So reagierst du als Hundemensch schlagfertig auf doofe Sprüche und ungefragte Ratschläge

von Pia Schmidt

Wieder einmal hat mich ein fremder Mensch mit ungefragten Ratschlägen und doofen Sprüchen überhäuft. Ich bin sehr gestresst, aufgewühlt und genervt von mir selbst. Mein Hund Barny schaut mich schon ganz irritiert an. Immer dieselbe Leier:

  • “Wäre dein Hund nicht an der Leine, wäre das nicht passiert.”
  • “Kein Wunder, dass deiner so aggressiv reagiert, wenn er nicht schnüffeln darf.”
  • “Dein Hund hat dich aber gut im Griff.”
  • “Also mein Hund macht sowas nicht.”

Was habe ich darauf geantwortet? Genau. Nichts. Fällt mir jetzt allerhand ein, was ich entgegnen könnte? Aber hallo! Kennst du das? Du bist mit deinem Hund auf der Hundewiese oder im Wald spazieren und musst dir von anderen Hundehalter*innen dumme Sprüche und ungefragte Ratschläge anhören. Oder ein Familienmitglied oder ein*e Freund*in macht eine Bemerkung, die dich verletzt und traurig macht. Kommt dir bekannt vor, oder? Und trotzdem stehst du immer wieder sprachlos da und weißt nicht, was du entgegnen sollst. Du wünschst dir eine große Portion Schlagfertigkeit, weißt aber nicht, wie du gelassen Kontra geben kannst? Willkommen im Klub.

Als mein Hund Barny 2017 zu mir kam, wussten einige Hundehalter*innen, Freund*innen und Familienmitglieder alles besser. Seit dem ersten Tag mit Barny an meiner Seite höre ich mir immer und immer wieder doofe Sprüche und Ratschläge an. Einige Kommentare haben mich sehr wütend gemacht. Und wenn ich ehrlich bin, einige auch sehr traurig.

Einige Bemerkungen haben mich so verletzt, dass ich nachts oft wach lag und immer wieder über den Moment nachgedacht habe.

  • “Bist du dir sicher, dass du dir so einen großen Hund antun willst?”
  • “Du bist jetzt von diesem Hund abhängig. Du kannst nicht mehr spontan sein!”
  • “Ich habe dir von Anfang an gesagt, dass es keine gute Idee war, sich einen Hund anzuschaffen.“
  • “Armer Hund. Er darf nicht ohne Leine laufen.”
  • “Entspann dich mal, die regeln das schon unter sich!”
  • “So ein großer Hund und so eine kleine, zierliche Frau – Kannst du den überhaupt halten?“
  • “Wie willst du Hund, Arbeit, Familie und Freund*innen unter einen Hut bekommen?”

Lesetipp: Warum du dich nicht mit anderen Hundehalter*innen vergleichen darfst

Ich bin mir sicher, dass dir weitere Situationen einfallen, in denen du dich so gefühlt hast wie ich. Ich habe mich hilflos gefühlt und wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Nun habe ich mir Strategien angeeignet, die ich bei Verbalattacken anwenden kann. Ich möchte sie gerne mit dir teilen. Keine Angst, du musst keine Rhetorikkurse besuchen und deinem Gegenüber auch keins reinwürgen, um ihm*ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen und friedlich deines Weges zu gehen. Legen wir los:

3 Wege, schlagfertig auf dumme Sprüche zu reagieren

1. Weg: Du musst nicht spontan sein

Gerade am Anfang kann es dir schwerfallen, nach einem verbalen Angriff eine passende Antwort zu finden. Aber das ist okay. Du kannst dich vorbereiten, damit du dich nicht mehr hilflos fühlst, wenn dir eine andere Person mit schlauen Sprüchen begegnet. Überlege dir Antworten, die praktisch immer passen und die in jeder Situation funktionieren. Schreibe sie dir am besten auf, damit du sie nicht vergisst. Die Sprüche, die dir am besten gefallen und mit denen du dich wohlfühlst, prägst du dir ein. So gewinnst du schon beim Auswendiglernen mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein.

