So kannst du deinen Hund bei Gewitter beruhigen

Der Himmel wird dunkel und dein Hund weiß es früher als du. Er wird unruhig, tigert durch die Wohnung, sucht einen Platz und findet keinen. Dann der erste Donner. Der eine Hund presst sich zitternd an dich und hechelt, als wäre er drei Kilometer gerannt. Ein anderer Hund verkriecht sich hinters Sofa und ist nicht mehr rauszubekommen. Und der nächste Hund bellt bei jedem Donner.

Und du stehst daneben und fragst dich: Was soll ich jetzt machen? Darf ich ihn beruhigen oder macht es alles nur noch schlimmer?

Spoiler: Trösten ist erlaubt. Was deinem Hund bei Gewitter wirklich hilft und wie du ihn beruhigst, erkläre ich dir jetzt Schritt für Schritt.

Das hilft deinem Hund bei Gewitter sofort

Wahrscheinlich stehst du gerade am Fenster, guckst raus und denkst: Mist, jetzt donnert es schon.

Ja, du darfst deinen Hund trösten.

Du hast bestimmt schon gehört, du sollst die Angst deines Hundes ignorieren, sonst verstärkst du sie. Das stimmt nicht. Stell dir vor, du hast Panik, weil dein Flugzeug durch heftige Turbulenzen fliegt. Deine beste Freundin nimmt deine Hand und sagt: „Ich bin da.“ Wirst du deshalb beim nächsten Flug noch mehr Panik haben? Natürlich nicht.

Du machst die Angst deines Hundes mit Trost niemals schlimmer. Trost kann deinem Hund helfen und er hilft ganz nebenbei auch dir, weil du in diesem hilflosen Moment endlich etwas tun kannst.

Dein Hund entscheidet aber, was ihm guttut. Der eine will sich anlehnen und gestreichelt werden. Der andere will einfach nur neben dir liegen. Und der nächste Hund verkriecht sich lieber und will da in Ruhe gelassen werden. Wenn dein Hund gerade nicht angefasst werden will, hilft ihm Zwangsstreicheln nicht. Folge dem, was er dir zeigt.

Was deinem Hund im Gewitter sofort hilft:

  • Sei da. Bleib in seiner Nähe, wenn er das sucht. Dräng dich aber nicht auf, wenn er sich verkriechen will.
  • Biete ihm sein Versteck an. Viele Hunde fühlen sich an einem engen, dunklen Ort sicherer. Das Bad, der Flur ohne Fenster, unter dem Bett. Lass ihn dahin, wohin er will.
  • Gib ihm was zum Lecken oder Kauen. Lecken und Kauen beruhigt deinen Hund über sein Nervensystem. Ein mit Nassfutter gefüllter Kong oder eine Leckmatte können jetzt Gold wert sein, wenn dein Hund sie mag.
  • Bleib selbst ruhig. Dein Hund liest deine Körpersprache. Wenn du hektisch wirst und ständig zu ihm rennst, fällt ihm das auf. Sprich ruhig, beweg dich ruhig.
  • Mach die Fenster zu. Auch wenn es warm ist und dich das nervt: Für deinen Hund macht es einen Unterschied. Vorhänge zu, Rollläden runter, vielleicht leise das Radio an. Das nimmt dem Donner die Schärfe und dem Blitz das Grelle.

Diese Dinge lösen die Gewitterangst nicht für immer. Aber sie helfen deinem Hund, diesen einen Abend besser zu überstehen. Und das zählt gerade.

Beruhigungsmittel für Hunde bei Gewitter: Was bringt das?

Vielleicht hast du schon nach einem Mittel gesucht, das deinem Hund bei Gewitter die Angst nimmt. Verständlich. Deshalb hier ehrlich und der Reihe nach, was es gibt und was du dazu wissen musst.

