Dein Hund kläfft an der Leine, bis der andere Hund weg ist. Er dreht beim Spielen so auf, dass nichts mehr zu ihm durchdringt. Er springt am Besuch hoch, obwohl du die Tür noch gar nicht aufgemacht hast. In solchen Momenten ist dein Hund komplett im Film. Du kannst rufen und mit der Lieblingswurst wedeln, so viel du willst. Er reagiert überhaupt nicht auf dich, weil er gerade gar nicht anders kann.
Und genau dafür gibt es das Entspannungssignal. Statt deinen Hund anzuschreien und zu schimpfen, machst du lieber das hier.
Wie ein Entspannungssignal funktioniert
Kennst du das, wenn dein Lieblingslied läuft und du sofort an einen bestimmten Sommer denken musst? Ohne dass du dich entscheidest, dich zu erinnern? Das passiert einfach. Lied und Sommer hängen in deinem Kopf zusammen, weil sie mal gleichzeitig da waren.
Ein Entspannungssignal funktioniert ungefähr so und dieses Gefühl kennst du bestimmt. Du sagst ein bestimmtes Wort immer dann, wenn dein Hund schon tiefenentspannt und superchillig daliegt. Nach vielen Wiederholungen holt allein das Wort dieses chillige Gefühl zurück. Dein Hund muss dafür nichts lernen und über nichts nachdenken. Es passiert von selbst, wie bei dir mit dem Lied.
Später sagst du dein Entspannungssignal mitten in einer aufregenden Situation. Und dein Hund fährt für ein paar Sekunden runter.
Der Schalter im Kopf deines Hundes
Warum das geht? In seinem Kopf sitzt eine Art Schalter. Wenn dein Hund immer aufgeregter wird, kippt der Schalter um und dein Hund kann nicht mehr auf dich reagieren: kläffen, hochspringen, vorpreschen, ganz ohne Nachdenken. Dein Entspannungssignal kippt den Schalter zurück Richtung Denken. Das Gehirn deines Hundes kann wieder denken, er nimmt dich wieder wahr und kann dann auch das abrufen, was du mit ihm trainiert hast.
Ein Entspannungssignal ist aber kein Zaubertrick, der deinen Hund in ein schlafendes Dornröschen verwandelt. Es ist eher ein Lichtschalter, der den denkenden Teil in seinem Gehirn wieder anschaltet. Wie du dein Entspannungssignal aufbaust und im Alltag einsetzt, das zeig ich dir hier Schritt für Schritt.
Woher das kommt: konditionierte Entspannung
Das Ganze hat auch einen Fachnamen: Konditionierte Entspannung. Im deutschsprachigen Hundetraining bekannt gemacht hat den Begriff Dr. Ute Blaschke-Berthold. Gezielt im Training eingesetzt wurde die Methode zuerst in den USA von Kayce Cover.
Die Idee dahinter ist sogar noch älter. Schon 1958 nutzte der Psychiater Joseph Wolpe Entspannung als Gegenspieler zur Angst, damals in der Therapie mit Menschen. Sein Gedanke: Angst und Entspannung können nicht gleichzeitig da sein. Genau das machst du dir mit einem Entspannungssignal bei deinem Hund zunutze.
Bevor du loslegst: dein Hund braucht chillige Momente
Ein Entspannungssignal kannst du nur in Momenten aufbauen, in denen dein Hund sich wirklich entspannt. Und genau da liegt der erste Haken.
Du kannst deinem Hund nicht befehlen, sich zu entspannen. Wenn du deinen Hund ins Platz schickst und er da nicht mehr aufstehen darf, sieht er vielleicht ruhig aus. Aber sein Körper ist trotzdem angespannt, seine Muskeln sind auf Habacht und im Kopf ist er voll damit beschäftigt, „brav liegen zu bleiben“. In so einem Moment kannst du gar kein Entspannungssignal aufbauen, weil dein Hund ja gar nicht wirklich entspannt ist.
Hunde entspannen über den Tag verteilt meistens von ganz allein. Aber zwei Sachen sind da wirklich wichtig.
- Wenn dein Hund tief schläft, lass ihn in Ruhe. Du baust da kein Entspannungssignal auf, sondern lässt ihn einfach schlafen.
