Hundebegegnungen an der Leine – warum dein Hund ausflippt und was du tun kannst

Die meisten Menschen, die zu mir ins Training kommen, wünschen sich dasselbe: dass ihr Hund bei Hundebegegnungen an der Leine einfach entspannt bleibt. Kein Bellen, kein Springen, kein Zerren – einfach vorbeigehen. Klingt so simpel. Ist es aber oft nicht.

Denn sobald ein anderer Hund auftaucht, springt dein Hund in die Leine, bellt, ist nicht mehr ansprechbar. Ohne Leine klappt es oft viel besser – aber nicht jeder Hund kann überall ohne Leine laufen. Classic Dilemma. 🫠

Seit 2011 begleite ich Menschen mit ihren Hunden – und ich habe festgestellt, dass fast immer eine Sache fehlt. Eine Sache, die so naheliegend ist, dass die meisten Hundemenschen gar nicht drauf kommen.

Warum ist die Leine so ein großes Problem?

Viele Hunde kennen Hundebegegnungen ohne Leine viel besser – direkt Hallo sagen, einfach losschießen, schnüffeln, spielen oder aus dem Weg gehen. An der Leine funktioniert das alles nicht:

  • Dein Hund kann nicht einfach hinlaufen, wenn er den anderen Hund interessant findet
  • Dein Hund kann nicht einfach einen Bogen machen, wenn er den anderen Hund nicht kennenlernen will
  • Dein Hund kann nicht weggehen, wenn ihm der andere zu nah kommt – und irgendwann bellt er einfach los oder springt in die Leine, weil er keinen anderen Ausweg sieht

Das Fiese daran: Die meisten Hunde hatten schlicht nie die Chance zu erleben, dass es an der Leine mit anderen Hunden auch entspannt zugehen kann. Sie kennen eigentlich nur das Gegenteil.

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Die eine Sache, die deinem Hund bei Hundebegegnungen an der Leine wirklich hilft

Dein Hund braucht Spaziergänge an der Leine mit anderen Hunden – ohne direkten Kontakt. Klingt erstmal langweilig und überflüssig, ich weiß. Aber genau das fehlt den meisten Hunden. Und genau das hilft deinem Hund zu lernen, dass andere Hunde an der Leine kein Drama sein müssen.

1. Grund: Dein Hund lernt, dass er nicht sofort zu jedem Hund muss

Dein Hund kennt es bisher oft nur so: Hund in Sicht, sofort hinlaufen. An der Leine geht das nicht. Und das frustriert ihn – weil er den anderen Hund interessant findet, mal Hallo sagen will, schnüffeln, spielen, einfach mal schauen, wer das ist. Er will zumindest hingehen. Und das geht nicht.

Stell dir vor, du siehst eine alte Freundin auf der anderen Straßenseite und eine Person hält dich fest und sagt, du darfst nicht rüber. Das wäre für dich auch frustrierend, oder?

Und Frustration macht deinen Hund aufgeregter und gestresster. Das kann dazu führen, dass er schneller aggressiv reagiert – also in die Leine springt, bellt, zerrt.

Wenn dein Hund aber immer öfter erlebt, dass ein anderer Hund da ist, er nicht hin kann – und trotzdem alles entspannt bleibt – lernt er langsam, damit klarzukommen. Aber wichtig: Das funktioniert nur, wenn der Abstand groß genug ist, damit dein Hund entspannt bleibt. Wenn ihr einfach irgendwo steht, dein Hund sich aufregt und nichts passiert, lernt er dabei nichts. Er braucht die Erfahrung, dass es easy ist – weil es ihm gut geht, weil er sich sicher fühlt und weil er entspannt ist.

Podcast-Tipp Folge 59: Frustration beim Hund

2. Grund: Dein Hund lernt, dass du auch dann interessant bist, wenn ein anderer Hund auftaucht

Du wünschst dir, dass dein Hund nicht einfach losdüst und jeden Hund anspringt, der auftaucht? Dann lohnt es sich, deinem Hund zu zeigen, dass es Spaß macht, mit dir unterwegs zu sein – auch wenn ein anderer Hund dabei ist.

