Antigiftködertraining – 3 Fehler, die ich gemacht habe und wie du sie vermeiden kannst

von Ulrike Seumel

Ich habe es tatsächlich geschafft, dass ein kooperativer Hund wie Paco lieber vor mir wegrennt, als zu mir zu kommen. Leider habe ich damals nicht gewusst, wie ich es besser machen kann – aber Paco hat mir schnell und deutlich gezeigt, dass mein Weg der Falsche war…

Zu Beginn meiner Zeit mit Paco habe ich drei große Fehler gemacht, wenn er draußen etwas Essbares gefunden hat.

Um dir und deinem Hund das zu ersparen, findest du hier meine Erfahrungen und wie du es besser machen kannst.

1. Warum dir Kooperation auf Dauer mehr bringt als Meideverhalten

Paco konnte ich vor ein paar Jahren weder seinen Ball noch gefundenes Futter wegnehmen.

Er war schneller, ist weggerannt oder hat seinen Kopf weggedreht und schnell geschluckt.

Auch der Rückruf hat in solchen Situationen nicht funktioniert. Selbst an der Schleppleine und an der kurzen Leine war er schneller.

Mein Tiefpunkt im Training

Meinen Tiefpunkt hatte ich, als Paco mir meinen Handschuh geklaut hat und ich ihn nicht wieder einfangen konnte. Damals war mir das sehr peinlich, heute kann ich aber darüber lachen.

Mit ihm zu schimpfen und es ihm einfach aus dem Maul zu reißen, führte bei Paco zu Meideverhalten, d.h., er versuchte, mich in solchen Situationen zu meiden.

Futter hat er vom Boden gefressen – wenn ich nicht aufgepasst habe oder er eine Chance sah, das Futter vor mir in Sicherheit zu bringen.

Mit ihm zu schimpfen und ihm das gefundene Futter wegzunehmen, hat außer Misstrauen nichts gebracht.

Paco hatte gelernt, dass er nur schnell sein muss, um trotzdem Erfolg zu haben. Jeder möchte unangenehme Dinge vermeiden und trotzdem das Beste für sich rausholen, das hat Paco getan. Vor mir weglaufen und trotzdem futtern. So machen es viele Hunde – entweder sie sind schnell oder sie warten einen unbeobachteten Moment ab. Schon mal einen Hund gesehen, der seine Chance nutzt, wenn seine Bezugsperson auf sein Smartphone starrt?

Hätte ich Paco härter bestrafen sollen?

In Pacos Fall hätte ich ihm mehr Angst machen müssen, damit der das Futter nicht anrührt, aber das wollte und konnte ich nicht.

Ich habe nach Lösungen gesucht, wie ich mit ihm trainieren kann, ohne ihm Angst zu machen.

Ich wollte auch nicht, dass er bei Futter in meiner Nähe in einen Konflikt gerät oder beginnt, sich selbst und das Futter schützen zu wollen.

Der Durchbruch beim Antigiftkördertraining

Als ich begonnen habe, mich mehr und mehr mit Hundetraining auseinanderzusetzen, habe ich auch über dieses Thema nachgedacht. Was kann ich machen, wenn er etwas frisst, was er nicht fressen soll?

Mir war klar, dass Paco sich vollkommen normal für einen Hund verhält und frei verfügbares Essen einfach frisst – Gratisessen finden Hunde toll. Wir Menschen auch, nur wir finden es selten auf der Straße.

Ich habe als erstes mein Verhalten verändert – wenn er etwas gefunden hat, wurde es ihm nicht aus dem Maul gerissen. Im Zweifelsfall habe ich getauscht. Denn Ausgeben musste ich erst trainieren.

Wenn es für Paco ungefährlich war, habe ich die Situation für mein Training genutzt.

Wie ich mit Paco trainiert habe

Der wichtigste Schritt – ich habe Kooperation von Paco belohnt! Ich habe zum Beispiel jedes freiwillige Ausspucken von Spielzeug, Stöcken, Müll, Futter und Co. in meiner Nähe extrem gut belohnt und ihm nichts weggenommen.

Dadurch fasste Paco sehr schnell wieder Vertrauen zu mir und wir konnten gezielt am Ausgeben auf Signal, am Wegnehmen von Dingen, am Weiterlaufen auf Signal und Co. arbeiten.

Lesetipp: 6 Gründe, warum du die positive Verstärkung im Training einsetzen musst

Mittlerweile habe wir im Laufe der Jahre sehr viele nützliche Signale trainiert, die wir nutzen können.

Diese Signale habe ich in den letzten Jahren aufgebaut und nutze sie für mein Antigiftködertraining:

  • Ausgeben
  • Wegnehmen und einpacken auf Signal
  • Weiter laufen
  • Umorientierung
  • Rückruf
  • Sitzpfiff

Aber ohne Pacos Kooperation hätte ich nichts davon aufbauen können. In diesem Video siehst du Pacos Reaktion auf mein Signal „Ich pack’s weg“, was das Wegnehmen und Einpacken von Dingen ankündigt, die ihm wichtig sind.

Als ich angefangen habe, in solchen Momenten erst mal durchzuatmen und nachzudenken, wurde es schon einfacher. Warum das wichtig ist, erfährst du im nächsten Abschnitt.

2. Warum deine eigene Panik dein Training sabotiert

Meine Hektik und Panik machten Paco Angst. Er ist ein Sensibelchen. Aber auch dein Hund wird es seltsam finden, wenn du Panik bekommst.

