komplett streichen. Das Herz-Kreislauf-System deines Hundes arbeitet bei Hitze sowieso schon auf Hochtouren – da braucht es keine extra Belastung. Auch Nasenarbeit ist keine gute Idee, weil dein Hund dafür das Hecheln unterbrechen muss und Hecheln ist sein wichtigstes Kühlsystem.

Worauf du bei Hitze besonders achten solltest

Nicht jeder Hund ist gleich

Manche Hunde legen sich freiwillig in die pralle Sonne – unsere Ridgeback-Hündin Ami hat das geliebt. Aber nur weil dein Hund selbst keine Pause einlegt, heißt das nicht, dass ihm die Hitze nichts ausmacht. Behalte ihn im Blick und hilf ihm, wenn er’s nicht selbst checkt. Für ältere, kranke oder übergewichtige Hunde ist Hitze eine besonders krasse Belastung – da lohnt es sich, noch genauer hinzuschauen.

Hitze stresst deinen Hund – und das merkst du

Hunde werden bei Hitze reizbarer, empfindlicher, schneller überfordert. Wenn dein Hund an heißen Tagen anders reagiert als sonst, ist das kein Zufall – sein Körper ist einfach schon ordentlich beschäftigt mit dem Runterkühlen. Trainingseinheiten und neue Herausforderungen schiebst du lieber auf einen kühleren Tag.

Klimaanlage ja – aber nicht auf Anschlag

Klimaanlage im Auto kühlt, aber bitte nicht auf volle Pulle. Für Mensch und Hund gilt: maximal 6 Grad kühler als draußen, sonst kann’s dem Kreislauf zu viel werden. Und Zugluft direkt auf deinen Hund solltest du auch vermeiden.

Kleinere Mahlzeiten, leichte Kost

An heißen Tagen lieber mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen. Dein Hund muss bei Hitze sowieso schon einiges wegstecken – eine schwere Mahlzeit macht das nicht leichter.

Als Belohnung und Erfrischung eignen sich zum Beispiel:

  • Futtertuben mit Quark oder Buttermilch
  • Schleckerchen mit Leberwurstwasser
  • Pürierte Melone eingefroren in einer Schleckmatte
  • Eingefrorene Smoothies aus Obst und Gemüse – was dein Hund verträgt und mag
  • Nassfutter oder Gemüsepüree eingefroren im Kong

Meine Lieblingsfuttertuben findest du übrigens hier.

Sonnencreme für Hunde

Hunde mit sehr kurzem oder kaum vorhandenem Fell, kahlen Stellen nach einer OP oder einem sehr hellen Nasenspiegel brauchen bei Hitze Sonnenschutz. Ein heller Nasenspiegel verbrennt in der Sonne genauso wie unsere Haut – nur dass dein Hund dir das nicht sagen kann. Spezielle Hundesonnencreme schützt diese empfindlichen Stellen zuverlässig.

So erkennst du einen Hitzschlag beim Hund

Klingt jetzt dramatisch und das ist es auch. Ein Hitzschlag kann sehr schnell gehen und ist lebensgefährlich. Dein Hund kann dir nicht sagen, dass es ihm zu heiß wird. Deswegen musst du wissen, woran du merkst, dass ein Hitzschlag droht.

Kurz zur Einordnung: Die normale Körpertemperatur von Hunden liegt zwischen 37,5 und 39 Grad Celsius, bei Welpen bis zu 39,5 Grad. Ab 41 Grad wird es lebensgefährlich – Organschäden können die Folge sein.

Erste Anzeichen – dein Hund kämpft gerade

  • Starkes Hecheln
  • Schwere oder sehr schnelle Atmung
  • Verstärkter Speichelfluss
  • Unruhe
  • Hals strecken

Es wird ernst – diese Anzeichen kommen dazu

  • Stark gerötete Schleimhäute
  • Durchfall oder Erbrechen
  • Teilnahmslosigkeit
  • Taumeln
  • Herzrasen und erhöhter Puls
  • Erhöhte Körpertemperatur

Kreislaufkollaps – sofort zur Tierärzt*in

  • Trockene und blasse Schleimhäute
  • Bewusstseinsverlust
  • Koma

Was du bei einem Hitzschlag sofort tun kannst

Bleib ruhig – aber handel sofort, denn jede Minute zählt.

Hol deinen Hund sofort aus der Hitze und fang an, ihn abzukühlen. Aber bitte nicht mit eiskaltem Wasser – wenn sich die Blutgefäße durch die Kälte zusammenziehen, kann die Wärme nicht mehr gut aus dem Körper raus. Lauwarmes bis leicht kühles Wasser ist die richtige Wahl.

Wenn du Eispacks zur Hand hast, leg sie in die Achseln und in den Lendenbereich – dort liegen große Blutgefäße dicht unter der Haut und die Kühlung kommt schnell im Körper an.

Wenn’s deinem Hund besser geht, geh bitte trotzdem zur Tierärzt*in und lass ihn durchchecken. Ein Hitzschlag kann Spätfolgen haben, wie zum Beispiel Blutgerinnungsstörungen oder Nierenprobleme und das kann noch Stunden später auftreten.