Denn wenn dein Hund gelernt hat, dass du interessant bist, auch wenn andere Hunde da sind, wird er automatisch öfter auf dich achten. Er bleibt ansprechbar. Und das ist Gold wert – weil du dann genau in dem Moment, wo ein anderer Hund auftaucht, noch an deinen Hund rankommst. Du kannst ihn supporten, bevor er ausflippt. Ihr könnt zusammen trainieren. Und das alles funktioniert nur, wenn dein Hund in dem Moment noch bei dir ist – und nicht schon längst auf dem Weg zum anderen Hund.

Podcast-Tipp Folge 138: Was ich bei Hundebegegnungen zuerst ändere, bevor ich trainiere

3. Grund: Dein Hund lernt, dass andere Hunde an der Leine kein Stress bedeuten

Wenn dein Hund bisher bei jeder Hundebegegnung an der Leine ausgeflippt ist, hat er gelernt:

  • Hund in Sicht = Stress
  • Hund in Sicht = Aufregung
  • Hund in Sicht = Drama
  • Hund in Sicht = Unsicherheit

Das sitzt tief. Und genau das wollen wir verändern.

Wenn dein Hund immer öfter erlebt, dass ein anderer Hund auftaucht – und nichts Schlimmes passiert, er sich sicher fühlt, es ihm gut geht – verändert sich das langsam. Andere Hunde an der Leine werden nicht mehr automatisch zum Alarmsignal. Und plötzlich ist Gassi gehen mit anderen Hunden kein Horrortrip mehr. Für dich nicht – und für deinen Hund auch nicht. 🔥

Besonders wichtig ist das, wenn dein Hund an der Leine sehr aggressiv auf andere Hunde reagiert oder große Angst vor ihnen hat. Dann reicht es nicht, einfach abzuwarten und zu hoffen, dass es irgendwann besser wird. Dein Hund braucht gezielt gute Erfahrungen und deinen Support dabei.

Lesetipp: Wie bringe ich meinem Hund bei, andere Hunde zu ignorieren?

5 Dinge, die du bei Spaziergängen an der Leine mit anderen Hunden beachten solltest

Klingt eigentlich simpel – einfach mit einem anderen Hund an der Leine spazieren gehen. Aber seit 2011 sehe ich immer wieder, dass genau dabei viele Hundemenschen Dinge tun, die ihrem Hund nicht helfen. Hier ist, worauf du achten solltest:

1. Fang nicht zu nah an

Direkt nebeneinander an einer kurzen Leine loslaufen – das ist für die meisten Hunde zu krass für den Anfang. Such dir ein Hund-Mensch-Team, dem du vertraust, und startet mit genug Abstand. Je mehr dein Hund bei anderen Hunden ausflippt, desto weiter weg solltet ihr anfangen. Und schau nicht nur auf deinen Hund – auch der andere Hund muss damit klarkommen.

2. Nimm eine längere Leine

Viele Hunde haben kurze Leinen mit Stress und Aufregung verknüpft – einfach weil sie das so kennen. Eine längere Leine macht das leichter. Dein Hund kann sich freier bewegen, mal einen Bogen laufen, mehr schnüffeln, den Abstand zum anderen Hund selbst ein bisschen regulieren. Er muss nicht die ganze Zeit straff neben dir laufen und dabei noch Impulskontrolle aufbringen – das ist für viele Hunde richtig anstrengend und kostet genau die Energie, die er eigentlich braucht, um mit dem anderen Hund klarzukommen.

Und wir wollen hier auch keinen kleinen Soldaten, der starr neben dir herläuft und nicht nach links und rechts schauen darf. Das bringt euch nicht weiter. Und mal ehrlich: Gehorsam brauchen wir echt nie. Was wir brauchen, ist ein Hund, dem es gut geht – und natürlich auch ein Mensch, dem’s mit dem Hund gut geht. Und mit Gehorsam erreichen wir das nicht. 😜

Meine Empfehlung: Nimm eine 3- bis 5-Meter-Leine und befestige sie an einem gut sitzenden Brustgeschirr – bitte nicht am Halsband.

3. Mehr Abstand als du denkst

Was ich seit 2011 immer wieder sehe: Menschen wählen einen zu kleinen Abstand. Weil sie denken, so weit weg sieht mein Hund den anderen doch gar nicht – oder weil sie das Gefühl haben, sie müssen schnell näherkommen, damit endlich was passiert. Aber genau das ist der Punkt: Es soll gar nichts passieren.