Dein Hund hat gelernt, wie du aussiehst, wenn du sauer oder gestresst bist. Wenn du panisch wirst, wird deine Körpersprache deinen Hund daran erinnern. Je nachdem, wie empfindlich dein Hund auf so etwas reagiert, wird er in Alarmbereitschaft sein und vielleicht sogar etwas Unangenehmes erwarten.

Wenn er gelernt hat, dass du ihm dann etwas aus dem Maul reißen wirst, wird er lieber schnell verschwinden oder schnell schlucken.

Panik ist kein guter Trainingspartner.

Nachdenken ist nicht möglich. Du wirst in diesem Moment zwar schnell reagieren können, aber ob dein Verhalten auf Dauer Vorteile hat, ist fraglich.

Ich habe meinen Hunden noch nie das Leben gerettet, wenn ich panisch war. Wir haben noch nie Giftköder gefunden. (Ich klopfe schnell drei Mal auf Holz, dass es so bleibt.) Ich denke aber nicht, dass Panik mir geholfen hätte.

Und bitte versteht das jetzt nicht falsch – nehmt Warnungen vor Giftködern ernst und meidet die Gebiete, aber schaut euch Meldungen ganz genau an. Viele der Meldungen geistern jedes Jahr durch Facebook und nicht jede gefundene Bratwurst wurde in ein unsichtbares Gift getaucht. Panik hilft weder dir noch deinem Hund und sie nimmt euch die Lebensqualität.

Statt in Panik zu verfallen, solltest du dich und deinen Hund durch ein gutes Training vorbereiten. Erst nachdenken, dann machen – durch Training und Gewohnheiten geht es immer schneller.

In der Grundschule war 1+1 nicht leicht, ein Schuljahr später sah das schon anders aus. Umso besser du Signale mit deinem Hund aufbaust, umso leichter wird euch beiden der Einsatz von der Hand gehen.

Wenn ich gemerkt habe, dass Paco etwas Gefunden hat und es behalten wollte, habe ich einmal tief durchgeatmet und kurz überlegt, was ich tun kann. Das Durchatmen hat mich entspannt und ich konnte schneller eine Entscheidung treffen. Mit weniger Anspannung verfiel auch Paco nicht in seine alten Muster.

Training bedeutet für deinen Hund, neues Verhalten zu lernen und zu festigen.

Training bedeutet für dich – Gewohnheiten zu ändern. Nicht mehr nach dem Hund grapschen, sondern z.B. ein Umorientierungssignal einsetzen. Wenn dein Hund seinen Kopf hochnimmt, kann er das Essen auch nicht vom Boden aufheben.

In dem Video überlege ich, was ich machen kann – im Zweifelsfall nutze ich immer mein Umorientierungssignal “Franz” für Paco.

3. Bleib immer am Ball

Dein Hund lernt immer – aber das weißt du sicher schon. Du musst im Training dran bleiben.

Sichere Signale musst du ab und zu auffrischen, denn eine gefundene Bratwurst sofort zu fressen ist und bleibt ein Highlight.

Vor vier Jahren hat Paco Pferdeäpfel sehr gern gefressen. Wir haben begonnen, an Pferdeäpfeln zu trainieren und innerhalb kurzer Zeit fand er sie gar nicht mehr interessant. An frischen Pferdeäpfeln hat er kurz geschnüffelt und mich dann angeschaut.

Nach dem Umzug nach Potsdam hat er wieder genascht. Warum – das kann ich nur vermuten.

Vielleicht weil er gestresst war durch die Veränderung, vielleicht weil die Ridgeback Hündin Pferdeäpfel auch gut findet, vielleicht schmecken Potsdamer Pferdeäpfel besser…

Also musste ich von vorn beginnen?

Nein, musste ich nicht. Paco war immer noch super ansprechbar und wir sind einfach wieder ins Training eingestiegen.

Fazit

100% Sicherheit kann dir kein Training der Welt geben, aber durch Kooperation wird dein Hund schnell und mit Freude dabei sein und bereit sein auf deine Signale zu reagieren. Die größte Sicherheit schafft Vertrauen auf beiden Seiten – in das Training und in den Bindungspartner.

Meideverhalten entsteht durch Angst und hat immer Nebenwirkungen. Deinem Hund das Leben retten, kannst du auch über ein trainiertes Anzeigeverhalten und andere Signale wie Ausgeben, Weiterlaufen oder einen Rückruf.

Kleinschrittig aufgebaute Signale helfen deinem Hund und dir, schwierige Situationen zu meistern. Konzentriere dich auf dein Training und dein Handeln im Alltag.

Frische dein Training immer wieder auf, denn egal, wie du arbeitest – dein Hund lernt immer.

Ich wünsche dir und deinem Hund viel Erfolg und eine schöne gemeinsame Zeit.

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Über die Autor*in

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist Trainerin für Menschen mit Hund, Coach, Autorin und Gründerin von Dog It Right.

Mit Dog It Right begleitet sie Menschen und ihre Hund auf dem Weg zu einem glücklichen und unbeschwerten Leben.

Ihr Team und sie trainieren Hundehalter*innen, damit diese wissen, wie sie mit ihrem Hund umgehen. Die Menschen sollen Probleme erkennen, verstehen und lösen können. Dabei trainieren sie immer mit den Bedürfnissen und Stärken von Mensch und Hund.

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