3 Gründe – Warum du Theorieseminare besuchen solltest

von Ulrike Seumel

und auch Praxisseminare ohne Hund

Vielleicht lehne ich mich heute zu weit aus dem Fenster, aber du weißt, dass ich niemandem etwas vorschreiben möchte. Heute gibt es von mir drei wichtige Gründe, warum du Seminare ohne deinen Hund besuchen solltest.

Manchmal habe ich Tage, an denen möchte ich etwas verändern in den Köpfen der Menschen und heute ist so ein Tag, deshalb wirst du ganz am Ende des heutigen Beitrags noch eine Entscheidung von mir lesen, die dich sicher überraschen wird.

1. Grund: Du lernst so viel mehr.

Du kannst dich besser konzentrieren, weil du dich nicht auf deinen Hund konzentrieren musst. Du bist mitten im Thema, kannst auch mal deinen eigenen Gedanken und auch Tagträumen nachgehen. Du musst dabei kein Auge auf deinen Hund haben, ob er noch brav neben dir oder im Auto liegt und ob alles okay ist.

Du gibst einer guten Referent*in mehr Möglichkeiten bei der Seminarführung. Sie kann mehr interaktive Aufgaben und Austauschmöglichkeiten zwischen den Teilnehmer*innen in die Theorie einbauen und nein, damit sind nicht nur die so beliebten Rollenspiele gemeint. Durch solche Aufgaben kannst du dein Wissen vernetzen und festigen – und dafür besuchst du ja auch ein Seminar, oder?

Wenn du die Prozesse, die Übungen und die Hintergründe verstehst, kannst du sie auch allein umsetzen mit deinem Hund. Die Praxis-Übungen lassen sich übrigens auch mit anderen Teilnehmer*innen durchführen. So bekommst du auch gleich ein gutes Feedback und bevor du an deinem Hund rumprobierst, kannst du an einem anderen Menschen deine Ausführung üben. (Ach ja, nicht falsch verstehen – ich arbeite immer nett und freundlich, da werden andere Teilnehmer*innen auch nicht gefährdet.)

Du lernst Menschen kennen

Du kannst dich besser mit den anderen Teilnehmer*innen vernetzen, weil du nicht auf deinen Hund achten musst. Ihr müsst keinen extra Abstand wahren, weil die Hunde sonst gestresst sind und früher dicht machen. Der Austausch mit Gleichgesinnten und auch der Rückhalt unter ihnen ist sehr wichtig für ein motiviertes am-Ball-Bleiben. Und wenn du jetzt sagst, dass das aber auch alles mit deinem Hund ginge, dann freue ich mich sehr für dich – aber Grund 2 wird dich trotzdem betreffen.

Du kannst alles beobachten

Du kannst andere Hunde beobachten und deine Beobachtungsgabe in Bezug auf Körpersprache wahnsinnig schulen. Auch die Reaktionen der Hunde auf die verschiedenen Übungen, Belohnungen und die Situationen sind wahnsinnig lehrreich. Dabei kannst du vergleichen, wie es mit deinem Hund wäre. Natürlich kannst du auch andere Hundehalter*innen beobachten und wie sie die Übungen umsetzen. Wusstest du, dass Menschen sehr gut über das Nachahmen lernen? Wenn du dich also voll konzentrieren kannst, nimmst du eine Menge mit.

Und ein kleiner Tipp von mir – wenn du freundlich fragst, darfst du sicher bei vielen Seminaren Übungen filmen. Das lohnt sich auch, wenn du mit deinem Hund teilnimmst. Aber bitte frag vorher die Referent*in, die Veranstalter*in und alle anderen, die du dann vielleicht filmst.

Die Schwierigkeiten mit dem eigenen Hund in seinem Alltag zu lösen, bedeutet in erster Linie, in sich selbst zu investieren.

2. Grund: Es ist für dich nicht so anstrengend!

Wenn du deinen Hund dabei hast – egal, ob bei einem Theorie- oder Praxisseminar – musst du dich um deinen Hund kümmern und immer präsent sein.

Du musst sehr viele Entscheidungen treffen – manche davon bewusst, andere ganz unbewusst. Bei Praxisseminaren arbeitest du dann noch aktiv mit deinem Hund. Das ist sehr anstrengend und ich beobachte immer wieder, wie die Teilnehmer*innen mit Hund nach einem Seminartag müde und geschafft sind. Bei einem Tagesseminar ist es vielleicht nicht so wild, aber wenn es dann noch einen ganzen Tag weitergeht, reicht eine Nacht Schlaf gar nicht aus, um wieder Kraft zu tanken, damit du auch am zweiten Seminartag so fit wie am ersten bist.

Seminare mit Hund sind sehr anstrengend

Schuld daran hat die Aufmerksamkeitsteilung, die du leisten musst – zwischen deinem Hund und den Seminarinhalten. Der zweite Übeltäter ist das Multitasking. Im Internet kannst du überall lesen, warum Multitasking dich unproduktiver und gestresster macht, aber genau das braucht es, wenn du mit deinem Hund an einem Seminar teilnimmst.

Dadurch wird keine gute Lernatmosphäre für dich geschaffen. Und wenn du ehrlich bist, besuchst du ja meist auch ein Seminar mit Hund, weil das Seminar dir eine Lösung für eure Probleme bietet und damit ist es auch anspruchsvoll für deinen Hund.

Auch für den einfachsten Hund der Welt ist ein zweitägiges Seminar eine Herausforderung – neue Geräusche, Krach (unterschätze nicht quatschende Frauen und nein, das ist nicht sexistisch, sondern die Geräuschkulisse ist in den Pausen oft extrem, weil es so viel Spaß macht, sich mit den anderen Teilnehmer*innen auszutauschen), fremde Hunde, fremde Menschen, wenig Schlaf, neue Übungen und und und. Und auch auf deinen Sonnenscheinhund musst du ein Auge haben.