Es geht hier nicht darum, zu üben, dass Hunde dicht aneinander vorbeigehen. Es geht darum, dass dein Hund lernt: Ich bin sicher, auch wenn ein anderer Hund da ist. Alles ist okay. Ich bin entspannt, mein Nervensystem ist reguliert – obwohl da gerade ein anderer Hund ist.

Von außen sieht das oft ziemlich langweilig aus und genau das ist richtig so. Fang also mit mehr Abstand an, als du denkst, dass dein Hund ihn braucht. Und es ist völlig okay, den Abstand größer zu machen, wenn du merkst, dass einer der Hunde das gerade braucht.

4. Belohne tolles Verhalten

Schau genau hin und belohn deinen Hund, wenn er etwas tut, das du öfter sehen willst. Das können ganz verschiedene Dinge sein:

  • Die Leine hängt locker
  • Dein Hund schaut kurz zum anderen Hund und dann wieder weg
  • Dein Hund schnüffelt, obwohl der andere Hund in der Nähe ist
  • Dein Hund dreht sich zu dir um
  • Dein Hund entscheidet sich, lieber zu schnüffeln, statt zu starren

Du schaffst damit nicht nur gutes Verhalten – du sorgst auch dafür, dass dein Hund andere Hunde in der Nähe emotional besser verknüpft. Aus „anderer Hund = Stress“ wird langsam „anderer Hund = es passiert was Gutes“. Das ist Gold wert.

5. Lieber kurz und gut als lang und zu viel

Bei solchen Spaziergängen leistet dein Hund richtig viel – er hält sich zurück, bleibt entspannt, konzentriert sich. Das strengt an. Fang lieber mit 10 Minuten an als mit 2 Stunden. Steiger die Zeit erst, wenn du merkst, dass dein Hund das locker packt – und auch am nächsten Tag noch cool drauf ist. Denn oft merkt man erst am Tag danach, dass etwas doch anstrengender war als gedacht.

Und fang mit einem anderen Hund an – nicht mit fünf. Ich habe das seit 2011 immer wieder so gehalten: Wenn ich mit Menschen in der Gruppe an diesem Thema trainiert habe, waren nie mehr als vier Hund-Mensch-Teams dabei. Weil ich jeden einzelnen Hund im Blick haben, jeden supporten und dafür sorgen wollte, dass alle wirklich begleitet werden – und nicht einfach allein dastehen und klarkommen müssen. Nur weil mehr Hunde dabei sind, bedeutet das nicht automatisch mehr gute Erfahrungen. Meistens bedeutet das für viele Hunde am Anfang einfach nur mehr Stress.

Social Walks

Solche Spaziergänge gibt es schon länger – in vielen Hundeschulen findest du sie unter dem Namen Social Walk oder Gruppenspaziergang. Wenn sie gut gemacht sind, können sie genau das bieten, was ich hier beschrieben habe.

Aber schau dir genau an, wie so ein Gruppenspaziergang organisiert ist, bevor du mitmachst:

  • Wie viele Hunde sind dabei?
  • Wirst du und dein Hund wirklich supportet?
  • Wird darauf geachtet, dass dein Hund entspannt bleibt – oder läuft das einfach so durch?

Was als cooles Event für Mensch und Hund verkauft wird, ist für viele Hunde einfach nur stressig. Und das hilft euch nicht weiter.

Lesetipp: Hundewiese: Was du wissen musst, bevor du hingehst

Und noch was: Ein solcher Spaziergang alle paar Monate reicht nicht. Solange dein Hund Mühe damit hat, wenn andere Hunde auftauchen, plane mehrmals im Monat kurze Spaziergänge an der Leine mit anderen Hunden ein – ohne Kontakt, mit genug Abstand, so dass dein Hund entspannt bleibt.

Für den Alltag braucht es aber oft noch mehr – vor allem, wenn dein Hund an der Leine pöbelt oder ausflippt, sobald ein anderer Hund auftaucht. Lies dazu gleich den nächsten Abschnitt. 👇

Hund pöbelt an der Leine – was steckt dahinter?

Wenn dein Hund an der Leine andere Hunde anbellt oder ausrastet, steckt dahinter ein Hund, der Angst hat, nicht weiß, wie er mit der Situation umgehen soll – oder beides. Kein Hund macht das, weil er dich ärgern will.

