So gewöhnst du deinem Hund das Sofa ab, ohne ihn wegzuscheuchen

Gleich klingelt es. Deine Gäste sind schon im Treppenhaus, du hörst sie lachen, und dein Hund liegt mitten auf dem Sofa. Lang ausgestreckt, Kopf auf dem Kissen, eine Pfote hängt über die Kante. Genau da, wo gleich drei Leute Platz auf der Couch brauchen. Du sagst seinen Namen. Nichts. Du klopfst aufs Polster. Er hebt kurz den Kopf, guckt dich an und lässt ihn wieder sinken. Die Klingel geht, dein Puls auch, und du überlegst schon, ob du ihn einfach am Halsband nimmst und runterziehst.

Mach das bitte nicht. 🛑

Dein Hund macht gerade nämlich nichts falsch. Das Sofa ist warm, weich und riecht nach dir. Das ist der beste Platz in der ganzen Wohnung. Dass er da liegt, ist keine Frechheit, das ist Geschmack. Wenn du ihn jetzt runterschubst oder wegdrückst, versteht er nicht „oh, ich soll Platz machen“. Er lernt: Wenn mein Mensch aufs Sofa zukommt, wird’s unangenehm.

Es geht auch anders. Dein Hund kann lernen, freiwillig runterzugehen, wenn du ihn darum bittest. Weil er kapiert hat, dass sich das lohnt und nicht, weil er dich fürchtet. Genau das zeig ich dir hier.

Warum dein Hund das Sofa so liebt

Als ich 2009 meinen Hund Paco aus dem spanischen Tierschutz geholt hab, sagte die Person aus dem Tierschutz ziemlich überzeugt zu mir: „Aufs Sofa kommt der nie. Kennt er nicht und mag er nicht und braucht er auch nicht.“ Drei Tage später lag er da, wo die Katzen lagen. Auf dem Sofa. 😅 Er hatte ganz schnell kapiert, dass der weichste Platz im Haus auch für ihn frei ist.

Und genau darum liegt dein Hund da. Nicht, um dich zu ärgern oder dir zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Sondern weil es da warm ist, weich, und weil es nach dir riecht. Viele Hunde liegen auch gern erhöht, weil sie von da oben alles im Blick haben. Das Sofa ist für deinen Hund schlicht der beste Platz, den es gibt.

Wenn du das verstehst, ändert sich schon was: Du kämpfst nicht mehr gegen einen sturen Hund. Du hast einen Hund mit richtig gutem Geschmack. Und dem du gleich einen zweiten Platz anbietest, der genauso gut ankommt.

Warum Schieben und Wegscheuchen alles schlimmer machen

Klar, es geht schnell. Hund liegt im Weg, du hast’s eilig, also packst du ihn am Halsband und ziehst ihn runter. Machen viele. Und leise läuft dabei so ein Gedanke mit: Ist ja nur der Hund, der hat sich eh nach mir zu richten.

Kennst du Menners, die sich in der Bahn breitbeinig über anderthalb Sitze fläzen, als würde ihnen der ganze Waggon gehören? Die denken auch, alle anderen rücken schon zur Seite. Und ganz ehrlich, viele Menschen ticken bei ihrem Hund genauso. Der Platz gehört mir, ich sag, wo’s langgeht, der Hund macht Platz. Basta.

Nur checkt dein Hund dieses Schieben nicht als „ich soll kurz aufstehen“. Er lernt was ganz anderes: Immer wenn mein Mensch aufs Sofa zukommt und die Hand ausstreckt, wird’s ungemütlich. Also fängt er an, sich zu wehren. Erst wird er steif, wenn du näher kommst. Dann guckt er weg. Dann knurrt er. Und wenn du weiter ziehst, obwohl er dich längst gewarnt hat, schnappt er irgendwann.

Dein Hund ist deshalb nicht fies und will auch nicht die Macht im Wohnzimmer. Er hat schlicht gelernt, dass er seinen Lieblingsplatz verteidigen muss, weil ihn da sonst wer wegzerrt. Du hast ihm das nicht mit Absicht beigebracht. Aber jedes Mal Runterschieben zieht die Sache fester.

Lesetipp: Was du über Strafe im Training wissen musst

Deshalb: nicht am Halsband ziehen, nicht wegdrücken, nicht wegscheuchen. Auch dann nicht, wenn dein Hund das Signal „Runter“ noch gar nicht kann. Wie du ihn in so einem Moment trotzdem vom Sofa kriegst, zeig ich dir gleich.