- Du nutzt die Momente, in denen dein Hund chillig rumliegt und döst, aber eben noch halb wach ist.
Und was ist, wenn dein Hund kaum abschaltet und ständig auf 180 ist? Dann startest du jetzt noch nicht mit dem Entspannungssignal, sondern kümmerst dich erst mal darum, dass er überhaupt wieder runterkommen kann.
Lesetipp: Meine 3 Tipps für mehr Entspannung bei deinem Hund
Schritt 1: Sucht euch euer Entspannungswort aus
Nimm ein Wort, das dir locker über die Lippen geht, auch wenn Leute in deiner Nähe sind. Denn du sagst es später auch mal mitten auf dem Gehweg, wenn euch grad ein anderer Hund entgegenkommt.
Diese Wörter passen zum Beispiel gut:
- Easy
- Ruhe
- Momo
- Alles gut
- Pause
- Chill
Deinem Hund ist es egal, welches Wort du nutzt. Du zeigst dem Gehirn deines Hundes ja sowieso erst, was es bedeutet. Nimm einfach ein Wort, mit dem du dich draußen wohlfühlst und das für dich passt.
Vielleicht hast du auch schon andere Begriffe gehört. Manche sagen Entspannungssignal, manche Ruhesignal, manche Entspannungswort. Gemeint ist immer dasselbe: ein Signal, das deinem Hund hilft, runterzukommen. Ein Wort ist dabei nur eine von mehreren Möglichkeiten. Du kannst genauso einen Duft oder einen Gegenstand wie eine bestimmte Decke als Signal nehmen.
Schritt 2: So baust du das Entspannungswort auf
Es gibt zwei Wege und welcher zu euch passt, hängt davon ab, wie dein Hund am besten entspannt.
Weg 1: Du wartest ab, bis dein Hund von allein chillt
Dieser Weg funktioniert bei allen Hunden, egal ob deiner gern nah bei dir liegt, am liebsten für sich in seiner Ecke chillt oder sich noch gar nicht so gern anfassen lässt. Du streichelst deinen Hund dabei nämlich nicht, sondern wartest einfach ab, bis er von selbst runterfährt.
So gehst du vor:
- Dein Hund liegt entspannt da und döst.
- Beschäftig dich mit was Eigenem: lies dein Buch, schau aufs Handy, guck Fernseher.
- Immer wenn dein Hund schön chillig daliegt, sagst du ganz nebenbei dein Entspannungswort. Ohne ihn anzugucken.
- Sag das Wort höchstens dreimal hintereinander. Den Rest vom Tag streust du es immer mal wieder ein, wann immer dein Hund von allein entspannt daliegt.

Warum du deinen Hund dabei nicht angucken sollst
Für deinen Hund heißt Blickkontakt mit dir fast immer: Jetzt geht was los. Gleich spielen wir, gleich gibt’s Futter, gleich gehen wir raus. Guckst du ihn beim Entspannungswort an, springt er wahrscheinlich auf, weil er denkt, es geht gleich los.
Und genau das ist das Problem. Dein Hund verknüpft dein Wort mit dem, was direkt danach passiert. Bleibt dein Hund liegen, verknüpft sich das Wort mit Runterfahren. Genau das willst du. Springt er auf, verknüpft sich das Wort mit Aufspringen und dann arbeitet der ganze Aufbau gegen dich. Deshalb guckst du ihn nicht an, sondern lässt ihn einfach weiter dösen.
Weg 2: Du entspannst deinen Hund mit Streicheln oder Massage
Dieser Weg passt für Hunde, die es lieben, angefasst zu werden und die unter deinen Händen so richtig weich werden. Du sagst dein Entspannungswort immer dann, wenn dein Hund beim Streicheln richtig entspannt.
So gehst du vor:
- Streichel oder massier deinen Hund, bis er richtig entspannt ist.
- Nimm deine Hände kurz weg.
- Atme einmal ruhig durch.
- Sag dein Entspannungswort.
- Atme nochmal durch.
- Streichel weiter.

