Warum dir nur das Training im Alltag dauerhaften Erfolg mit deinem Hund bringt

Den Alltag gemeinsam mit dem Hund zu meistern, ist wunderschön und gleichzeitig eine große Anstrengung.

Im Alltag bellt dein Hund einen anderen Hund an, klaut ein Brötchen vom Tisch oder rennt trotz Rückruf fröhlich ins Unterholz. Gleichzeitig setzt sich dein Hund sofort auf das Signal “Sitz” mit dem Hintern auf den Boden, reagiert im Sekundenbruchteil auf seinen Namen und trägt die Zeitung nach Hause. Im Alltag mit unseren Hunden finden wir alles, was das Training ausmacht – Herausforderungen und Erfolge und manchmal auch Verzweiflung.

 

Warum dein Hund so schlecht verallgemeinern kann

Hunde lernen immer im Kontext – ihr Gehirn schießt in jeder Sekunde ein Foto und speichert alle Informationen ab, die sich darauf finden lassen.

Emotionen

Sehr wichtig für das Hundegehirn sind Emotionen. Die Emotion Angst ist wichtig, um sich vor Gefahren zu schützen. Die Emotion Seeking ist wichtig, um die wichtigen Dinge zu tun, die einen Hund zum Hund machen – die Umwelt erkunden und Bedürfnisse befriedigen.

Auch du kennst beide Emotionen. In meinem Fall Angst – ich verkrieche mich unter der Bettdecke, um mich vor einer Spinne zu verstecken und rufe nach meinem Freund. Auf der anderen Seite Seeking – ich bin in Leipzig unterwegs und teste vegane Restaurants, um geschmacklich Neues zu entdecken. Die erste Sache macht sehr viel weniger Spaß als die zweite. ?

Emotionen sind immer da und niemand kann sie abstellen. Dein Hund verknüpft Situationen und Signale immer mit Emotionen. Das hat Vor- und Nachteile.

Ich habe bei meinem Hund Paco das Signal für den Handtouch sehr oft in Situationen abgefragt, in denen er Angst vor lauten Geräuschen hatte.
Irgendwann drehte sich Paco weg, wenn ich ihm meine Hand zum Handtouch hingehalten habe. Er versuchte den Handtouch zu vermeiden, weil er vor ihm Angst hatte. Ich habe den Handtouch deshalb neu aufgebaut mit einem neuen Sicht- und Wortsignal. Außerdem achte ich stark darauf, Signale so oft es geht in angenehmen Momenten abzufragen, damit das nicht wieder passiert.

Einer von vielen Gründen, warum ich den Einsatz von ängstigenden Strafen im Hundetraining ablehne und ihre Notwendigkeit hinterfrage: Die Gefahr von Fehlverknüpfungen ist riesig – der Hund kann unangenehme Konsequenz mit Dingen aus seiner aktuellen Umwelt, mit Signalen oder mit seiner Bezugsperson verknüpfen.

So entstehen oft neue Probleme, die ich durch Training bearbeiten muss oder es geht dem Hund dauerhaft schlecht.

Lesetipp: Was jeder über Strafe im Hundetraining wissen sollte

Details

Auf dem Foto im Hundeghirn werden auch alle anderen Details abgespeichert – anwesende Personen, der Ort, die Situation und die Körpersprache der Bezugsperson.

Du übst mit deinem Hund das Hinlegen auf Signal. Als Sichtzeichen nutzt du eine flache Hand, die sich Richtung Boden bewegt und als Hörzeichen das Wort “Platz”. Du bist fleißig und trainierst jeden Tag mehrere Male im Wohnzimmer deines Hauses.
Dein Hund lernt sich hinzulegen, aber erst mal nur im Wohnzimmer.

Die Übungsorte müssten langsam nach draußen verlagert werden. Erst danach kannst du die Ablenkung steigern.

Deine Körpersprache

Auch deine Körpersprache speichert dein Hund detailgetreu ab. Stehst du bei jedem Durchgang aufrecht vor ihm, wird er nicht sofort wissen, was du meinst, wenn du plötzlich auf einem Stuhl sitzt.

Du kennst sicher den Rat, dass man Signale generalisieren soll, d.h., man trainiert z.B. das Signal Sitz an verschiedenen Orten, mit unterschiedlicher Körperhaltung seitens des Menschen, in den verschiedensten Situationen und steigert dann die Ablenkung für den Hund.

Generalisieren bedeutet, dass der Hund lernt, zu verallgemeinern und damit in der Ausführung des Verhaltens sicher wird. Dein Hund soll sich auf das Signal “Platz” hinlegen, unabhängig von der Situation, dem Ort und deiner Körperhaltung oder Position.

Das fällt manchen Hunden leichter und andere Hunde brauchen für ihren AHA-Moment etwas länger. Für dich bedeutet es eine gute Planung im Training und Flexibilität, denn der Alltag bietet euch immer wieder Überraschungen. Überraschungen, die deinen Plan verderben.