Das Wichtigste vorweg: Kein Mittel ist ein Knopf, den du im Gewitter drückst und dann ist Ruhe. Die meisten dieser Hilfen wirken nur, wenn du sie mit einem langfristigen Training kombinierst und deinen Hund vorher damit vertraut machst. Probier deshalb in Ruhe aus, was deinem Hund guttut, am besten lange bevor die Gewittersaison losgeht. Und nutz nicht alles auf einmal, sonst weißt du nie, was geholfen hat.

Hilfen für den Körper

Ein Thundershirt* liegt eng an Brust und Rumpf an. Der gleichmäßige Druck sorgt dafür, dass dein Hund das Kuschelhormon Oxytocin ausschüttet, den Gegenspieler zum Stresshormon Cortisol. Wichtig: Dein Hund muss es okay finden, etwas am Körper zu tragen und den Klettverschluss übst du vorher, damit ihn das Geräusch nicht zusätzlich erschreckt.

Hilfen für dein Zuhause

Pheromon-Produkte wie ein Adaptil-Halsband* oder ein Zerstäuber für die Steckdose* geben Botenstoffe ab, die den Beruhigungssignalen einer Mutterhündin nachempfunden sind. Das kann deinem Hund helfen, ruhiger zu werden. Ein Hinweis dazu: Wenn dein Hund den Duft nur in Angstsituationen wahrnimmt, kann der Duft irgendwann selbst zum Angstauslöser werden. Verknüpf ihn deshalb vorher mit entspannten Momenten.

Nahrungsergänzung

Es gibt Präparate mit Wirkstoffen wie L-Tryptophan (zum Beispiel Canipur Relax*) oder Alpha-Casozepin (zum Beispiel Zylkene*), die deinen Hund über einen längeren Zeitraum ausgeglichener machen können. Die meisten davon wirken nicht sofort, sondern brauchen Tage bis Wochen. Etwas schneller ist ein Snack wie Adaptil Chew*, der L-Theanin, L-Tryptophan und B-Vitamine kombiniert und wie ein Leckerli gegeben wird. Lass dich am besten in einer tiermedizinischen Praxis beraten, welche Dosierung zu deinem Hund passt.

Und was ist mit richtigen Beruhigungsmitteln?

Verschreibungspflichtige Medikamente bekommst du nur in einer tiermedizinischen Praxis und sie gehören auch nur dorthin. Wenn dein Hund unter starker Gewitterangst leidet, ist ein Beratungsgespräch in einer verhaltensmedizinischen Praxis Gold wert, weil viele Tierärzt*innen mit diesen Mitteln wenig Erfahrung haben.

Podcast-Tipp: In Folge 92 „Einsatz von Medikation & Verhaltensmedizin im Training“ spreche ich mit der Verhaltensmedizinerin Dr. Katrin Voigt darüber, wann eine Medikation Sinn ergibt, wie sie wirkt und wo du dir Hilfe suchen kannst.

Ein Punkt liegt mir hier besonders am Herzen: Finger weg von reinen Beruhigungsspritzen oder Sedativa wie Acepromazin (bekannt unter Namen wie Vetranquil oder Sedalin). Die machen deinen Hund körperlich bewegungsunfähig und gleichzeitig geräuschempfindlicher. Die Angst verschwindet nicht, dein Hund kann nur nicht mehr zeigen, dass er sie hat. Das ist kein Trost, das ist ein gefangener Hund in einem starren Körper.

Und noch mal, weil es so wichtig ist: All diese Mittel sind Unterstützung, kein Ersatz fürs Training. Sie können deinem Hund den einzelnen Abend leichter machen. Damit sich langfristig etwas ändert, kombinierst du sie mit dem Training, das jetzt kommt.

Die mit * markierten Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Warum dein Hund bei Gewitter Angst hat

Dein Hund ist nicht kaputt und du hast auch nichts falsch gemacht. Die Angst vor Gewitter ergibt sogar richtig Sinn, auch wenn sie sich im Wohnzimmer erstmal komisch anfühlt.