Dein Hund muss dabei nicht einschlafen. Es reicht, dass er unter deinen Händen weich wird und runterfährt. Auch hier gilt: höchstens dreimal hintereinander, dafür immer wieder mal über den Tag.
Wenn du schon ein echter Entspannungsprofi bist und genau weißt, wie du deinen Hund runterbringst, geht es auch kürzer: Erst sagst du dein Entspannungswort, dann entspannst du deinen Hund mit deinen Händen.

So sieht der aktive Aufbau in echt aus: In diesem Video entspanne ich Paco mit Berührungen und gebe vorher mein Entspannungswort „Down“.
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Weitere InformationenEin schöner Nebeneffekt: dein Hund kommt zu dir
Erinnerst du dich an das Lied und den Sommer von vorhin? Alles, was in so einem entspannten Moment gleichzeitig da ist, verknüpft sich mit. Beim aktiven Aufbau ist das nicht nur dein Entspannungswort. Du bist auch da: dein Körper direkt neben deinem Hund, deine Hände auf seinem Fell, dein Geruch, deine Nähe.
Dein Hund koppelt sein chilliges Gefühl also an beides. An dein Wort und an dich.
Das zahlt sich später draußen aus. Du sagst dein Entspannungswort und dein Hund fühlt sich sofort an dieses entspannte Bei-dir-Liegen erinnert. Viele Hunde kommen dann von ganz allein zu ihrem Menschen und suchen genau diese Nähe wieder. Für deinen Hund gehört ihr in diesem Moment zusammen. Und das ist Gold wert, wenn dein Hund gerade eigentlich woanders hinwollte.
An diesen 3 Fehlern scheitert dein Entspannungssignal
Drei Sachen passieren echt oft. Ich geh sie mit dir durch, damit dir das nicht passiert.
Flüster dein Entspannungswort nicht
Oft fühlt es sich richtig an, das Wort ganz leise und sanft zu sagen. Ist ja alles schön ruhig gerade. Aber genau da tappst du in die Falle. Später sagst du dein Entspannungswort, wenn dein Hund kläffend in der Leine hängt und ein anderer Hund entgegenkommt. Ein Flüstern hört er da nie. Sag dein Wort von Anfang an ganz normal, so laut, wie du es später wirklich brauchst.
Lad dein Entspannungswort immer wieder auf
Stell dir dein Entspannungswort wie einen Akku vor. Jedes Mal, wenn du es draußen in einer aufregenden Situation benutzt, zieht das ein bisschen Ladung. Vergisst du, den Akku zu Hause wieder aufzuladen, ist er irgendwann leer. Dann sagst du dein Wort und nichts passiert mehr.
Aufladen heißt: Du gehst zurück zum ruhigen Aufbau von vorhin und verknüpfst dein Wort wieder mit deinem chilligen Hund. Je öfter du dein Entspannungssignal draußen brauchst, desto öfter lädst du es daheim nach.
Und falls du das im Alltag vergisst, hier ein kleiner Trick: Kleb dir ein Post-it dahin, wo dein Hund am liebsten döst. Das erinnert dich genau im richtigen Moment.
Erwarte nicht schon nach zwei Tagen Wunder
Dein Hund braucht viele Wiederholungen, bis sich das Wort mit dem chilligen Gefühl verknüpft. Plan ungefähr 7 bis 14 Tage ein, in denen du das Wort mehrmals am Tag in ruhigen Momenten einstreust. Danach kannst du anfangen, dein Entspannungswort auch draußen einzusetzen.
Wann und wo du dein Entspannungssignal einsetzt
Dein Entspannungssignal macht deinen Hund für ein paar Sekunden wieder ansprechbar. Der Schalter in seinem Kopf, der eben noch dafür gesorgt hat, dass nichts von dir bei ihm ankommt, springt kurz zurück und dein Hund kann wieder denken. Und diese paar Sekunden sind Gold.
Denn dein Hund hatte ja gerade was ganz anderes vor: hinstürmen, kläffen, dem Kaninchen hinterher. Damit er da nicht sofort wieder reinrutscht, zeigst du ihm in diesen Sekunden etwas, das er schon kann und das genau das Gegenteil ist. Er kann nicht gleichzeitig zu dir kommen und den anderen Hund anpöbeln. Zu dir kommen ist also in diesem Moment sein Alternativverhalten.
