Welcher Hund passt zu mir? Worauf es wirklich ankommt

Du hast bestimmt schon so ein Quiz gemacht, auf irgendeiner Seite. Wohnung oder Haus? Klick. Bist du eher ein aktiver Typ oder eher gemütlich? Klick. Wie viel Zeit hast du jeden Tag? Klick. Und dann spuckt so ein Test dir drei Hunderassen aus: Labrador, Pudel oder Golden Retriever. Herzlichen Glückwunsch, das ist der Hund, der am besten zu dir passt.

Ganz ehrlich? Das ist absoluter Quatsch. 🫠

Denn dein Hund liest keine Beschreibung seiner Hunderasse. Zwei Hunde aus demselben Wurf können total verschieden sein. Der eine ist entspannt und ruht viel, der andere braucht mehr Beschäftigung und wird schnell unruhig, wenn ihm langweilig ist. Eine Hunderasse kann dir eine grobe Richtung geben, mehr nicht.

Und das Wichtigste: Es hängt nicht nur am Hund, sondern auch an dir. Wie sieht dein Alltag wirklich aus? Worauf hast du Lust und worauf so gar nicht? Wie viel Zeit, Kraft und Nerven hast du gerade übrig? Ein Hund zieht bei dir ein, wie du gerade lebst, nicht wie du gern leben würdest.

Deshalb gucken wir uns hier zusammen an, was wirklich wichtig ist, bevor dein Hund einzieht. Kein Quiz, das dir in zwei Minuten die Lösung verspricht, sondern die Fragen, die du dir echt mal in Ruhe stellen solltest. Damit ihr am Ende zusammenpasst, du und dein Hund.

Egal ob du deinen ersten Hund suchst oder schon Hundeerfahrung hast, die Fragen bleiben die gleichen.

Wie groß darf dein Hund werden?

Die Größe ist mehr als Geschmackssache. Sie entscheidet mit, wie euer Alltag läuft. Deshalb guck nicht nur, welche Größe dir gefällt, sondern auch, welche zu deinem Leben passt.

Kannst du deinen Hund im Notfall tragen?

Stell dir vor, dein Hund verletzt sich an der Pfote und darf ein paar Tage nicht die Treppe laufen. Oder er wird operiert und muss danach getragen werden. Bei einem Hund mit fünf Kilo machst du das mit links. Bei einem mit vierzig wird es schwierig, vor allem mehrmals am Tag, mehrere Tage lang.

Und das betrifft nicht nur Menschen im dritten Stock ohne Aufzug. Auch die paar Stufen vor der Haustür oder ins Schlafzimmer können zum Thema werden. Überleg dir ehrlich: Könntest du deinen Hund im Notfall tragen? Es gibt zwar Tragehilfen für große Hunde, aber die machen den Hund nur handlicher, nicht leichter.

Passt ein großer Hund überhaupt in deine Bude?

Guck dich mal in deinem Wohnzimmer um. Wenn da ein großer Hund liegt und sich lang macht, ist dann noch Platz für dich? Oder steigst du den ganzen Tag über ihn drüber, weil er einfach überall im Weg liegt? Klingt nach Kleinigkeit, nervt aber richtig, wenn’s jeden Tag so ist.

Und kannst du so einen Hund halten, wenn er komplett durchstartet?

Stell dir vor: Auf der anderen Straßenseite huscht eine Katze vorbei und dein Hund will da JETZT hin. Ein großer, schwerer Hund zieht dann mit ordentlich Kraft. Ob du ihn hältst, hängt echt davon ab, wie es bei dir körperlich aussieht. Bei manchen geht das, bei anderen wird’s brenzlig, für dich und für deinen Hund.

Sei da einfach ehrlich zu dir. Willst du wirklich jeden Tag mit so einem starken Hund rausgehen? Und falls du gerade vor allem an einen großen Hund denkst, weil der einfach beeindruckend aussieht: Spoiler, das hält euch nicht die nächsten zehn Jahre zusammen. Wichtig ist, dass ihr im Alltag gut miteinander klarkommt.