Lesetipp: Aggressiver Hund: Warum Hunde aggressiv reagieren – und was du tun kannst

Solche Spaziergänge an der Leine mit anderen Hunden sind eine wichtige Grundlage – dein Hund braucht vor allem die Erfahrung, dass er sicher ist, wenn andere Hunde in der Nähe sind. Aber sie reichen allein nicht aus. Denn im Alltag passiert es ständig: Ein Hund kommt plötzlich um die Ecke, es wird eng auf dem Gehweg, ihr könnt nicht ausweichen.

Damit ihr damit umgehen könnt, brauchst du konkrete Antworten auf diese Fragen:

  • Was tust du, wenn dein Hund gerade ausrastet und ein anderer Hund plötzlich um die Ecke kommt?
  • Wie gestaltest du Spaziergänge proaktiv, damit dein Hund gar nicht erst ausrastet?
  • Wie schaffst du es, dass dein Hund gar nicht erst in Situationen kommt, die gerade noch zu viel für ihn sind?

Das braucht Zeit. Aber je öfter dein Hund erlebt, dass andere Hunde kein Drama bedeuten, desto einfacher werden solche Situationen für ihn – und desto ansprechbarer wird er.

Lesetipp: Hund bellt andere Hunde an – was du tun kannst und was du lassen solltest

Oder schau dir meinen Onlinekurs „Easy Hundebegegnungen ohne Training“ an – da zeige ich dir genau, wie du deinen Hund durch schwierige Momente begleitest, auch wenn’s mal eng wird.

Dein Hund flippt bei anderen Hunden an der Leine aus – und jetzt?

Was deinem Hund fehlt, ist die Erfahrung, dass andere Hunde an der Leine kein Drama sein müssen. Dass er sicher ist, auch wenn ein anderer Hund da ist. Dass alles okay ist, obwohl die Leine dran ist und er nicht einfach hingehen kann.

Das lernt dein Hund nicht von heute auf morgen. Aber wenn er immer öfter entspannt mit anderen Hunden in der Nähe spazieren geht – an der Leine, mit genug Abstand, ohne dass es eskaliert – merkt er: Hey, das geht ja eigentlich. Und plötzlich macht Gassi gehen mit anderen Hunden wieder Spaß. Für euch beide. 🔥

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Fragen, die wir ständig bekommen, wenn der Hund an der Leine bei anderen Hunden ausflippt

Warum springt mein Hund in die Leine, wenn er andere Hunde sieht?

Weil er gestresst ist, Angst hat oder einfach nicht weiß, was er tun soll. Und weil er Hundebegegnungen an der Leine bisher nur mit Stress, Aufregung und heftigen Emotionen kennt. Das sitzt tief – und genau das wollen wir verändern.

Warum flippt mein Hund bei anderen Hunden an der Leine aus, aber ohne Leine nicht?

Weil er Hundebegegnungen ohne Leine ganz anders kennt – mit direktem Kontakt, freier Bewegung, der Möglichkeit wegzugehen oder hinzulaufen. An der Leine geht das alles nicht. Vielleicht zeigt dein Hund ohne Leine subtilere Signale, die dir gar nicht so auffallen – aber das heißt nicht, dass es ihm dabei besser geht.

Warum ist mein Hund bei Hundebegegnungen nicht mehr ansprechbar?

Weil er in dem Moment so aufgeregt oder gestresst ist, dass er einfach nicht mehr auf dich reagieren kann. Das ist kein Trotz – sein Gehirn ist gerade woanders. In meinem 0€ Online-Training "In 6 Schritten zu einem Hund, der dich hört" zeige ich dir, was du in genau diesen Momenten tun kannst. 👉 Hier geht's zum Online-Training für 0€!

Wie kann ich meinem Hund helfen, an der Leine bei anderen Hunden entspannter zu werden?

Lies am besten noch mal diesen Artikel durch – da steckt alles drin, was du dafür brauchst. 👆

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist ausgebildete Hundetrainerin, Coach, Autorin des Buches „Markertraining für Hunde“ und Gründerin von Dog It Right®. Seit 2011 arbeitet sie hauptberuflich im Hundetraining, seit 2013 online.

Sie begleitet Menschen, deren Hunde wie auf einem anderen Planeten sind, sobald irgendwo ein anderer Hund auftaucht.

Dog It Right steht nicht für Dominanz, Gehorsamsdenken oder „sich durchsetzen“, sondern für ein Training, das ohne Machtspielchen auskommt und im echten Leben funktioniert, nicht auf dem Hundeplatz.

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