Eine Sache musst du unbedingt wissen: Dein Entspannungssignal und das Alternativverhalten baust du vorher auf, in aller Ruhe. Nicht erst dann, wenn dein Hund schon völlig aufgeregt und überhaupt nicht mehr ansprechbar ist. In so einem Moment bist du für deinen Hund einfach nicht wichtig, da kommt gar nichts bei ihm an, was von dir kommt. Wenn du’s ausgerechnet dann zum ersten Mal probierst und es nicht klappt, denkst du dir „bringt ja eh nichts“ und lässt es bleiben. Dabei war einfach nur der Moment falsch.
Ein anderer Hund kommt euch entgegen
Da vorne taucht er auf. Dein Hund hat ihn längst gesehen, steht schon ganz steif da und du merkst: gleich hängt er kläffend in der Leine.
Jetzt kommt dein Entspannungswort. Und gleich danach hilfst du deinem Hund, sich zu dir zu drehen, weg vom anderen Hund. Wenn du dafür ein Signal aufgebaut hast, mit dem dein Hund sich zu dir umdreht, nutzt du das jetzt.
Ist der andere Hund noch ein gutes Stück weg und angeleint, streu deinem Hund Futter auf den Boden und lass ihn suchen. Sein Kopf geht runter, seine Nase macht die Arbeit und er kommt runter. Für den anderen Hund sieht das freundlich und entspannt aus, das nimmt der ganzen Begegnung die Spannung. Und danach geht dein Hund viel leichter mit dir weiter.
Hast du noch mehr aufgebaut? Weitergehen auf Signal, einen Handtouch, deinen Rückruf? Nimm, was gerade passt.
In diesem Video siehst du eine direkte Hundebegegnung mit meinem Paco, dem grauen Hund. Die beiden stehen komplett steif nebeneinander, der andere fixiert ihn und Paco traut sich nicht, sich zu bewegen. Mit dem Entspannungswort und der Info, dass wir jetzt weitergehen, löst sich die Situation, ohne dass etwas eskaliert. Und der andere Hund kann danach auch einfach weitergehen.
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Weitere InformationenDein Hund tut, als wärst du Luft, sobald ein anderer Hund kommt?
Kenn ich. Und ich hab 3 konkrete Dinge für dich, die du sofort ausprobieren kannst, ohne vorher lang zu trainieren. Damit euer nächster Spaziergang schon entspannter läuft.
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Es klingelt und dein Hund flippt aus
Kaum klingelt es an der Tür, ist dein Hund nicht mehr zu halten. Er springt hoch, bellt, dreht Pirouetten im Flur.
Auch hier hilft dir dein Entspannungswort, zusammen mit einem passenden Alternativverhalten. Das kann so aussehen: Dein Hund lernt vorher, in einen anderen Raum zu gehen und dort hinter einem Kindergitter zu warten. Und ihr übt, dass er dabei auf allen vier Pfoten stehen bleibt, statt hochzuspringen.
Und so setzt du dein Entspannungswort dann ein
Sobald es klingelt und dein Hund anfängt hochzudrehen, sagst du dein Entspannungswort. Dein Hund wird für den Moment ansprechbar und genau dann hilfst du ihm, in seinen Raum hinter das Kindergitter zu gehen. Damit ihm das Warten leichter fällt, gibst du ihm einen Kauartikel oder einen gefüllten Kong. So ist dein Hund trotzdem dabei und bleibt nicht ausgeschlossen. Für deinen Besuch ist es gleichzeitig sicher und du verhinderst, dass dein Hund ihn anspringt.
Wenn dein Hund bei Besuch regelmäßig ausrastet, hab ich zwei Sachen für dich, die du super zusammen nutzen kannst. Hör dir zuerst meine Podcast-Folge 81 an, da zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du das Training aufbaust und welche Fehler du dabei vermeidest. Und wenn dein Hund vor allem hochspringt, dann lies danach meinen Artikel zum Anspringen.