Ein Satz, den du als Hundehalter*in vielleicht schonmal gehört hast: „Na, dein Hund hört aber auch nicht so gut, oder?!“

So kannst du darauf antworten:

  • “Das hast du gut beobachtet.”
  • “Das siehst du richtig.”
  • “Wenn du das sagst, wird es wohl stimmen.”
  • “Da bin ich mir nicht sicher.”
  • “Das überlege ich mir noch.”
  • “Danke für den Hinweis.”
  • “Ich habe dich nicht verstanden.”
  • “Das kann ja jede*r behaupten.”

Diese vorbereiteten Sprüche helfen dir aus kniffligen Situationen heraus. Sie sind so einfach, dass du sie immer und überall einsetzen kannst. Egal, wer gerade besser weiß, was dein Hund braucht und was du jetzt tun solltest. Diese Standard-Sprüche kannst du gerne übernehmen und durch weitere ergänzen.

Deine Antworten sollen dir ein gutes Gefühl geben

Verbalattacken lösen in dir unangenehme Emotionen aus. Je nach dem, was dir die andere Person an den Kopf geknallt hat, spürst du Angst, Trauer, Ärger oder Wut. Oder alles zusammen. Dein Blutdruck schießt in die Höhe und du möchtest dich am liebsten in Luft auflösen. Deshalb ist es wichtig, dass dir deine Antworten und Sprüche ein gutes Gefühl geben. Du sollst keine Angst haben, sie laut und deutlich auszusprechen. Formuliere sie so, dass du dich traust, sie jederzeit wie einen Pfeil abzufeuern. Es bringt dir nichts, wenn du dir Antworten parat legst, die du im Ernstfall nicht anwenden kannst. Sie müssen zu dir und deinem Charakter passen.

Bleibe immer sachlich

Außerdem soll deine Reaktion keinen Menschen kränken. Du möchtest keinen Streit vom Zaun brechen. Verzichte deshalb auf Beleidigungen. Auch Sätze, die unter die Gürtellinie gehen, solltest du vermeiden. Es geht nicht darum, abzustumpfen und einer anderen Person böse Worte an den Kopf zu knallen. Genauso wie beim Training mit deinem Hund, gilt auch beim Umgang mit anderen Menschen, dass Schimpfen dir nur kurzfristig hilft. Schimpfen fühlt sich für einen kurzen Moment sehr gut für dich an, da du verärgert oder gestresst bist und etwas Dampf ablassen kannst. Langfristig hilft dir Schimpfen aber nicht weiter. Außerdem kann es dir sogar Probleme bereiten. Das Ziel ist, dass du dich gut fühlst und gleichzeitig Grenzen setzt!

Lesetipp: Warum Schimpfen nur kurzfristig hilft und keinen langfristigen Erfolg bringt

2. Weg: Deine Anleitung für Schlagfertigkeit

Wenn du schlagfertig sein möchtest, musst du üben. Immer und immer wieder. Und am besten in einem Umfeld, in dem dir nichts passieren kann und in dem du dich wohlfühlst. Das kann dein Bad, dein Schlafzimmer, deine Küche oder dein Dachboden sein. Wichtig ist, dass es ein Ort ist, an dem du dich gut und sicher fühlst.

Sammle alle Sprüche, die dich sprachlos machen

Um üben zu können, musst du dir genau überlegen, welche Kommentare und Ratschläge es sind, die dich sprachlos machen. Wenn dir eine Person beim nächsten Spaziergang oder beim nächsten Mittagessen einen doofen Spruch vor den Latz knallt, schreibe ihn dir sofort auf. Deine erste Aufgabe besteht darin, eine Sammlung aus blöden Sprüchen, ungefragten Ratschlägen und dummen Kommentaren anzulegen. Diese kannst du in einen Briefumschlag oder in einen Schuhkarton stecken. Wahrscheinlich denkst du dir jetzt: „Tolle Sammlung. Was soll der Mist?“ Pass auf.