So lernt dein Hund, freiwillig vom Sofa zu gehen

Das Ziel ist simpel: Du gibst ein Signal, dein Hund steht auf und geht runter. Freiwillig und gut gelaunt, weil er weiß, dass sich das lohnt. Und vor allem sicher, weil er wirklich verstanden hat, was du von ihm willst. Such dir ein Signal aus, das du gut findest. „Runter“, „Boden“, „runter da“, egal, Hauptsache du bleibst dabei.

Und jetzt kommen die zwei Stellen, an denen es meistens klemmt.

Problem eins: Du hast das Signal nie richtig aufgebaut. Die meisten sagen „Runter“ und hoffen, dass der Hund das schon irgendwie macht. Macht er aber nicht, weil er das Wort gar nicht kennt. Also sagen sie’s nochmal, lauter, strenger, fieser. Und irgendwann geht der Hund tatsächlich runter, aber nicht, weil er’s kapiert hat, sondern weil er Angst kriegt und hofft, dass der Mensch dann aufhört, so eklig mit ihm zu reden. Das willst du nicht. Ein Signal muss dein Hund erst in Ruhe lernen, Schritt für Schritt, bis er es sicher checkt.

Problem zwei: Runter allein reicht nicht. Wenn dein Hund vom Sofa springt und dann ratlos davorsteht, springt er in zwei Sekunden wieder rauf. Weil er nicht weiß, was er stattdessen tun soll. Deshalb gibst du ihm nicht nur die Info, dass er runtergehen soll, sondern auch, wohin er gehen kann. Runter und dann rüber zu seinem eigenen Lieblingsort.

Erst den neuen Lieblingsort finden & aufladen

Dein Hund braucht einen eigenen Ort, an dem er richtig gern liegt. Und da lohnt es sich, mal genau hinzuschauen, wie dein Hund überhaupt gern liegt:

  • Liegt er gern erhöht und guckt von oben? Dann taugt vielleicht ein eigener Sessel mehr als ein Bett am Boden.
  • Verkriecht er sich gern wie in einer Höhle? Dann probier was Geschlossenes, eine Box mit Decke drüber oder einen kuscheligen Rückzugsort.
  • Mag er’s weich oder lieber fest? Test ruhig zwei, drei Unterlagen und guck, wo er von allein hingeht.

Wenn der Ort steht, lädst du ihn auf. Immer wenn dein Hund da freiwillig hingeht oder liegt, passiert was Schönes: Du bringst ihm ein Leckerli vorbei, sagst was Nettes, kraulst ihn kurz. So wird sein Bett zum neuen Lieblingsort.

Das Signal „Runter“ aufbauen

Trainier „Runter“ am besten nicht nur auf dem Sofa, sondern auch mal unterwegs auf einem stabilen Untergrund. Achte drauf, dass dein Hund da gut stehen kann. Auf dünnen Baumstämmen zu balancieren ist nicht für jeden Hund leicht, such also lieber eine breite, stabile Bank oder was Ähnliches, auf das dein Hund ohne Mühe raufspringt. Wenn dein Hund unterwegs nirgends raufspringt, dann üb „Runter“ einfach dann, wenn er sowieso auf dem Sofa oder Bett liegt. Ein bis drei Wiederholungen pro Übungsrunde reichen völlig.

Schritt 1: Zeig deinem Hund, was du meinst.

Erst lernt er, dass sich Runterspringen lohnt. Sonst sagst du „Runter“ und er guckt dich nur fragend an.

  1. Animier deinen Hund runterzuspringen. Hilf ihm, zum Beispiel mit einer Handgeste mit Futter in der Hand, einem Nasentouch oder indem du unten am Boden was Spannendes machst.
  2. Springt dein Hund runter,
  3. gibst du dein Markersignal.
  4. und belohnst ihn mit Futter auf dem Boden.

Sobald dein Hund schnell auf deine Hilfe reagiert und runterspringt, führst du das Wortsignal ein.

Schritt 2: Das Wortsignal „Runter“ einführen.

Statt „Runter“ geht auch jedes andere Wort oder eine Handgeste.

  1. Gib dein Signal, sag „Runter“.
  2. Atme kurz durch und zähl im Kopf „21, 22, 23“.
  3. Jetzt animierst du deinen Hund runterzuspringen, diesmal mit einer Handgeste ohne Futter in der Hand, einem Nasentouch oder am Boden.
  4. Springt dein Hund runter,
  5. gibst du dein Markersignal.
  6. und belohnst ihn mit Futter auf dem Boden.