Podcast-Tipp Folge 81: Hund bellt bei Besuch
Lesetipp: So kannst du deinem Hund das Anspringen abgewöhnen
Dein Hund hat Angst, wenn es gewittert oder knallt
Draußen blitzt und donnert es und dein Hund verkriecht sich zitternd in die Ecke. Er hat Schiss. Und genau hier kann dein Entspannungswort deinem Hund richtig helfen.
Dein Hund verbindet dein Wort ja mit einem richtig schönen, chilligen Gefühl. Und chillig und ängstlich, das geht nicht gleichzeitig. Sagst du dein Wort, dann bekommt dein Hund ein bisschen von diesem guten Gefühl zurück, mitten in einem Moment, in dem er sich sonst nur fürchtet.
Am besten klappt das an einem sicheren Ort. Also einem Platz, wo dein Hund sich geschützt fühlt und gern hinliegt. Welcher das ist, weißt nur du und dein Hund und den baust du in Ruhe auf, lange bevor es das nächste Mal kracht.
Wenn es dann knallt, sagst du dein Entspannungswort, damit dein Hund es überhaupt an seinen sicheren Ort schafft. Und wenn er da noch an einem Kong lecken oder auf was rumkauen mag, gib es ihm. Auch das tut ihm gut.
Wie du so einen sicheren Ort Schritt für Schritt aufbaust und deinem Hund durchs Gewitter hilfst, zeig ich dir hier:
Dein Hund kann sein Spielzeug nicht mehr ausgeben
Ihr habt gerade richtig doll gespielt und jetzt hängt dein Hund total aufgedreht an seinem Spielzeug und guckt dich mit riesigen Pupillen an. Ausgeben? Keine Chance, er ist noch viel zu aufgeregt.
Und jetzt kommt was, das oft untergeht: Runterkommen nach dem Spielen ist etwas, das dein Hund erst lernen muss. Das passiert nicht dadurch, dass das Spiel einfach aufhört. Dein Hund braucht deine Hilfe, um nach so einem aufregenden Spiel wieder runterzufahren. Ein Hund, der diese Hilfe nie bekommt, ist nach dem Spielen einfach lost.
Genau da kommt dein Entspannungswort ins Spiel. Du sagst es, dein Hund kommt ein Stück runter und in diesem Moment fragst du ein Alternativverhalten ab, zum Beispiel das Ausgeben.
Kann dein Hund das Ausgeben auf Signal noch nicht? Dann nimm etwas anderes, das er schon draufhat: eine Futtersuche, einen Trick oder einen Handtouch. Sobald dein Hund das macht, fängst du es mit deinem Markersignal ein und belohnst ihn.
Warum du ihm das Spielzeug nicht einfach wegnehmen solltest
Wenn er sein Spielzeug nach dem ersten Anlauf noch nicht rausgerückt hat, dann frag einfach noch ein Alternativverhalten ab und bleib dran. So lernt dein Hund mit der Zeit, sich nach dem Spielen selbst wieder zu regulieren. Nimmst du ihm dagegen einfach nur das Spielzeug weg, passiert das Gegenteil: Er wird noch aufgeregter, sein Stresslevel steigt und ausgerechnet dann kann er das Spielzeug erst recht nicht loslassen. Dazu kommt Frust, bei manchen Hunden sogar Angst vor dir.
Und jetzt pass mal auf, denn hier kommt wieder die Sache mit dem Lied und dem Sommer ins Spiel. Dein Hund verknüpft diesen ganzen Stress und Ärger mit seinem Spielzeug. Sieht er das Spielzeug beim nächsten Mal, kommen diese Gefühle ganz von allein wieder hoch, ohne dass dein Hund das steuern kann. So wird das Ausgeben jedes Mal schwerer.
Wie du deinem Hund das Ausgeben in Ruhe von Grund auf beibringst, zeig ich dir hier:
Lesetipp: So bringst du deinem Hund das Ausgeben auf Signal bei
In diesem Video siehst du genau das: Mein Paco hängt total aufgedreht an seinem Spielzeug und kaut darauf rum. Er kann in dem Moment nicht auf sein Umorientierungssignal „Franz“ reagieren, er ist komplett im Tunnel. Ich gebe ihm mein Entspannungswort „Down“. Und dann sage ich noch mal „Franz“ und das ist hier sein Alternativverhalten. Sofort kommt sein Kopf hoch. Ich bestätige das mit meinem Markersignal und belohne ihn. Und plötzlich ist Paco wieder voll dabei, raus aus dem Tunnel.