Angst ist überlebenswichtig. Sie ist das älteste Gefühl überhaupt und sitzt tief im Gehirn deines Hundes. Angst sorgt dafür, dass dein Hund Gefahren früh erkennt und sich schnell in Sicherheit bringen kann. Deshalb reagieren Hunde von Geburt an auf plötzliche, laute Reize wie Donner oder Feuerwerk mit Angst, ganz ohne schlechte Erfahrung. Das ist bei diesen Dingen so:

  • Schmerz
  • laute Reize
  • Reize, die plötzlich kommen
  • schnelle Bewegungen auf den Hund zu
  • alles, was fremd und ungewohnt ist

Und ein Gewitter ist genau das: laut, plötzlich, ohne Vorwarnung. Kein Wunder, dass das Gehirn deines Hundes sofort Alarm schlägt.

Dazu kommt eine Sache, die Gewitter besonders schlimm macht. Das Gehirn deines Hundes sucht ständig nach Mustern, weil es sich dann auf Dinge einstellen kann. Ein Gewitter hält sich aber an keine Regeln. Der Donner kommt, wann er will. Dein Hund kann sich nicht vorbereiten und ist der Situation völlig ausgeliefert. Das macht so viel Stress.

Warum so viele Hunde immer schneller Angst bekommen

Vielleicht kennst du das: Dein Hund ist schon unruhig, obwohl es noch gar nicht richtig donnert. Das kommt so:

Das Gehirn deines Hundes merkt sich nach und nach alles, was kurz vor dem Gewitter passiert. Erst ist es nur der Donner. Dann reicht schon der Regen. Dann der dunkle Himmel, der Wind, die Luft, die sich verändert. Mein Paco hat nach einem heftigen Silvester irgendwann schon Angst bekommen, wenn es abends nur dunkel wurde.

So wird die Angst mit der Zeit von immer mehr Dingen ausgelöst. Deshalb verschwindet Gewitterangst fast nie von allein. Aber du kannst deinem Hund helfen und genau das schauen wir uns jetzt an.

So wird dein Hund langfristig ruhiger bei Gewitter

Die Soforthilfe von oben rettet dir den einzelnen Abend. Damit dein Hund aber wirklich entspannter wird, kommt jetzt das eigentliche Training. Keine Sorge, das ist nichts Kompliziertes und du machst es in kleinen Häppchen, lange bevor das nächste Gewitter kommt.

Das Training hat vier Bausteine:

  1. eine gute Grundstimmung im Alltag
  2. eine Sicherheitszone
  3. das Üben der Gewittergeräusche
  4. ein Entspannungssignal

Am besten fängst du mit der Grundstimmung an. Die Sicherheitszone kannst du easy peasy parallel dazu angehen, das läuft prima nebeneinander. Den Rest gehst du nach und nach an, jeder Baustein hilft deinem Hund für sich.

Sorg zuerst für eine gute Grundstimmung

Das ist der Schritt, den fast alle überspringen und dabei ist er der wichtigste. Bevor du an den Gewittergeräuschen trainierst, schau dir an, wie es deinem Hund im ganz normalen Alltag geht.

Warum das zählt: Ein Hund, der sowieso schon oft gestresst ist, geht mit einem ganz anderen Nervensystem in ein Gewitter als ein Hund, der viele ruhige, schöne Momente hat. Stell dir zwei Menschen vor. Der eine hatte eine entspannte Woche, gut geschlafen, alles fein. Der andere ist seit Tagen gestresst, übermüdet und gereizt. Jetzt passiert beiden dasselbe Missgeschick. Wer rastet eher aus? Bei deinem Hund ist es genauso. Je besser seine Grundstimmung, desto mehr steckt er weg.

Deshalb lohnt es sich, im Alltag anzusetzen:

  • Schau, was deinen Hund regelmäßig stresst und ob du davon etwas kleiner machen kannst. Sind es die täglichen Hundebegegnungen? Zu wenig Schlaf? Ständig Trubel in der Wohnung?
  • Sorg für echte Ruhephasen. Viele Hunde schlafen zu wenig und kommen im Alltag kaum richtig runter.
  • Schaff schöne Momente, in denen dein Hund selbst etwas tun und Erfolg haben kann. Schnüffeln, in Ruhe kauen, gemeinsam etwas erkunden.