Im besten Fall sieht das bald so aus: Du sagst „Runter“, atmest durch, zählst 21, 22, 23, und dein Hund springt schon von allein. Dann gibst du sofort dein Markersignal und belohnst. Die Hilfe mit der Handgeste kannst du jetzt weglassen.

Hier siehst du auch noch mal kurz den Aufbau, wie das alles aussieht, damit du’s direkt nachmachen kannst.

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Weitere Informationen

Und falls sich das gerade nach viel anfühlt: Du musst das nicht an einem Nachmittag durchziehen. Nimm dir für jeden Schritt so viel Zeit, wie dein Hund braucht.

Achtung, sonst baust du aus Versehen ein Spiel

Jetzt aufgepasst, weil sich hier ganz leicht was einschleicht, das du nicht haben willst. Aus dem Runtergehen kann eine kleine Kette werden, die dein Hund richtig gern abspult. Er springt auf die Couch, du schickst ihn runter, er kriegt sein Leckerli. Nice, denkt er, dann spring ich gleich nochmal rauf, dann geht die Show von vorne los. Und zack, hast du ihm beigebracht: aufs Sofa springen lohnt sich, weil danach immer was Gutes kommt.

Deshalb belohn nicht nur das Runterspringen an sich, sondern auch öfter das ruhige Chillen auf seinem eigenen neuen Lieblingsplatz.

Und hier kommt ein Trick, der easy funktioniert und dir viel abnimmt: Wenn dein Hund auf dein Signal vom Sofa runtergeht und du dein Markersignal gibst, dann wirf sein Leckerli rüber auf seinen neuen Lieblingsort, statt es ihm direkt vor die Nase zu halten. Dein Hund läuft dem Futter hinterher, holt es sich dort ab und ist dann genau da, wo du ihn haben willst.

Dein Hund liegt schon oben und kann das Signal „Runter“ noch nicht?

Das Signal aufzubauen dauert ein paar Tage. Aber dein Hund liegt jetzt auf dem Sofa, der Besuch klingelt gleich, und „Runter“ sitzt noch nicht. Was machst du also in dem Moment, ohne ihn anzufassen? Du hast mehrere Möglichkeiten:

  • Ruf ihn zu dir: Geh in einen anderen Raum und ruf deinen Hund. Am besten in die Küche, das klappt für die meisten Hunde am leichtesten, weil da oft gute Sachen warten.
  • Frag einen Handtouch ab: Wenn dein Hund gelernt hat, deine Hand oder deinen Finger anzutippen, nutz das. Stell dich weit genug vom Sofa weg, dann muss er runterspringen, um deine Hand zu erreichen.
  • Tu so, als wär unten was los: Kann dein Hund noch gar kein Signal, dann geh in die Hocke und tu, als würdest du am Boden was richtig Spannendes machen. Viele Hunde kommen dann von allein runter, um zu gucken, was da abgeht.
  • Lock ihn runter, aber vorsichtig: Du kannst deinen Hund auch mit was Tollem runterlocken. Das hat nur einen Haken: Wenn es jedes Mal was Feines gibt, sobald er vom Sofa runtersoll, springt er vielleicht bald öfter rauf, weil sich das ja lohnt. Nutz das also lieber, wenn’s grad brennt und nicht jeden Tag.

So kommst du durch den Moment, wenn’s mal schnell gehen muss. Trainiere das „Runter“ trotzdem in Ruhe nebenbei. Denn je sicherer dein Hund es kann, desto seltener musst du überhaupt zu so einem Trick greifen.

Wenn dein Hund gar nicht auf die Couch soll

Vielleicht willst du das Sofa komplett hundefrei halten. Auch total okay, deine Entscheidung. Dann brauchst du zwei Sachen:

  • einen Ort, an dem dein Hund mindestens so gern liegt wie auf dem Sofa.
  • Und einen Weg, ihn gar nicht erst raufzulassen, wenn du nicht daneben stehst.

Warum der zweite Punkt? Solange du danebensitzt, gibst du dein Runter-Signal und schickst deinen Hund auf seinen Ort. Easy. Aber du gehst kurz in die Küche, telefonierst im Flur oder bist gar nicht zu Hause, und dein Hund guckt das leere Sofa an. Warm, weich, riecht nach dir und keine*r sagt was. Klar macht er’s sich da gemütlich. Nicht um dich zu ärgern, sondern weil er allein ist und das Sofa nun mal der beste Platz im Raum bleibt.

Mach ihm diese Entscheidung leicht und sperr das Sofa einfach ab, wenn du nicht da bist. Ganz praktisch: ein Kindergitter vorm Wohnzimmer oder einfach die Tür zu. Dann muss dein Hund nicht mit sich ringen, sobald du weg bist.

