Was ich in sieben Jahren mit einem Tierschutzhund gelernt habe

von Ulrike Seumel

Gestern vor sieben Jahren bin ich mit meinem Hund Paco nach Deutschland gekommen und für ihn begann ein neues Leben. Auch für mich hat sich einiges geändert und heute teile ich mit dir vier Dinge, die ich in den letzten Jahren gelernt habe und die sicher für jede Hundehalterin und jeden Hundehalter hilfreich sind.

1. Es kommt immer anders, als du denkst.

Dass ich jetzt in Potsdam sitze und einen Blogartikel schreibe, hätte ich vor vier Jahren nicht für möglich gehalten. Als Paco vor sieben Jahren eingezogen ist, habe ich auch nicht gedacht, dass wir mal so viel Zeit beim Tierarzt verbringen werden. Mit fast acht Jahren ist es um Pacos Bewegungsapparat leider schlecht bestellt.

Schon vor sieben Jahren in Spanien habe ich gesehen, dass er beim Aufstehen nach dem Liegen Probleme hat und sich ganz kurz einlaufen muss. Nach ein paar Wochen in Deutschland war das Geschichte, weil Paco Muskulatur aufgebaut hat. Nur leider war die Ursache für das Humpeln damals keine fehlende Muskulatur, sondern eine Hüftdysplasie. Bei Paco kommt noch dazu, dass er oft Probleme im Rücken hat.

Jetzt, mit fast acht Jahren, machen sich diese Sachen immer mehr bemerkbar und auf Spaziergängen muss ich auf Pacos Leistungsfähigkeit Rücksicht nehmen, da sein Bewegungsapparat schneller ermüdet als früher. Paco kann jetzt nicht mehr mit meinem Freund Joggen gehen oder Fahrradfahren mit Ascii, da das Tempo für ihn zu hoch ist. Er kann nur mitmachen, wenn in einem langsamen Tempo gelaufen oder gefahren wird. (Und das gefällt Ascii und meinem Freund gar nicht, deshalb bleibt Paco lieber zuhause.)

Obwohl ich wusste, dass Paco nicht zu 100% gesund sein kann, hätte ich nicht erwartet, dass wir mit sieben Jahren so viel Rücksicht nehmen müssen, um ihn nicht zu überlasten.

2. Es liegt in deiner Hand.

Die Geräuschangst hat Paco und mir das Leben lange nicht leicht gemacht. Den Geräuschen konnten wir nicht entfliehen und selbst, wenn ich weit rausgefahren bin, waren dort trotzdem Radfahrer*innen, die gesprochen haben. Und leider hatte Paco sehr lange Zeit Angst vor Stimmen, die der Wind in unsere Richtung trug. Lange Zeit habe ich diese Radfahrer*innen verflucht, warum mussten die denn genau zu dieser Zeit an diesem Ort sein, wenn ich mit Paco Gassi gehen will? Wir wollten nur einen entspannten Spaziergang machen.

Leider haben mir diese Gedanken mehr Steine in den Weg gelegt und sie haben mein Training sabotiert. Ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen. Erst in den letzten zwei Jahren habe ich verstanden, warum ich es mir damit selbst schwer gemacht habe.

Ich habe keinen Einfluss auf andere Menschen oder die Umwelt und sich darüber aufzuregen ändert nichts. Meist bekam Paco dann sogar etwas Angst vor mir, weil ich so genervt war. Ein sensibler Hund sieht einem das in Lichtgeschwindigkeit im Gesicht an… auch wenn ich gegenüber Paco trotzdem nett war.

In so einem Moment ist es besser, Eigenverantwortung zu übernehmen, denn ich habe entschieden, genau dort Gassi zu gehen und ich habe mich auch für diesen Hund entschieden. Andere oder die Umwelt dafür verantwortlich zu machen, ist wenig hilfreich und ändert nichts. Und ich bin für meinen Hund verantwortlich und sollte meine Energie lieber dafür einsetzen, dass ich meinem Hund in dieser Situation helfe und das Training an Angstauslösern oder anderen Dingen voranbringen. Mittlerweile bin ich besser darin, mich selbst bei solchen Gedanken zu ertappen und mich zu stoppen. Das bedeutet übrigens sofort mehr Lebensqualität für Paco und mich und auch für jeden anderen, der mit uns zusammen wohnt.

Lesetipp: Wie du die Ängste deines Hundes besiegst

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3. Was hast du für Ziele?

Was will ich in zehn Jahren machen? Wie will ich leben? Steht in den nächsten zehn oder 15 Jahren eine große Veränderung in deinem Leben an – planst du, eine Familie zu gründen oder kommen Enkel dazu? Wirst du nach deinem Studium einen neuen Job anfangen oder willst du vielleicht Deutschland verlassen?