Wenn im Alltag ständig Feuer ist, bringt das schönste Gewittertraining wenig. Ein Hund, dem es grundsätzlich gut geht, hat einfach mehr Reserven für den Moment, in dem es draußen kracht.

Richte deinem Hund eine Sicherheitszone ein

Viele Hunde verkriechen sich bei Gewitter von selbst. Ins Bad, unter das Bett, ins Gäste-WC, in den Keller. Das ist kein Problem, das ist eine richtig gute Idee von deinem Hund. Solche Orte haben oft keine Fenster und die Geräusche kommen gedämpft an. Genau deshalb sucht dein Hund sie sich aus, dieser Ort erleichtert ihm die Situation.

Genau da setzt du an. Eine Sicherheitszone ist ein fester Rückzugsort, an dem sich dein Hund wohlfühlt und den er selbst nutzt, wenn ihm etwas zu viel wird. Der große Vorteil: Dein Hund kann sich damit selbst helfen, auch wenn du mal nicht da bist.

Wichtig ist dabei eins: Das ist kein Ort, an den dein Hund muss und wo er wartet, obwohl er eigentlich keinen Bock drauf hat. Es ist ein Ort, an dem es ihm gut geht. Dahin schickst du deinen Hund nie zur Strafe und drängst ihn auch nicht hin. Er soll von selbst hingehen, weil es sich dort gut anfühlt.

So findest du den richtigen Ort:

  • Schau, wohin dein Hund von sich aus geht, wenn er Angst hat oder wenn es zu laut wird. Dieser Platz ist schon mal ein guter Kandidat.
  • Der Ort sollte Geräusche etwas dämpfen, damit vom Donner weniger ankommt. Ein Raum ohne Fenster ist oft ideal.
  • Dein Hund muss immer hinkommen, auch wenn du nicht zu Hause bist.
  • Kein anderes Familienmitglied nutzt oder stört diesen Platz.

Und jetzt machst du diesen Ort für deinen Hund richtig attraktiv. Seine Kauartikel bekommt er genau dort. Den Kong, den Kauknochen, die Sachen zum Zerpflücken. Kauen und Lecken beruhigen deinen Hund und der Ort verknüpft sich mit einem guten Gefühl. Wenn dein Hund von selbst hingeht, sich hinlegt oder dort entspannt, fängst du das mit deinem Markersignal ein und belohnst ihn ruhig.

Übrigens ist das genau derselbe Wohlfühlort, den du auch fürs Alleinbleiben nutzen kannst. Wie du ihn Schritt für Schritt aufbaust, hab ich hier ausführlich beschrieben:

Lesetipp: So übst du mit deinem Hund das Alleinbleiben

Übt die Gewittergeräusche in kleinen Schritten

Jetzt kommt der Teil, mit dem dein Hund lernt, dass Gewittergeräusche nicht schlimm sind. Die Idee dahinter ist einfach: Dein Hund hört ein Geräusch und danach passiert etwas Schönes. Nicht andersrum. Erst das Geräusch, dann das Gute. So verknüpft sein Gehirn nach und nach: Dieses Geräusch kündigt was Feines an.

Ganz wichtig vorweg: Du fängst nicht mit Donner an. Das wäre viel zu viel. Du startest mit einem Geräusch, vor dem dein Hund überhaupt keine Angst hat und arbeitest dich in winzigen Schritten vor.

So gehst du vor:

Such dir Geräusche als Audiodatei. Fang mit etwas an, das deinen Hund völlig kaltlässt, zum Beispiel Meeresrauschen oder Vogelgezwitscher. Erst wenn das entspannt klappt, kommen Geräusche dazu, die dem Gewitter langsam ähnlicher werden, bis irgendwann der Donner selbst dran ist.

Eine Trainingseinheit läuft so:

  • Dein Hund liegt entspannt in seiner Sicherheitszone und hat etwas zum Lecken oder Kauen, zum Beispiel eine gefüllte Leckmatte*. (Affiliate-Link. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.)
  • Du spielst das Geräusch ganz leise ab.
  • Dein Hund bleibt entspannt? Super. Dann war es genau richtig.
  • Nach kurzer Zeit machst du das Geräusch wieder aus.

