Du sitzt am Tisch, die Gabel auf halbem Weg zum Mund. Und dann spürst du diesen Blick. Du guckst runter und da sitzt dein Hund, kerzengerade und starrt. Er sagt keinen Ton. Muss er auch nicht. Sein ganzer Körper sagt nur eins: Gib mir was ab.
Dein Hund bettelt am Tisch und du fragst dich: Darf er das eigentlich? „Mein Hund bettelt doch nur, weil er Hunger hat“, denkst du vielleicht. Oder: „Mache ich was falsch, wenn ich ihm was abgebe?“
Was Betteln eigentlich ist (und warum dein Hund das tut)
Dein Hund riecht dein Essen, lange bevor du die Gabel in den Mund steckst. Da liegt Nahrung und seine Nase meldet: richtig gutes Zeug. Also setzt er sich neben dich und guckt.
Und das ist erst mal völlig normal. Für deinen Hund geht es bei Nahrung ums Überleben. Wenn da also was zu futtern ist, dann will er ran. Stell dir vor, du gehst jeden Tag an derselben Bäckerei vorbei und jedes Mal drückt dir die Person hinterm Tresen dein liebstes veganes Schoko-Croissant in die Hand. Umsonst. Würdest du da ab morgen einen Bogen drum machen? Auf keinen Fall. Du gehst da jeden Tag vorbei und freust dich drauf. Wie geil ist das denn?
Deinem Hund geht es am Tisch genauso. Fällt für ihn mal ein Stück Brot oder eine Nudel ab, kommt er beim nächsten Mal wieder. Weil es sich gelohnt hat. So einfach ist das.
Nicht jeder Hund sitzt dabei kerzengerade neben deinem Stuhl. Manche legen sich auch unter den Tisch und warten von da aus, dass was runterfällt. Wenn dein Hund unterm Tisch liegt, steckt derselbe Grund dahinter: Er hat gelernt, dass sich genau dieser Platz beim Essen lohnt. Ein Problem wird das nur, wenn ihm da versehentlich wer auf die Pfote tritt oder es dich stört.
Ein Problem ist es nur, wenn es dich stört
Ein Hund, der beim Essen neben dir sitzt und bettelt, ist erst mal kein Problem. Zum Problem wird es nur, wenn es dich nervt, dich einschränkt oder deinem Hund schadet.
Frag dich also ehrlich:
- Stört es wirklich dich, wenn dein Hund am Tisch bettelt?
- Oder hast du nur im Kopf, dass ein Hund das angeblich nicht darf?
- Stört es vielleicht gar nicht dich, sondern deinen Besuch?
Nervt dich das Betteln selbst, dann zeig ich dir weiter unten, wie dein Hund lernt, beim Essen entspannt auf seinem Platz zu liegen, statt neben dir zu sitzen und zu starren. Hast du dagegen bloß ein schlechtes Gewissen, weil irgendwo steht, ein Hund gehöre nicht an den Tisch: Vergiss das.
Wenn dein Besuch das Betteln stört
Vielleicht stört dich das Betteln selbst gar nicht, dein Besuch aber schon. Der findet es eklig, wenn dein Hund am Tisch sitzt, oder mag keine Hundeschnauze am Bein. Das darfst du ernst nehmen. Frag nach, was genau stört und erklär, wie ihr das zu Hause haltet. Gleichzeitig sorgst du dafür, dass dein Hund deinen Besuch beim Essen in Frieden lässt: nicht anspringen, nicht am fremden Teller schnuppern. Und wenn dein Besuch damit trotzdem nicht klarkommt, dann triff dich mit diesen Menschen eben mal ohne deinen Hund.
Essen ablehnen ist okay, in beide Richtungen
Mal ehrlich: Essen zu teilen gehört zum Schönsten, was wir kennen. Wir kochen füreinander, laden uns ein, bieten anderen was von unserem Teller an. Lehnt dann wer ab, fühlt sich das oft komisch an. Ich lebe seit über zwanzig Jahren vegan und sage ständig Nein zu Essen, das nicht vegan ist. Und ehrlich? Das fühlt sich bis heute jedes Mal ein bisschen daneben an.
Andersrum kennst du das auch. Du hältst deinem Hund ein Stück Brot hin, er schnuppert kurz und dreht den Kopf weg. Und schon fühlst du dich ein winziges bisschen zurückgesetzt, so als hätte er dich abgelehnt. Dabei ist das völlig okay. Du darfst Essen ablehnen, immer. Und dein Hund darf das auch.
Warum dein Hund am Tisch einfach nicht lockerlässt
Die meisten Abende bleibst du standhaft. Aber dann ist da dieser eine, an dem du platt auf dem Sofa hängst. Dein Hund schaut dich mit großen Augen an und du denkst dir: Ach, eine kleine Ausnahme. Einmal in zwei Wochen, was soll’s.