3. Grund: Dein Hund ist zuhause entspannter und besser versorgt.

Wie beim zweiten Grund schon erwähnt, ist es für deinen Hund sehr anstrengend. Wenn dein Hund an diesem langen Tag schlafen kann, hat dieser nicht die Qualität wie zuhause durch Stress, fremde Hunde und Menschen. Das ist für einen Hund auch keine gute Lernatmosphäre – natürlich strengen sich die Hunde immer an und ich habe es noch nie auf einem Seminar erlebt, dass ein Hund gar nicht mitarbeiten konnte. Auf den Seminaren waren immer alle bemüht, es den Hunden so angenehm wie möglich zu machen. Auch ein Sichtschutz im Seminarraum, Abstand zu den anderen Hunden, ein freundlicher Umgang und angepasste Übungen für die Hunde sind super, aber nicht ausreichend.

Zuhause beginnt die Arbeit erst

Nach den Seminaren gibt es immer ein Skript zum Nacharbeiten und du kannst es mit deinem Hund in eurer Umgebung nachholen und trainieren. Wenn du gut aufpassen konntest und die Theorie verstanden hast, ist es leicht, das Training zuhause ohne Ablenkung umzusetzen.

Solltest du bei der Umsetzung in eurem Alltag hängen bleiben, dann hilft dir auch kein Seminar weiter, weil das Seminar nicht bei dir zuhause stattfindet. Zuhause kommt dann plötzlich ein Hund um die Ecke, während ein Skateboard vorbeifährt und die Katze euch unter dem Auto anfaucht. 😉

In so einem Fall kann dir eine gute Hundetrainer*in in einer Einzelberatung Hilfestellung leisten und mit dir eine Lösung erarbeiten – dieser Rahmen ist viel besser für dich und deinen Hund, weil er genau da ansetzt, wo ihr die Hilfe braucht.

Es tut mir leid, das jetzt zu schreiben, aber das Training fängt nach dem Seminar sowieso erst richtig an. An einem Wochenende wird dein Hund sicher nicht sein viele Jahre praktiziertes Verhalten verändern und du auch nicht. Es braucht Wiederholungen und ein Training in eurem gewohnten Umfeld, da auch dort die Schwierigkeiten entstehen. Die neu gelernten Dinge müssen zur neuen Gewohnheit werden.

Hä? Und warum besuchst du dann selbst mit deinen Hunden Seminare?

Diese Frage ist natürlich gerechtfertigt.

Vorab: Ich lerne definitiv auch mehr auf Theorieseminaren und auf Praxisseminaren ohne Hund.

Aber ich nutze Seminare mit Hund sozusagen als Qualitätszeit für mich und meine Hunde. Dazu wähle ich sehr gut aus, wo ich ein Seminar besuche. Für mich kommen da nur ein paar Veranstaltungsorte in Frage, damit die Hunde sich pudelwohl fühlen und gut lernen können. Wenn sie keine Lust haben, dann ist das auch ok. Auch wenn es mich dann trotzdem frustriert…

Außerdem fahre ich dann allein immer nur mit einem Hund zum Seminar. Es ist großartig für alle drei ein Wochenende ohne die anderen nur mit mir (oder meinem Freund) zu verbringen. Sie bekommen die ungeteilte Aufmerksamkeit, müssen keine Belohnungen oder Beschäftigungen teilen und sind einfach ganz ungestört.

Und ja, reine Praxisseminare im Bereich des Hundesports oder Beschäftigung machen natürlich sehr viel mehr Spaß mit Hund – die oben angeführten Gründe gelten trotzdem. Du musst dabei das Für und Wider abwägen und für dich und deinen Hund entscheiden.

Da war doch noch etwas…

Ich habe mich entschieden, dass ich ab 2017 nur noch Theorieseminare und Praxisseminare mit maximal 4-6 Teilnehmer*innen mit Hund veranstalten und selbst halten werde. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und Beobachtungen halte ich das für eine viel bessere Lösung. Eine Lösung, mit der ich mich viel wohler fühle, weil mir eine gute Lernatmosphäre wichtig ist und ich auch gute Resultate mit meiner Arbeit erzielen möchte.

Weniger Teilnehmer*innen mit Hund bedeuten

  • mehr Platz im Raum und Abstand für die Hunde
  • kürzere Praxiseinheiten insgesamt mit einer viel höheren Qualität für die Teilnehmer*innen
  • weniger Rumstehzeit, wenn man gar nicht dran ist und warten muss
  • mehr Zeit für die Teilnehmer*innen ohne Hund
  • ein aktives Einbinden der Teilnehmer*innen ohne Hund

Und es bedeutet aber auch

  • höhere Preise für die Plätze mit Hund

Kann das funktionieren?

Ja, kann es – aber nur, wenn du auch bereit bist, Seminare ohne Hund zu besuchen.

Ach ja, ein Seminar ohne Hund zu besuchen, bedeutet bitte nicht, dass die Hunde in der Zeit im Auto warten. 😉

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Über die Autor*in

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist Trainerin für Menschen mit Hund, Coach, Autorin und Gründerin von Dog It Right.

Mit Dog It Right begleitet sie Menschen und ihre Hund auf dem Weg zu einem glücklichen und unbeschwerten Leben.

Ihr Team und sie trainieren Hundehalter*innen, damit diese wissen, wie sie mit ihrem Hund umgehen. Die Menschen sollen Probleme erkennen, verstehen und lösen können. Dabei trainieren sie immer mit den Bedürfnissen und Stärken von Mensch und Hund.

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