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Weitere InformationenDein Hund sieht ein Kaninchen und will nur noch hinterher
Ein Kaninchen hoppelt über den Weg und dein Hund ist sofort auf 1000. Viele Hunde ballern dann direkt in die Leine und du fliegst hinterher.
Und trotzdem kann dir dein Entspannungswort gerade hier gut helfen. Denn wenn dein Hund hinter einem Kaninchen her will, aber nicht kann, ist das mega frustrierend für ihn. Dieser Frust macht Stress. Und genau da kommt dein Entspannungswort an und hilft deinem Hund, wieder klarer zu denken.
Ich zeig dir das an meinem Hund Ascii. Mir ist ehrlich gesagt egal, ob Ascii sich hinsetzt, wenn ein Kaninchen auftaucht. Ich will, dass er stehen und gucken kann, ohne sofort loszurennen. Alles andere ist Luxus. Im Video frage ich das Sitz trotzdem ab, weil ich sehen wollte, ob das Entspannungswort in so einem Moment wirklich wirkt.
Was im Video passiert
Im Video rennt ein Kaninchen in kurzer Entfernung direkt vor uns weg und verschwindet ins Unterholz. Für Ascii ist das der Hammer, denn früher ist er sofort losgehetzt. Und jetzt? Ascii steht und hetzt nicht sofort los. Genau dafür gebe ich ihm mein Markersignal, fürs Stehenbleiben und Hingucken.
Dann frage ich das Signal Sitz ab, aber er schafft es nicht. Er guckt einfach weiter zum Kaninchen. Also gebe ich ihm mein Entspannungswort „Down“, frage das Sitz noch mal ab und jetzt klappt es. Dafür gebe ich mein Markersignal und eine Belohnung, ich streu ihm ein Stück Futter auf den Boden. Ascii kann das Futter sogar nehmen. Das ist ein richtig gutes Zeichen, denn viele Hunde können in so einem Moment gar nichts fressen. Bei Ascii kommt also wieder was an.
Übrigens stand mein Hund Paco die ganze Zeit daneben und hat gewartet. Im Video siehst du ihn nicht, aber auch er bekommt von mir Futter.
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Weitere InformationenSo gehe ich damit um, wenn mein Hund nicht macht, was ich will
Ist dir in den Videos was aufgefallen? Mein Hund schafft ein Signal erst nicht, obwohl er es eigentlich kann. Und ich schimpfe dann nicht. Ich strafe ihn nicht dafür, dass er nicht sofort macht, was ich sage.
Denn ehrlich: Es ist völlig okay, wenn ein Lebewesen sich für sich selbst entscheidet. Trotzdem gucke ich natürlich, warum mein Hund gerade nicht reagiert. Meistens steckt einer von zwei Gründen dahinter:
- Er kann nicht. In seinem Kopf ist zu viel los, und mein Signal kommt einfach nicht mehr durch. Dann helfe ich ihm mit meinem Entspannungswort. Es bringt ihn an den Punkt, an dem der denkende Teil in seinem Gehirn wieder mitarbeitet und mein Signal ankommt.
- Er will nicht. Auch das ist eine Antwort, die ich ernst nehme. Und selbst dann setze ich mich nicht einfach über meinen Hund hinweg. Meine Aufgabe ist, dass die Situation für alle sicher bleibt, nicht meinen Willen durchzudrücken.
Und genau hier kommt mein Entspannungswort ins Spiel. Andere werden in so einem Moment vielleicht laut oder gehen härter mit ihrem Hund um. Ich mache das nicht. Kein Hund hat es verdient, schlecht behandelt zu werden, nur weil er gerade nicht das macht, was ein Mensch will. Statt lauter zu werden, helfe ich meinem Hund. Und mein Entspannungswort ist genau dafür da.
Und was würde passieren, wenn ich schimpfe oder strafe, weil mein Hund nicht sofort „spurt“?