Und jetzt der Trick, an dem die meisten scheitern: Steiger nie Lautstärke und Dauer gleichzeitig. Immer nur eins. Entweder ein bisschen lauter oder ein bisschen länger, nie beides auf einmal. Sonst wird es deinem Hund zu schnell zu viel.

Dein Hund bestimmt das Tempo

Das ist keine Floskel, das ist die wichtigste Regel. Dein Hund zeigt dir, ob es passt. Bleibt er locker, leckt und döst, läuft alles richtig. Wird er unruhig, steht auf, hört auf zu fressen oder starrt angespannt, war es zu viel. Dann machst du das Geräusch sofort aus, gibst eine Pause und gehst beim nächsten Mal einen Schritt zurück.

Brich eine Einheit auch ab, wenn dein Hund dreimal hintereinander nicht mehr richtig mitkommt oder länger als eine halbe Minute nicht zur Ruhe findet. Kein Drama, einfach freundlich aufhören, Pause machen und später leichter wieder einsteigen.

Ein schöner Nebeneffekt

Die Geräusche, die du hier übst, kannst du später beim echten Gewitter abspielen. Dein Hund kennt sie dann schon und verbindet sie mit Entspannung. Das hilft ihm, auch wenn es draußen wirklich kracht, in sein gelerntes Verhalten zu finden, nämlich ab in die Sicherheitszone und runterkommen.

Bau deinem Hund ein Entspannungssignal auf

Stell dir vor, du hättest ein Wort, mit dem dein Hund runterfährt. Oder einen Duft, der ihm sofort sagt: alles gut, du kannst dich entspannen. Genau das baust du dir mit einem Entspannungssignal auf und im Gewitter ist das Gold wert.

Damit das klar ist: Ein Entspannungssignal funktioniert nicht darüber, dass dein Hund sich bewusst dafür entscheidet. Es läuft unbewusst, über eine Verknüpfung. Kennst du das, wenn ein bestimmtes Lied läuft und du sofort in Urlaubsstimmung bist? Oder wenn dir ein Duft begegnet und du augenblicklich an Omas Küche denkst? Da entscheidest du dich auch nicht dafür, das passiert einfach. Genau so wirkt ein Entspannungssignal bei deinem Hund. Das Wort oder der Duft holt das entspannte Gefühl von selbst zurück.

Es gibt zwei Signale, die sich richtig lohnen:

Das Entspannungswort

Das ist ein bestimmtes Wort, das du mit echter Entspannung verknüpfst. Nicht mit Stillhalten, sondern mit tiefem Runterfahren. Du verknüpfst dieses Gefühl immer wieder mit deinem Wort, wenn dein Hund sowieso schon entspannt ist. Später sagst du das Wort und hilfst deinem Hund so, in dieses entspannte Gefühl zurückzufinden, auch wenn es draußen kracht.

Lesetipp: Wie du Entspannungssignale bei deinem Hund aufbaust

Der Entspannungsduft

Der ist bei Gewitter besonders praktisch. Ein Wort wirkt nur einen kurzen Moment. Ein Duft dagegen bleibt die ganze Zeit da. Dein Hund riecht ihn und bleibt dadurch viel länger entspannt, auch wenn du gerade nicht direkt neben ihm sitzt.

Das funktioniert, weil Gerüche im Gehirn direkt ins Gefühlszentrum gehen, ganz ohne Umweg. Deshalb löst ein vertrauter Duft so schnell ein gutes Gefühl aus. Du legst deinem Hund zum Beispiel ein Tuch mit dem Duft in die Sicherheitszone, wenn ihr gemeinsam entspannt. So verknüpft sich der Duft mit einem guten Gefühl und wird zu seinem Anker.