„Das trainier ich meinem Hund einfach ab!“

Jetzt denkst du dir vielleicht: Ist doch egal, wie der Hund tickt, ich erzieh ihn halt ordentlich, dann macht er das schon, wie ich mir das vorstelle. Ganz ehrlich: Das ist eine Illusion. Bei den wenigsten Hunden wird das so laufen.

Dein Hund kommt nicht fertig zu dir. Aus deinem süßen Welpen wird erst mal ein Junghund mitten in der Pubertät, voller Energie und mit ungefähr so viel Impulskontrolle wie ein Stück Butter. Und auch ein erwachsener Hund überrascht dich. Vielleicht läuft er in der Stadt völlig entspannt, aber sobald ihr aufs Land fahrt, entdeckt er, wie genial es ist, hinter allem herzurennen, was sich bewegt. Gerade wenn du deinen ersten Hund holst, ist ein erwachsener Hund oft die entspanntere Wahl. Du siehst eher, wie er tickt und ob er zu dir passt.

Klar bringt euch Training weit. Aber du machst aus deinem Hund keinen komplett anderen Hund. Er bleibt der, der er ist, mit allem, was er mitbringt. Und genau deshalb sollte nicht das Aussehen entscheiden, welcher Hund bei dir einzieht. Viel wichtiger ist, wie er tickt und ob das zu dir passt. Worauf du da alles achten kannst, gucken wir uns jetzt Stück für Stück an.

Und was ist mit einem kleinen Hund?

Kleiner Hund, kleineres Thema? Nope. Klar, über Platz und Gewicht musst du dir weniger Gedanken machen. Aber für einen kleinen Hund ist einfach alles groß. Ein Kind, das angerannt kommt, ein fremder Mensch, ein Fahrrad, ein anderer Hund. Alles überragt ihn und kann ihm schnell zu viel werden. Deshalb sind so viele kleine Hunde unterwegs angespannt und bellen viel. Die wollen gar nicht nerven. Die fühlen sich unsicher.

Und dann kommen wir Menschen und machen es oft noch schlimmer. Vor einem kleinen Hund hat kaum wer Respekt. Also wird er angefasst, festgehalten und hochgehoben, wann immer es gerade passt. Bei einem Rottweiler würde das kein Mensch machen. Bei einem Chihuahua schon.

Klar darfst du deinen kleinen Hund hochheben. Aber mach es nicht einfach, weil er gerade praktisch in Reichweite ist. Sag ihm vorher an, dass es gleich hochgeht, üb das mit ihm in Ruhe und guck, wie er reagiert. Dein kleiner Hund ist nämlich ein ganz normaler Hund. Er will genau das, was jeder Hund will: schöne Spaziergänge, ein sicheres Zuhause und einen Menschen, der ihn ernst nimmt.

Podcast-Tipp Folge 33: Leben, Training und Probleme mit kleinen Hunden

Wie viel Fellpflege willst du wirklich machen?

Manche Hunde musst du täglich kämmen, andere fast nie. Diese Arbeit hast du dann jeden Tag, dein ganzes Hundeleben lang. Überleg dir also ehrlich, worauf du Bock hast.

Und da hängt oft mehr dran, als du denkst. Je nach Hund musst du trimmen, Haare zupfen, Krallen schneiden, Ohren sauber halten, baden, ab und zu in den Hundesalon. Zeig deinem Hund langsam und in kleinen Schritten, dass das alles okay ist. Viele Hunde finden Kämmen, Baden oder Krallenschneiden nämlich erst mal richtig kacke. Dann gewöhnst du ihn ganz behutsam dran, damit er sich sicher fühlt und du ihn nie festhalten oder zwingen musst.

Langes Fell

Du findest es schön, deinen Hund regelmäßig zu bürsten und zu kämmen? Dann passt ein langhaariger Hund gut zu dir. Der Vorteil: Die Haare bleiben oft in der Bürste, statt auf deinem Sofa. Der Haken: Wenn du das schleifen lässt, verfilzt das Fell und das tut deinem Hund weh.

Kurzes Fell

Klingt nach wenig Arbeit, ist aber nicht pflegefrei. Diese kurzen Härchen pieksen sich überall rein, in den Teppich, ins Sofa, in deine Klamotten. Dafür fällt das lange Kämmen weg. Wenn du darauf keine Lust hast, bist du hier richtig.