 

Training auf dem Hundeplatz oder im Alltag?

So Schwarz-Weiß wie die Überschrift vermuten lässt, ist es natürlich nicht. Du hast zwei Möglichkeiten, wo dein Training stattfinden kann – entweder auf einem (umzäunten) Hundeplatz oder im Alltag.

Ich trainiere mit meinen Teams im Einzeltraining immer im Alltag, d.h. im besten Fall genau dort, wo sich das Team tatsächlich bewegt und die Probleme auftreten.

Hundeplatz

Auf einem Hundeplatz kannst du versuchen, alltägliche Situationen nachzustellen, aber der Ort bleibt für den Hund der Hundeplatz. Er wird es nur schwer auf seinen Alltag übertragen.

Ein Hundeplatz bietet Raum für Hundesport und Co., da man durch einen Zaun geschützt ist. Die Ablenkung durch andere Hunde und Menschen ist zwar gegeben, aber Jogger*innen, Fahrräder, Wild und Co. bleiben draußen.

Der große Vorteil von einem umzäunten Platz – nicht ableinbare Hunde können Runden drehen und Bewegungsfreiheit genießen. Das bedeutet Lebensqualität, die sehr förderlich ist für das Training.

Wie findest du den Einstieg ins Training?

Für den Einstieg ins Training kann ein umzäuntes Gelände vorteilhaft sein, weil der Hund mit nur sehr wenig Ablenkung Neues erlernen kann – aber um zu generalisieren, musst du dich hinter den schützenden Zaun wagen. Und auch ohne Hundeplatz kannst du für den Einstieg ins Training immer ablenkungsarme Orte für deinen Hund finden.

Für mich persönlich wäre ein umzäuntes Gelände ein idealer Rückzugsort, um Hund und Hundehalter*in eine Pause zu gönnen.
Dort kannst du einfach allein mit deinem Hund sein und musst nicht auf die Umwelt achten.

Trainierst du ausschließlich auf einem Hundeplatz, wird der Hund sein gezeigtes Verhalten und die erlernten Signale nur schwer auf seinen täglichen Spaziergang, seine häusliche Umgebung und jede andere Alltagssituation übertragen können.

Alltag

Im Alltag werden du und dein Hund mit vielfältigen und plötzlich auftretenden Reizen konfrontiert. Nicht nur dein Hund muss lernen, mit diesen Reizen umzugehen – auch du musst in der Lage sein, den eigenen Hund verantwortungsbewusst durch den Alltag zu führen. Deshalb findet mein Training immer im Alltag statt.

Wie der Alltag für die verschiedenen Hund-Mensch-Teams aussieht, ist relativ. Auch die Trainingsziele, die die verschiedenen Teams haben, sind verschieden.

Im Alltag zu trainieren, bedeutet zu Beginn natürlich nicht die Einkaufspassage zur Rush Hour, sondern (immer abhängig vom Traningsziel und Trainingsstand) z.B. der tägliche Gassi-Weg zu einer nicht so stark frequentierten Zeit. Eine entspannte Lernatmosphäre ist zu Beginn für Hund und Halter*in sehr wichtig, um sicher in den Übungen zu werden. Herausforderungen werden später oft genug warten, um deine Flexibilität zu testen.

Auch du musst in Zusammenarbeit mit deiner Trainer*in gute Lernerfahrungen machen. An Erfolgen im Training kannst du wachsen und nur durch Erfolge wirst du das Training immer mehr in deinen Alltag integrieren.

Du wirst Sicherheit gewinnen, da du die Erfahrung machst, mit einer unkontrollierbaren Umwelt umzugehen. Dabei lernst du durchdacht und souverän in Problemsituationen zu reagieren und die verschiedenen Trainingswerkzeuge einzusetzen.

 

Den Alltag gemeinsam meistern – Fazit

Dein Hund lernt immer im Kontext und wird viel mehr Informationen mit deinem Training abspeichern, als du dir vorstellen kannst.

Um Fehlverknüpfungen zu vermeiden, solltest du auf positive Verstärkung im Training setzen und das Training in kleinen Schritten planen.

Dein Hund braucht Zeit, um Verhalten auf Signal zu generalisieren und deine kompetente Unterstützung.

Ein umzäuntes Gelände eignet sich für Hundesport und den Trainingsbeginn, das Training im Alltag kann es nicht ersetzen.

Gemeinsam mit deinem Hund im Alltag Schönes zu erleben, gehört zu den wichtigsten Momenten zwischen dir und deinem Hund.

Durch einen freundlichen Umgang mit deinem Hund hast du die Chance, dass dein Hund gute Erfahrungen in seiner Umwelt macht und sich bei dir sicher fühlt.

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