Und was, wenn du dir gar nicht sicher bist, ob dein Hund aufs Sofa darf?

Vielleicht ist deine Frage eine ganz andere. Nicht „wie kriege ich ihn wieder runter“, sondern „darf er da eigentlich überhaupt rauf?“. Weil dir irgendwer eingeredet hat, dein Hund würde dir dann auf dem Kopf rumtanzen. Dass er die Macht übernimmt. Dass er nicht mehr hört, sobald er einmal oben liegen durfte.

Das ist Quatsch. Dein Hund zettelt keinen Aufstand an, nur weil er neben dir auf dem Sofa pennt. Ob er raufdarf oder nicht, entscheidest du, nach dir und deinem Alltag, und nach sonst nichts.

Falls dich genau diese Frage grad umtreibt, lies das hier: Darf mein Hund aufs Sofa oder aufs Bett?

Du willst jetzt auch so ein Markersignal für deinen Hund?

Guck, das „Runter“ hast du gerade gecheckt. Und genau so kannst du deinem Hund alles Mögliche beibringen. Du baust ein Signal auf, statt deinen Hund anzuschnauzen oder vom Sofa zu zerren. Das Markersignal ist dabei dein Werkzeug: Damit sagst du deinem Hund genau in dem Moment, in dem er was richtig macht, „ja, das war’s“, und er merkt sich, dass sich das lohnt.

Und das funktioniert für fast alles, was bei euch grad hakt. Ob dein Hund entspannt an anderen Hunden vorbeigehen soll, zurückkommen, wenn du rufst, oder eben runter vom Sofa. Wie Markertraining läuft, steht in meinem Buch: „Markertraining für Hunde: Auf Augenhöhe zum glücklichen und kooperativen Hund“. 🤓

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Häufige Fragen: Hund und Sofa

Wie gewöhne ich meinem Hund die Couch ab?

Bau mit ihm ein Signal auf, mit dem er freiwillig runtergeht, zum Beispiel "Runter". Belohn dabei nicht das Runterspringen selbst, sondern das ruhige Liegen auf seinem eigenen Ort. Und schaff ihm einen Platz, an dem er mindestens so gern liegt wie auf der Couch. Schieben oder wegscheuchen bringt dich nicht weiter, das macht deinen Hund nur wütend oder ängstlich.

Mein Hund knurrt, wenn er vom Sofa runter soll. Was tun?

Das Knurren ist eine Ansage: "Lass mir meinen Platz." Meistens steckt dahinter, dass dein Hund schon mal runtergeschoben oder weggescheucht wurde und jetzt seinen Lieblingsort verteidigt. Zieh ihn auf keinen Fall am Halsband oder Brustgeschirr runter, das macht es schlimmer. Bau stattdessen in Ruhe das Signal "Runter" auf, damit dein Hund freiwillig und ohne Stress geht. Knurrt er öfter oder wird es heftiger, hol dir Hilfe bei einer gewaltfrei arbeitenden Trainer*in.

Wie halte ich meinen Hund vom Sofa fern, wenn ich nicht da bin?

Sperr das Sofa einfach ab, solange du weg bist. Ein Kinder- oder Hundegitter vorm Wohnzimmer oder eine geschlossene Tür reichen meistens. So muss dein Hund sich gar nicht erst entscheiden, und du kommst nicht zu warmen Sofakissen nach Hause.

Darf mein Hund überhaupt aufs Sofa?

Das ist allein deine Entscheidung. Dein Hund übernimmt nicht die Macht und hört auch nicht schlechter, nur weil er neben dir auf dem Sofa liegen darf.

Meiner Meinung nach darf jeder Hund aufs Sofa, solange alle Bock drauf haben, du und dein Hund. Magst du's nicht, ist auch gut. Dann schaff ihm einen tollen eigenen Platz, an dem er richtig gern liegt.

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist ausgebildete Hundetrainerin, Coach, Autorin des Buches „Markertraining für Hunde“ und Gründerin von Dog It Right®. Seit 2011 arbeitet sie hauptberuflich im Hundetraining, seit 2013 online.

Sie begleitet Menschen, deren Hunde wie auf einem anderen Planeten sind, sobald irgendwo ein anderer Hund auftaucht.

Dog It Right steht nicht für Dominanz, Gehorsamsdenken oder „sich durchsetzen“, sondern für ein Training, das ohne Machtspielchen auskommt und im echten Leben funktioniert, nicht auf dem Hundeplatz.

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