Schreibe dir passende Antworten auf

Im nächsten Schritt nimmst du dir jeden einzelnen dummen Spruch vor. Im Abschnitt “1. Weg: Du musst nicht spontan sein” habe ich dir einige Antworten aufgeschrieben, die du in jeder Situation benutzen kannst. Zum Beispiel “Wenn du das sagst, wird es wohl stimmen.” oder “Das kann ja jede*r behaupten.” Unter jeden blöden Kommentar und ungefragten Ratschlag schreibst du die Antworten und/oder Reaktionen auf, mit denen du das nächste Mal kontern möchtest. Wenn du das getan hast, liest du erst den dummen Spruch laut vor und danach deine passende Antwort. Das wiederholst du immer wieder.

Dein Üben wir sich lohnen

Du wirst merken, je öfter du die Worte bewusst aussprichst, umso selbstbewusster und selbstsicherer wirst du. Deine Reaktion wird immer klarer, lauter und deutlicher. Wenn du regelmäßig übst, wird es dir leichter fallen, in unangenehmen Situationen schlagfertig zu reagieren. Du hast die Worte schon so oft laut und deutlich ausgesprochen, dass es dich weniger Überwindung kostet. Du hast lange geübt und bist nun gut vorbereitet. So schnell wird dich keine Person mehr aus der Fassung bringen!

Podcasttipp: Dagmar Spillner – Schlagfertigkeit für Hundemenschen

3. Weg: Schlagfertigkeit braucht keine vielen Worte

Worte können viel bewegen. Es kostet dich aber viel Mut, Selbstvertrauen und Überwindung, manche Dinge auszusprechen. Vor allem, wenn es für dich noch neu ist, einer anderen Person Kontra zu geben. Deshalb kannst du dir merken, dass du nicht immer mit ganzen Sätzen beginnen musst. Es kann gut sein, dass du dich in einer Situation so unwohl fühlst, dass du es einfach nicht schaffst, einen ganzen Satz über die Lippen zu bringen. Oder du musst dich darauf konzentrieren, was dein Hund gerade macht und bist mit deinen Gedanken deshalb woanders.

Nutze einfache Worte für schwierige Situationen

In diesen Momenten ist das Ausrufewort dein*e Freund*in und Helfer*in. Ausrufewörter oder Empfindungswörter bestehen meistens aus zwei Silben. Ohne viel Schnick Schnack kannst du mit ihnen eine Empfindung oder eine Bewertung ausdrücken:

  • “Ach was.”
  • “Oh je.”
  • “Ja ja.”
  • “Oh weia.”
  • “Donnerwetter.”
Achte auf eine deutliche Aussprache

Du siehst, dass es sich um Worte handelt, die keine richtige Bedeutung haben. Wenn du sie aber laut aussprichst und sie deutlich betonst, wird dein Gegenüber schnell merken, dass du nicht auf den Mund gefallen bist. Außerdem bietest du der anderen Person keine weitere Angriffsfläche. Ausrufewörter sind inhaltslos und entfalten ihre volle Wirkung durch deine betonte Aussprache. Ein souverän ausgesprochenes „Ach was!“ drückt deutlich aus, dass du die Aussage deines Gegenübers wahrgenommen hast. Du hast aber keine Lust, darauf einzugehen. Das Gespräch ist hiermit beendet.

Denke dabei jedoch immer an deinen Hund. Einige Hunde reagieren ängstlich, wenn ein Mensch laut und sehr betont spricht. Das liegt daran, dass viele Hunde lautes Reden mit unangenehmen Erfahrungen verbinden oder sie geräuschempfindlich sind. Beobachte deshalb genau, wie dein Hund reagiert, wenn du lauter redest. Deine Schlagfertigkeit soll deinem Hund keine Angst machen.

Das souveräne Schweigen

Du kennst bestimmt den Spruch: „Keine Antwort ist auch eine Antwort.“ Wenn du schweigst, bedeutet das nicht, dass du nicht kommuniziert. Es handelt sich um eine nonverbale Konversation.