Lockiges Fell

Lockige Hunde haaren wenig, das lieben viele. Dafür musst du regelmäßig zur Hundefriseurin oder lernst es selbst, weil das Fell sonst immer weiter wächst und verfilzt. Das kostet Zeit und Geld.

Kein Fell

Ein nackter Hund ist alles andere als pflegeleicht. Du musst seine Haut eincremen, im Sommer vor Sonne schützen, im Winter warm halten. Und guck bei haarlosen Hunden bitte vorher genau hin, ob du es mit einer Qualzucht zu tun hast. Bei manchen Hunderassen gehören schwere gesundheitliche Probleme leider fest zum Alltag. Das betrifft nicht nur nackte Hunde, sondern auch viele mit extrem kurzen Schnauzen.

Egal welches Fell: Pflegen musst du jeden Hund. Frag dich einfach, was du wirklich gern und regelmäßig machst. Kämmen? Cremen? Saugen?

Wo lebst du und wie sieht dein Alltag aus?

Ob du in der Stadt oder auf dem Land lebst, entscheidet ziemlich stark mit, welcher Hund zu dir passt. Ein Hund, der auf dem ruhigen Land aufblüht, kann in der lauten Stadt komplett überfordert sein. Und andersrum.

Stadt oder Land?

Du wohnst mitten in der Stadt? Dann ist dein Hund den ganzen Tag von Reizen umgeben: Lärm, viele Menschen, andere Hunde, Autos, Straßenbahnen. Ein sehr ängstlicher oder empfindlicher Hund kommt damit oft gar nicht klar und steht dauernd unter Strom.

Achte in der Stadt also eher auf einen Hund, der:

  • nicht als ängstlich oder besonders sensibel beschrieben wird
  • die Stadt schon kennt
  • nicht so empfindlich auf alles reagiert, was sich bewegt (viele Hütehunde zum Beispiel sind da megaschnell angeknipst und reagieren obendrein empfindlich auf Geräusche)

Und guck dir deine eigene Gegend mal genau an. Wie weit ist die nächste ruhige Grünfläche? Ist die morgens leer oder wuselt es da schon vor Hunden und Menschen? Bei deinem nächsten Spaziergang siehst du schnell, was dein Hund hier jeden Tag abkriegen würde. Wenn du in einer wuseligen Ecke wohnst, aber für ruhige Runden woanders hinfahren kannst, hilft dir das schon sehr. Es kostet dich aber Zeit und das solltest du ehrlich mit einplanen.

Und auf dem Land?

Auf dem Land ist es meistens ruhiger, dein Hund wird mit weniger Reizen konfrontiert. Deshalb kannst du dort oft freier wählen. Ein paar Sachen solltest du trotzdem vorher bedenken:

  • Auf dem Land triffst du überall auf Wild. Ein Hund, der schnell auf jagdliche Reize anspringt, steht in so einer Umgebung ganz oft unter Strom. Und das trainierst du ihm nicht mal eben ab. Bei so einem Hund ist die Frage eher, ob er auf dem Land überhaupt gut leben kann, oder ob ihm das dauernd zu viel ist.
  • Läuft bei dir viel am Grundstück vorbei? Manche Hunde finden es super, den ganzen Tag alles anzubellen, was sich nähert. Für dich ist das oft anstrengend, und für deinen Hund purer Stress, weil er nie zur Ruhe kommt. Überleg dir, ob du damit leben willst, oder ob dein Hund lieber entspannt sein sollte.
  • Ist dein Grundstück sicher eingezäunt?

Welches Verhalten passt zu dir und welches nicht?

Hunde wurden über Jahrhunderte für bestimmte Aufgaben gezüchtet. Das steckt bis heute in ihnen. Klar kannst du mit Training viel erreichen. Aber euer Alltag wird deutlich entspannter, wenn dein Hund von sich aus schon ungefähr so tickt, wie es zu dir passt. Überleg dir deshalb vorher drei Sachen:

  • Welches Verhalten geht für dich gar nicht?
  • Womit kommst du klar, auch wenn es nicht dein Favorit ist?
  • Welches Verhalten findest du sogar richtig gut?