Und dieser eine Abend reicht, damit dein Hund weiter jeden Abend neben dir sitzt und hofft, dass es diesmal wieder klappt.
Dass er nie weiß, wann dieser Moment kommt, macht ihn dabei besonders hartnäckig. Kennst du das, wenn du auf eine wichtige Nachricht wartest? Du checkst dein Handy dauernd, weil sie jederzeit kommen könnte. Wüsstest du, dass sie pünktlich um 15 Uhr kommt, würdest du einmal gucken und gut. Deinem Hund geht es am Tisch genauso: Weil er nie weiß, wann für ihn was abfällt, bleibt er die ganze Zeit dran.
Und ja: Am hartnäckigsten bettelt dein Hund ausgerechnet dann, wenn mal was für ihn rausspringt und mal nicht. Für deinen Hund heißt das nämlich: Es hat sich ja schon ein paarmal gelohnt. Warum sollte er jetzt aufhören?
Wenn dein Hund plötzlich ständig bettelt
Es macht einen Unterschied, ob dein Hund beim Essen gern mal herguckt oder ob er auf einmal wie besessen hinter jedem Krümel her ist. Wenn dein Hund von heute auf morgen viel mehr bettelt als sonst und ständig hungrig wirkt, dann schau erst mal genauer hin, bevor du trainierst.
Manchmal steckt was Körperliches dahinter. Ein plötzlich größerer Hunger kann zum Beispiel von diesen Sachen kommen:
- Würmer oder andere Parasiten, die deinem Hund die Nährstoffe wegfuttern
- eine Schilddrüse, die nicht rundläuft
- Diabetes
- eine Bauchspeicheldrüse, die nicht richtig arbeitet, zum Beispiel bei einer Entzündung oder wenn dein Hund sein Essen nicht mehr richtig verwertet
- das Cushing-Syndrom, bei dem der Körper zu viel vom Stresshormon Cortisol bildet
- eine Allergie oder Unverträglichkeit
- Medikamente wie Kortison
Diese Liste ist nicht komplett und du kannst das zu Hause nicht selbst herausfinden. Wenn dein Hund plötzlich viel mehr futtern will und du sonst nichts verändert hast, dann lass das immer in deiner tiermedizinischen Praxis abklären.
Und dann ist da noch Stress. Hunde gehen damit ganz unterschiedlich um. Die einen futtern mehr, immer weiter, als bekämen sie nie genug. Die anderen mögen kaum noch was anrühren. Wenn im Leben deines Hundes gerade viel los ist, kann sich das auch beim Essen zeigen. Dann bringt dir kein Training am Tisch was, solange der Stress nicht weniger wird.
Was du tun kannst, wenn dich das Betteln nervt
Wenn dich das Betteln nervt, dann bring deinem Hund bei, was er beim Essen stattdessen machen kann. Dein Hund bekommt seinen eigenen Ort, an dem er liegt. Eine Decke zum Beispiel, die für ihn zum Lieblingsplatz wird.
Und ganz wichtig: Deinen Hund schiebst oder ziehst du nie auf die Decke. Er geht freiwillig hin, weil er da hin will. Genau darauf kommt es an. Nur wenn dein Hund gern auf seine Decke geht, bleibt er da später auch entspannt liegen.
So wird die Decke zum Lieblingsplatz
Am Anfang machst du nur eine Sache: Du sorgst dafür, dass dein Hund seine Decke liebt.
- Leg die Decke hin und stell dich daneben. Dein Hund geht von selbst drauf, oder du lockst ihn mit einem Leckerli. Beides ist okay, aber entscheide dich für eine Variante, sonst kommt dein Hund durcheinander.
- Ist dein Hund auf der Decke, futtert er dort mehrere Leckerli, eins nach dem anderen. Immer auf der Decke, nie daneben.
- Dann lockst du deinen Hund mit einem Leckerli wieder runter, damit er gleich von Neuem drauf gehen kann.
- Ein paar Runden davon und dein Hund hat raus: Auf dieser Decke passiert was Schönes.
Dein Markersignal setzt du genau dann ein, wenn dein Hund die Decke betritt. Danach futtert er auf der Decke.
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Dann kommt das Signal dazu
Geht dein Hund richtig gern auf seine Decke, bringst du ihm bei, auf dein Signal hin hinzugehen.
- Stell dich neben die Decke und zeig mit dem Arm drauf. Gib deinem Hund zwei, drei Sekunden Zeit, damit er überlegen und dann losgehen kann. Sobald er draufgeht: Markersignal und Leckerli auf der Decke.
- Klappt das mit dem Arm, nimmst du ein Wort dazu, zum Beispiel „Decke“. Erst das Wort, dann der Arm. Nie beides gleichzeitig, sonst kann dein Hund die zwei nicht auseinanderhalten.