So gehst du vor:

  • Hund sofort an einen kühlen Ort bringen
  • Kühlung an den Pfoten beginnen
  • Fell langsam nass machen – lauwarmes bis leicht kühles Wasser
  • Wasser anbieten, wenn dein Hund ansprechbar ist
  • In Tücher gewickelte Eispacks in Achsel und Lendenbereich legen
  • Ventilator oder Lüftung aufdrehen, wenn vorhanden
  • Sofort zur Tierärzt*in – das ist ein Notfall!

Wichtig: Kühle deinen Hund nicht zu lange und nicht zu stark. Die Körpertemperatur soll nicht unter 39,4 Grad Celsius sinken – ein geschwächter Körper kann dann nicht mehr selbst gegenregulieren.

Diese Hunde sind besonders gefährdet

Nicht alle Hunde kommen gleich gut mit Hitze klar – manche geraten deutlich schneller an ihre Grenzen. Diese Hunde solltest du bei Hitze besonders im Blick behalten:

Hunde mit kurzer Schnauze – Möpse, Bulldoggen, Boxer und ähnliche Rassen können schlechter hecheln, weil ihre Atemwege eingeschränkt sind. Und Hecheln ist ihr wichtigstes Kühlsystem. Verengte Nasenlöcher, verdickte Schleimhäute oder ein zu langes Gaumensegel machen das noch schwerer. Diese Hunde überhitzen schnell – auch ohne große Anstrengung.

Kleine und kurzbeinige Hunde – sie laufen näher am aufgeheizten Boden und spüren die Hitze von unten viel intensiver als große Hunde.

Ältere und übergewichtige Hunde – ihr Körper arbeitet bei Hitze schon ordentlich – und sie ermüden schneller. Bei übergewichtigen Hunden kommt dazu, dass das extra Fettgewebe das Regulieren der Körpertemperatur erschwert.

Hunde mit sehr viel Energie – wie zum Beispiel Malinois. Die hören oft selbst dann nicht auf, wenn der Körper längst genug hat. Hier kannst du deinem Hund helfen, indem du regelmäßig Pausen anbietest, in den Schatten gehst und die Aktivität bewusst runterschraubst.

Damit du deinen Hund bei Hitze wirklich im Blick hast

Du weißt jetzt, was du tun kannst, um deinen Hund vor einem Hitzschlag zu schützen. Aber das alles funktioniert nur, wenn du auch erkennst, wann’s deinem Hund zu viel wird. Und dafür hilft es, die Körpersprache deines Hundes wirklich zu verstehen.

Wenn du das schnell und sicher lesen willst, gönn dir mein Video-Training Doggo Reading. Ich zeige dir darin genau, woran du erkennst, wann dein Hund gestresst ist, wann ihm etwas zu viel wird – und woran du siehst, dass er deinen Support braucht.

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Das fragen Hundemenschen am häufigsten zu Hund und Hitze

Wie kühle ich einen Hund bei Hitze ab?

Am besten mit lauwarmen Wasser – Beine, Bauch und Pfoten nass machen reicht oft schon. Kein eiskaltes Wasser, weil sich dann die Blutgefäße zusammenziehen und die Wärme nicht mehr gut rauskommt. Schattige Plätze, frisches Wasser und kühle Untergründe wie Fliesen helfen zusätzlich. Und wenn's geht: Spaziergänge auf den frühen Morgen oder späten Abend verlegen.

Ab welcher Temperatur ist es zu heiß für Hunde?

Das lässt sich nicht pauschal sagen – es hängt von deinem Hund ab, von der Luftfeuchtigkeit, dem Untergrund und davon, wie aktiv ihr unterwegs seid. Als Faustregel gilt: Wenn du die Handfläche nicht fünf Sekunden auf den Asphalt legen kannst, ist es für deinen Hund zu heiß zum Laufen. Hunde mit kurzer Schnauze, ältere oder übergewichtige Hunde sind schon bei niedrigeren Temperaturen schneller am Limit.

Wie merke ich, dass meinem Hund die Hitze zu viel wird?

Achte auf starkes Hecheln, schwere Atmung, verstärkten Speichelfluss und Unruhe – das sind erste Zeichen, dass dein Hund kämpft. Wenn er taumelt, sich erbricht oder die Schleimhäute stark gerötet sind, wird es ernst. Dann sofort in den Schatten, abkühlen und zur Tierärzt*in.

Wie lange darf ich mit meinem Hund bei Hitze rausgehen?

So kurz wie möglich und nur in den kühleren Stunden des Tages. In der Mittagshitze bleibt ihr besser zuhause. Wie lange genau, hängt von deinem Hund ab – beobachte ihn gut und mach lieber öfter kurze Runden als eine lange in der Hitze.

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist ausgebildete Hundetrainerin, Coach, Autorin des Buches „Markertraining für Hunde“ und Gründerin von Dog It Right®. Seit 2011 arbeitet sie hauptberuflich im Hundetraining, seit 2013 online.

Sie begleitet Menschen, deren Hunde wie auf einem anderen Planeten sind, sobald irgendwo ein anderer Hund auftaucht.

Dog It Right steht nicht für Dominanz, Gehorsamsdenken oder „sich durchsetzen“, sondern für ein Training, das ohne Machtspielchen auskommt und im echten Leben funktioniert, nicht auf dem Hundeplatz.

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