Lesetipp: So baust du einen Entspannungsduft für deinen Hund auf

Am besten baust du beide auf, lange bevor die Gewittersaison losgeht. Denn wie alles im Training wirken sie nur, wenn dein Hund sie vorher kennengelernt hat. Ein Signal, das dein Hund erst mitten im Gewitter zum ersten Mal hört, bringt ihm nichts.

Das nächste Gewitter kommt bestimmt

Aber du weißt jetzt, was du tun kannst. Im Moment selbst: trösten, Versteck anbieten, Fenster zu, was zum Lecken geben. Und für die Zukunft: Grundstimmung, Sicherheitszone, Geräusche üben, Entspannung aufbauen.

Nimm dir das nach und nach vor und setz es Schritt für Schritt in eurem Alltag um. Das bringt deinem Hund mehr als jedes Sitz, Platz und Fuß.

Und vielleicht kennst du das: Dein Hund hat nicht nur beim Gewitter Angst, sondern auch in anderen Situationen im Alltag. Nur zeigt er es da nicht so deutlich und du merkst es oft erst spät. Wenn du deinen Hund besser lesen und früh erkennen willst, wann es ihm nicht gut geht, dann support ich dich dabei in meinem Video-Training Doggo Reading.

Hier geht’s zu Doggo!

Die wichtigsten Fragen zu Gewitterangst beim Hund

Warum zittert mein Hund bei Gewitter?

Zittern ist ein Zeichen von Angst und Stress. Dein Hund reagiert auf den lauten, plötzlichen Donner mit einer körperlichen Stressreaktion, die er nicht steuern kann. Das Zittern gehört dazu, genau wie Hecheln oder Unruhe. Dein Hund macht das nicht mit Absicht, sein Körper schaltet in den Alarmmodus.

Soll ich meinen Hund bei Gewitter trösten?

Yes, please. Du kannst deinem Hund seine Angst mit Trost nicht schlimmer machen, das ist ein Mythos. Wenn dein Hund Nähe sucht, sei für ihn da. Wenn er sich lieber verkriecht, lass ihm seinen Rückzugsort. Trösten macht die Situation für deinen Hund erträglicher und hilft ganz nebenbei auch dir.

Soll ich bei Gewitter mit meinem Hund rausgehen?

Wenn möglich, geh vor dem Gewitter raus und bleib währenddessen drinnen. Draußen ist dein Hund dem Donner ungeschützt ausgeliefert und ein Blitzschlag ist eine echte Gefahr. Muss dein Hund raus, dann nur kurz zum Lösen und in seiner Nähe. Ein Hund in Panik kann sich losreißen und weglaufen, sichere ihn deshalb gut.

Was kann ich meinem Hund bei Gewitter geben?

Gib deinem Hund etwas zum Lecken oder Kauen, das beruhigt ihn über sein Nervensystem. Eine gefüllte Leckmatte oder ein Kauartikel eignen sich gut. Es gibt auch unterstützende Mittel wie ein Thundershirt oder Pheromon-Produkte. Die wirken aber nur, wenn dein Hund sie vorher kennengelernt hat. Verschreibungspflichtige Medikamente bekommst du in einer tiermedizinischen Praxis.

Warum haben Hunde Angst vor Gewitter?

Angst vor Gewitter ist normal und hat einen guten Grund. Hunde reagieren von Geburt an auf laute, plötzliche Reize mit Angst, weil das früher ihr Überleben gesichert hat. Ein Gewitter ist laut, kommt ohne Vorwarnung und folgt keinem Muster. Genau darauf schlägt das Hundegehirn Alarm.

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist ausgebildete Hundetrainerin, Coach, Autorin des Buches „Markertraining für Hunde“ und Gründerin von Dog It Right®. Seit 2011 arbeitet sie hauptberuflich im Hundetraining, seit 2013 online.

Sie begleitet Menschen, deren Hunde wie auf einem anderen Planeten sind, sobald irgendwo ein anderer Hund auftaucht.

Dog It Right steht nicht für Dominanz, Gehorsamsdenken oder „sich durchsetzen“, sondern für ein Training, das ohne Machtspielchen auskommt und im echten Leben funktioniert, nicht auf dem Hundeplatz.

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