- Zum Schluss gehst du langsam auf Abstand. Du stehst ein paar Schritte weiter weg, sagst „Decke“, zeigst mit dem Arm, dein Hund geht hin. Mach zwischendurch immer wieder leichte Runden ganz nah an der Decke.
Gib deinem Hund bei jedem Durchgang die paar Sekunden zum Überlegen. Dieses kurze Nachdenken gehört dazu, dräng ihn nicht.
Und während du isst?
Jetzt gibst du deinem Hund für die Zeit am Tisch etwas Schönes auf seine Decke. Eine Leckmatte zum Beispiel. So liegt dein Hund beschäftigt auf seinem Platz, während du in Ruhe isst.
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Und wenn dein Hund auf seiner Decke bleibt, statt an den Tisch zu kommen, dann belohne genau das. Das Leckerli bringst du ihm auf die Decke.
Am Anfang, solange die Decke noch nicht sitzt, hilft dir ein Kindergitter. Dein Hund bleibt in Sichtweite, kommt aber nicht an den Tisch.
Lesetipp: 4 Gründe, warum jeder Hundehaushalt ein Kindergitter braucht
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So lief das bei uns
Bei mir zu Hause haben zwei Hunde ganz unterschiedlich auf Essen reagiert. Ascii war mein Küchenhund. Er lag beim Kochen mittendrin, guckte zu und das hat mich nie gestört. Beim Essen suchte er sich dann seinen Platz, mal in der Küche, mal irgendwo im Raum, mal in seiner Höhle.
Paco war da anders. Der lag zu Hause meistens in seinem Bett oder auf dem Sofa und kam beim Essen nur mal kurz um die Ecke geguckt. Dann drehte er sich um und rannte ganz auffällig in sein Hundebett. Er wusste genau: Auf seinem Platz lohnt es sich.
Bei meinen Eltern sah das ganz anders aus. Da hat Paco richtig kräftig gebettelt und meine Eltern haben ihn fleißig am Tisch gefüttert. Für mich war das völlig okay, weil es für sie okay war. Die hatten ihren Spaß dabei, alles cool.
Beide Hunde konnten auf ihr Signal hin auf ihren Platz gehen. Und zu Hause beim Essen wartete Paco fast immer in seinem Bett, Ascii legte sich irgendwo in den Raum. Weil beide gelernt hatten, dass sich ihr eigener Platz mehr lohnt als unsere Teller.
Beim Essen macht ihr euer eigenes Ding
Ob dein Hund beim Essen bettelt oder auf seiner Decke liegt, findet ihr gemeinsam raus. Schau, was zu euch passt: Was braucht dein Hund gerade, wie sieht euer Alltag aus, womit fühlt ihr euch beide wohl? Findest du es schön, dein Essen mit deinem Hund zu teilen, dann mach das und hab Spaß dabei. Und wenn dich das Betteln stört, dann weißt du jetzt, wie dein Hund einen eigenen Platz lieben lernt, an dem er beim Essen entspannt liegt.
Markertraining ist mehr als ein Trick beim Essen
Markertraining ist meine Art, mit Hunden zu leben. Angefangen hat das mit Paco, meinem Angsthund, als ich nicht mehr weiterwusste. Seit 16 Jahren zeige ich das auch anderen Menschen und ihren Hunden: Statt deinem Hund zu sagen, was er alles nicht darf, belohnst du das, was du dir wünschst und supportest deinen Hund da, wo er dich braucht. In meinem Buch erkläre ich dir, wie Markertraining funktioniert und wie du sofort damit starten kannst.
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Häufige Fragen, wenn dein Hund am Tisch bettelt
Am Tisch riecht dein Hund das beste Zeug im Raum und wenn für ihn schon mal was abgefallen ist, lohnt sich das Warten für ihn. Bettelt dein Hund plötzlich viel mehr als sonst und wirkt ständig hungrig, dann lass ihn in deiner tiermedizinischen Praxis durchchecken, denn dahinter kann auch was Körperliches oder Stress stecken.
Ja. Statt deinem Hund das Betteln zu verbieten, zeigst du ihm, was er stattdessen machen kann: auf seiner Decke liegen, während du isst. Du belohnst ihn dafür, dass er auf der Decke bleibt, immer dort, wo er liegen soll. So wird die Decke für ihn zum Lieblingsplatz und das Betteln neben dir verliert an Reiz.
Das entscheidet ihr beide. Wenn es dich nicht stört und deinem Hund nichts davon schadet, dann teil ruhig. Achte nur darauf, dass für Hunde manche Sachen giftig oder schwer verträglich sind, zum Beispiel Schokolade, Zwiebeln oder Weintrauben.
Betteln ist erst mal ganz normales Hundeverhalten und kein schlechtes Benehmen. Zum Thema wird es nur, wenn es dich stört, du deshalb fies zu deinem Hund wirst oder deinem Hund schadet.