Wie viel Bellen hältst du aus?

Erst mal: Hunde bellen. Der eine mehr, der andere weniger, aber bellen gehört einfach dazu. Die Frage ist, wie viel für dich okay ist.

Stell dir vor, du wohnst in einem hellhörigen Mehrfamilienhaus und zuckst bei jedem Bellen zusammen, weil du Stress mit den Nachbar*innen fürchtest. Dann passt ein Hund, der schnell und viel bellt, wahrscheinlich nicht gut zu dir. Manche Hunde wurden genau dafür gezüchtet, bei allem sofort anzuschlagen, weil sie früher zum Beispiel Haus und Hof bewachen sollten. Das steckt tief in ihnen drin, und du bekommst es mit Training zwar etwas ruhiger, aber nicht weg.

Willst du einen Hund, der wachsam ist?

Manche Hunde bringen von sich aus mit, dass sie Fremden gegenüber misstrauisch sind. Das ist erst mal eine Tendenz, es muss bei so einem Hund nicht stark ausgeprägt sein. Und umgekehrt kann es auch bei Hunden auftauchen, die gar nicht in diese Richtung gezüchtet wurden. Trotzdem lohnt es sich, vorher zu überlegen, ob so ein Hund zu deinem Leben passt.

Denk zum Beispiel an Besuch. Bei dir gehen ständig Menschen ein und aus, die Kinder von nebenan klingeln, deine Freund*innen kommen vorbei. Ein Hund, der jeden Fremden erst mal als Bedrohung sieht, macht das für dich ganz schön anstrengend.

Dazu kommt: So ein wachsamer Hund ist oft ständig gestresst. Wenn er an einer belebten Straße wohnt und den ganzen Tag alles anbellt, was vorbeikommt, kommt er nie zur Ruhe. Das tut weder dir noch ihm gut, und aus dem Dauerstress werden schnell noch ganz andere Baustellen.

Kannst du mit Jagdverhalten leben?

Jagen begegnet mir ständig im Training und die meisten stresst das extrem im Alltag. Frag dich ehrlich:

  • Hast du Lust und Zeit, mit deinem Hund am Jagdverhalten zu trainieren?
  • Kannst du damit leben, dass er in Wald und Feld vielleicht dauerhaft an der Schleppleine bleiben muss?
  • Oder willst du eigentlich nur entspannt durch den Wald, ohne dir ständig Sorgen zu machen?

Wenn du dir entspannte Waldspaziergänge wünschst, aber keine Zeit und Lust auf viel Training hast, dann passt ein Hund, der leidenschaftlich gern jagt, einfach nicht zu dir. Manche Hunde jagen richtig gern und ausdauernd. Bei so einem Hund kannst du mit Training viel erreichen, aber du machst aus ihm keinen, der plötzlich kein Interesse mehr an Wild hat.

Podcast-Tipp Folge 120: Von der Leine lassen – Was du vor dem ersten Freilauf beachten solltest

Mit wem lebt dein Hund zusammen?

Guck dir an, wer bei dir zu Hause ein und aus geht und mit wem dein Hund draußen zu tun kriegt. Je nachdem sollte dein Hund gut mit Kindern, anderen Hunden oder anderen Tieren klarkommen.

Hunde und Kinder

Die Frage nach Kindern stellt sich nicht nur, wenn du schon welche hast. Vielleicht planst du in den nächsten Jahren welche, oder es sind ständig Kinder um dich rum, weil du Nichten, Neffen, Enkel oder Patenkinder hast.

Manche Hunde sind offen und interessiert an Kindern, manche haben richtig Angst vor ihnen und manche wissen einfach nichts mit ihnen anzufangen. Klar kannst du mit Training viel machen. Aber du machst dir und deinem Hund das Leben leichter, wenn er Kindern von vornherein offen und neugierig begegnet.

Und ganz wichtig: Es geht nicht nur darum, die Kinder vor dem Hund zu schützen, sondern auch den Hund vor den Kindern. Selbst ein Hund, der Kinder mag, will nicht, dass an ihm rumgezogen wird, dass wer auf ihm rumklettert oder ihn in die Ecke drängt. Dein Hund braucht immer die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, und die Kinder müssen lernen, das zu respektieren. Nur so fühlen sich beide sicher.