Dann bekommt mein Hund Angst, ausgerechnet vor mir. Vielleicht passt er sich sogar an und macht, was ich will. Aber nur an der Oberfläche. Innerlich ist er dann megagestresst und total aufgeregt. Und das bringt mir gar nichts. Ich will keinen Hund, der aus Angst funktioniert. Ich will einen Hund, der Bock hat, mit mir zu kooperieren und sich in meiner Nähe sicher fühlt.
Dein Entspannungswort kann viel, aber nicht alles
Das waren fünf Beispiele und ehrlich, die Liste hört da nicht auf. Dein Entspannungswort passt in so viele Momente im Alltag.
Nur eins darfst du nicht vergessen: Dein Entspannungswort macht deinen Hund für ein paar Sekunden ansprechbar. In diesen Sekunden bist du dran. Du supportest deinen Hund und hilfst ihm, mit der Situation klarzukommen. Ein Wort allein löst dein Problem nicht, das darfst du nicht erwarten. Aber zusammen mit deiner Hilfe wird dein Hund in genau den Momenten ansprechbar, in denen sonst nichts mehr geht.
Neben dem Entspannungswort kannst du auch einen Duft mit Entspannung verknüpfen. Der wirkt über einen langen Zeitraum, nicht nur für ein paar Sekunden. Dein Hund kann so ein Halstuch tragen, wenn ihr zu einer tiermedizinischen Untersuchung müsst, wenn Besuch kommt oder wenn an Silvester die Böller knallen. Der Duft begleitet deinen Hund dann durch die ganze Situation.
Lesetipp: So setzt du Düfte zur Entspannung bei deinem Hund ein
Sobald ein anderer Hund kommt, kommst du bei deinem Hund nicht mehr durch?
Du kennst das: Dein Hund hat den anderen gesehen und ab da existierst du nicht mehr. Du kannst dich zum Horst machen, so viel du willst, es kommt einfach nichts mehr bei ihm an.
Ich hab 3 Strategien für dich, mit denen ihr sofort entspannter an anderen Hunden vorbeikommt. Und du kannst direkt beim nächsten Spaziergang loslegen. Kostet dich nichts.
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Das fragen mich Hundemenschen oft zum Entspannungssignal
Ein Entspannungssignal ist ein Wort, ein Duft oder ein Gegenstand, das dein Hund mit tiefer Entspannung verknüpft. Sagst oder zeigst du es später in einer aufregenden Situation, hilft es deinem Hund, für ein paar Sekunden runterzukommen und wieder ansprechbar zu werden.
Konditionierte Entspannung ist der Fachbegriff für den Aufbau eines Entspannungssignals. Über klassische Konditionierung verknüpfst du einen Reiz, zum Beispiel ein Wort, mit einem entspannten Hund. Bekannt gemacht hat den Begriff im deutschsprachigen Raum Dr. Ute Blaschke-Berthold.
Ja. Ruhesignal, Entspannungssignal und Entspannungswort meinen alle dasselbe: ein Signal, mit dem dein Hund lernt, auf ein Wort, einen Duft oder einen Gegenstand hin runterzukommen. Welchen Begriff du nutzt, ist egal.
Entspannung kannst du deinem Hund nicht wie ein Kommando beibringen. Sie entsteht von allein, wenn dein Hund sich sicher fühlt und es ihm gut geht. Deine Aufgabe ist also, gute Bedingungen dafür zu schaffen. Und genau diese ruhigen Momente nutzt du dann, um dein Entspannungssignal aufzubauen.
Nimm ein kurzes Wort, das dir auch in der Öffentlichkeit locker über die Lippen geht. Beliebt sind Easy, Ruhe, Momo, Alles gut oder Pause. Deinem Hund ist der Klang egal, wichtig ist nur, dass du immer dasselbe Wort nutzt.
Plan ungefähr 7 bis 14 Tage ein. In dieser Zeit sagst du dein Entspannungswort mehrmals am Tag, immer wenn dein Hund schon entspannt daliegt. Danach kannst du anfangen, es in echten Situationen einzusetzen. Fertig bist du aber nie ganz: Ein Entspannungssignal wirkt wie ein Akku, den du immer wieder mit entspannten Momenten aufladen musst.