Dein Schweigen kann Verschiedenes bedeuten

Du lieferst zwar keine Inhalte, keine Fakten und keine Argumente, auf die dein Gegenüber reagieren kann, aber du veränderst etwas auf eurer Beziehungsebene. Das Ziel ist, eine Wirkung bei der anderen Person zu erreichen. Das Coole am Schweigen ist, dass jeder Mensch etwas anderes damit verbindet. Schweigen ist mehrdeutig und wird deshalb verschieden interpretiert. Dein Gegenüber kann dein bewusstes Schweigen wie folgt interpretieren: Überlegen, souverän, selbstsicher, geheimnisvoll, ignorant, desinteressiert, wissend, unbeeindruckt, viel sagend, selbstbewusst, geheimnisvoll, intelligent. Du siehst, dein Schweigen hat ungeahnte Kräfte!

Nutze verschiedene Körpersignale

Mit deiner Mimik und deiner Gestik kannst du die Wirkung deines Schweigens verstärken. Außerdem signalisierst du der anderen Person, dass es sich um ein bewusstes Schweigen handelt. Du hast die Situation im Griff und zeigst deinem Gegenüber, dass du dich nicht auf eine Diskussion einlassen willst. Um das zu demonstrieren, kannst du diese Körpersignale einbauen: Atme laut aus. Ziehe deine Augenbrauen hoch. Lege den Kopf schief. Lächle. Diese Strategie eignet sich für dich, wenn du ein sehr zurückhaltender und höflicher Mensch bist. Du bietest deinem Gegenüber keine weitere Gesprächsgrundlage. Du bist still und doch erwiderst du etwas. Es entsteht eine peinliche Stille für deine*n Angreifer*in und du demonstrierst, dass das Gesagte an dir abperlt.

Deine Körpersprache

Achte auf eine aufrechte Körperhaltung. Egal für welche Strategie du dich entscheidest. Deine Körpersprache verrät deinem Gegenüber, wie du dich in deinem Inneren fühlst. Außerdem wirkt sie sich auch auf dein inneres Empfinden aus. Eine selbstbewusste Körpersprache hilft dir nicht nur, dich selbstbewusster zu fühlen, sondern auch so zu wirken. Verhaltensforscher*innen haben herausgefunden, dass eine aufrechte Körperhaltung ein Schlüsselfaktor für Selbstvertrauen ist und dich zu selbstbewusstem Handeln und Denken befähigt. Also Kopf hoch, Brust raus und Raum einnehmen! Denke dabei jedoch an deinen Hund. Viele Hunde empfinden die aufrechte und nach vorn gebeugte Körperhaltung eines Menschen als bedrohlich. Das liegt daran, dass manche Trainer*innen damit Hunde im Training hemmen und “beeindrucken” wollen. Achte deshalb immer darauf, was deine Körpersprache bei deinem Hund bewirkt. Deine Schlagfertigkeit soll sich auf keinen Fall unangenehm auf die Beziehung zu deinem Hund auswirken.

Lesetipp: Fünf Dinge in deiner Körpersprache, die dich in der Kommunikation mit deinem Hund ausbremsen

Tausche dich mit anderen Hundemenschen aus

Stell dich und deinen Hund jetzt in der Dog It Right Community vor und tausche dich mit uns und mit anderen Hundemenschen über Situationen aus, in denen eine große Portion Schlagfertigkeit nötig war oder berichte uns von den Momenten, in denen du deine Anleitung für Schlagfertigkeit umsetzen konntest.

Die Dog It Right Community

  • ist eine geschlossene und kostenfreie Gruppe für Hundehalter*innen.
  • hat schon mehr als 1400 Mitglieder, die sich gegenseitig unterstützen.
  • dreht sich um das Training und den Alltag mit deinem Hund.
  • wird vom Dog It Right Team moderiert.

Du kannst dich mit anderen Hundehalter*innen über Situationen austauschen, die für dich schwierig waren, weil dir eine andere Person einen doofen Spruch an den Kopf geknallt oder dich mit ungefragten Ratschlägen überhäuft hat.

Du wirst sehen: Du bist nicht allein!

Hier kommst du direkt zur Dog It Right Community: https://www.facebook.com/groups/dogitright

Über die Autor*in

Pia Schmidt

Seit 2020 bildet Dog It Right Pia Schmidt als Trainee zur Trainerin für Menschen mit Hund aus. Seit Mitte 2020 absolviert sie zusätzlich die Ausbildung zur Hundeverhaltensberater*in bei der ATN Akademie Deutschland.

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