Planung und Realität sind zwei unterschiedliche Dinge, wenn du aber Ziele vor Augen hast, solltest du deinen Hund in dieser Planung nicht vergessen. Und dir im besten Fall einen Hund auswählen, der gut zu dir und deinen Zielen passt. Als ich mich für Paco entschieden habe, wusste ich noch nicht, wo ich in zehn Jahren bin und auch meine berufliche Zukunft war für mich offen, da ich in meinem Studium nicht glücklich war. Dank Paco habe ich erst meine Berufung gefunden und Paco hatte Glück, dass ich die Selbstständigkeit einer Anstellung vorziehe.

Es kann immer alles anders kommen und du kannst deine Planung über den Haufen werfen, aber nicht jeder Hund kann sich an jedes Lebensumfeld perfekt und sofort anpassen. Freu dich also, wenn dein Hund perfekt in dein Leben passt oder besser gesagt – wenn ihr gut zusammen passt.

Lesetipp: Du willst einen Hund adoptieren? – 6 Tipps VOR der Anschaffung

4. Der Hund lernt sein ganzes Leben.

Viel darüber nachgedacht, was Paco so lernen soll, habe ich vorher nicht. Er sollte sich gut in mein Leben integrieren und wir sollten gemeinsam auch Spaß haben können. Und hey, das ist sehr viel, was ich da von Paco verlangt habe. Vorher war mir das aber gar nicht bewusst. Sich in ein Stadtleben als Hund zu integrieren, bedeutet, möglichst leinenführig laufen, gut ansprechbar sein, einen gut sitzenden Rückruf haben, warten können, mit anderen Hunden klar kommen, mit anderen Menschen klar kommen, Lärm aushalten und auch mit allen anderen Dingen klar kommen, die dem Hund so begegnen.

Mit der Leinenführigkeit hatte ich Glück, das fiel Paco nicht schwer. Mit anderen Hunden und Menschen kam er auch zurecht. Lärm aushalten ging gar nicht, aber das weißt du ja schon. Und das Thema Rückruf war am Anfang so gar nicht Pacos Ding. (Wer Paco heute kennt, wird das sicher gar nicht glauben.) Sobald seine Hundekumpels dabei waren und sie gemeinsam mit Spielsachen durch die Gegend gerast sind, war ich Luft. Wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich lachen, weil ich die typische 100mal-rufende-Hundehalterin war.

Der Durchbruch bei unserem Rückruf kam durch ein durchdachtes Training auf Basis von Belohnungen und als ich anfing, ein positives Markersignal zu nutzen. Paco war nach nur wenigen Wochen ein richtiger Streber, was den Rückruf anging. Und ich muss sagen, dass der Rückruf vorher nicht geklappt hat, lag nur an meinen Fähigkeiten und nicht an Pacos.

Du als Hundehalter*in solltest in der Lage sein, deinem Hund die Fähigkeiten beizubringen, die er in eurem Alltag braucht. Und an diesen Fähigkeiten musst du das ganze Hundeleben lang arbeiten, zumindest musst du dafür sorgen, dass sie erhalten bleiben, denn der Hund lernt sogar im Schlaf.

Lesetipp: Der Grund, warum du mit einem Markersignal besser trainierst

Im Hundetraining bringe ich als Hundetrainerin dem Hund zwar bestimmte Signale und Verhaltensweisen bei, aber nur, weil ich dir als Hundehalter*in zeige, wie das geht. Am Ende hast du alles in der Hand und ich begleite deinen Hund und dich ein Stück auf eurem Weg.

 

P.S. Wenn du auch dazu beitragen möchtest, dass sich Menschen vor der Anschaffung eines Hundes besser informieren, dann teile bitte meinen Beitrag Du willst einen Hund adoptieren? – 6 Tipps VOR der Anschaffung in deinen sozialen Netzwerken oder direkt mit der Person, die bald einem Hund ein Zuhause schenken möchte.

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Über die Autor*in

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist Trainerin für Menschen mit Hund, Coach, Autorin und Gründerin von Dog It Right.

Mit Dog It Right begleitet sie Menschen und ihre Hund auf dem Weg zu einem glücklichen und unbeschwerten Leben.

Ihr Team und sie trainieren Hundehalter*innen, damit diese wissen, wie sie mit ihrem Hund umgehen. Die Menschen sollen Probleme erkennen, verstehen und lösen können. Dabei trainieren sie immer mit den Bedürfnissen und Stärken von Mensch und Hund.

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