Und denk dran: Kinder bedeuten Trubel. Ein ängstlicher oder sehr sensibler Hund braucht viel Ruhe, um die vielen Reize zu verarbeiten. In einem lauten Haushalt mit Kindern kommt er kaum dazu. Das stresst ihn zusätzlich, und daraus wachsen oft neue Probleme.

Podcast-Tipp Folge 35: Baby und (schwieriger) Hund

Hunde und ältere Menschen

Manche Hunde haben nicht nur vor Kindern Respekt, sondern auch vor älteren Menschen, oft weil sie sie kaum kennen. Wenn du viel mit älteren Menschen zu tun hast oder mit ihnen zusammenlebst, guck vorher, ob dein Hund damit klarkommt.

Hunde und andere Hunde

Hast du schon einen Hund oder planst du, mehrere zu haben? Dann sollten die zwei zueinander passen. Verbringst du viel Zeit mit dem Hund von Freund*innen oder deinen Eltern, gilt das genauso. Wenn dein erster Hund zum Beispiel schlecht mit Rüden kann, bringt dir ein zweiter Rüde jede Menge Stress in den Alltag.

Hunde und andere Tiere

Lebt schon eine Katze oder ein anderes Tier bei dir? Dann sollte dein neuer Hund damit klarkommen. Klar kannst du trainieren und managen. Aber einen Hund, der Katzen richtig doll hinterherjagt, in einen Haushalt mit mehreren Katzen zu holen, macht allen das Leben schwer, deinem neuen Hund genauso wie deinen Katzen.

Lesetipp: Hund und Katze – so klappt’s! – 5 Tipps für das Zusammenleben

Und falls du davon träumst, mit deinem Hund neben dem Pferd auszureiten: Achte darauf, dass er wenig Jagd- und Hüteverhalten mitbringt und fit genug ist, um mitzuhalten.

Und wo findest du jetzt deinen Hund?

Du weißt jetzt ungefähr, wie dein Hund sein sollte. Jetzt geht es darum, wo du ihn findest. Grob hast du diese Wege:

  • Tierheim vor Ort: Du kannst den Hund mehrmals besuchen und in Ruhe kennenlernen.
  • Tierschutzorganisation im Inland oder aus dem Ausland: Viele Hunde leben schon auf einer Pflegestelle in Deutschland, wo du sie treffen kannst.
  • Pflegestelle: Hier siehst du oft am besten, wie sich der Hund im normalen Alltag verhält.
  • Privat abzugebender Hund: Frag genau nach, warum er abgegeben wird, und verbring vorher viel Zeit mit ihm.
  • Zucht: Wenn du dir einen Welpen wünschst, guck sehr genau hin, wie dort mit den Hunden umgegangen wird. Und pass auf, dass du nicht bei eine*r Vermehrer*in oder im illegalen Welpenhandel landest.

Wie eine Adoption Schritt für Schritt abläuft, woran du eine seriöse Orga erkennst und welche Fehler du dir sparst, hab ich dir ausführlich hier aufgeschrieben: Hund adoptieren: Das solltest du vorher wissen

Und wenn dein Hund aus dem Tierschutz kommt, findest du hier alles zum Start ins gemeinsame Training: Tierschutzhund Training: Ab wann und womit du wirklich anfängst

Egal welchen Weg du gehst: Lass dir Zeit und schau, dass ihr wirklich zueinander passt.

Finger weg vom illegalen Welpenhandel!

Ein Hund aus guter Zucht ist teuer und im Tierschutz dauert es manchmal, bis der passende Hund da ist. Da wirken die vielen günstigen Welpen-Anzeigen im Internet erst mal verlockend. Bitte lass die Finger davon.

Diese Welpen werden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt, sind oft krank und schlecht versorgt und haben von Anfang an massiv Stress. Dadurch entwickeln viele von ihnen später ernste Probleme, körperlich wie im Verhalten.

Daran erkennst du unseriöse Angebote:

  • Du kannst die Elterntiere nicht kennenlernen und den Ort nicht besuchen, an dem der Welpe aufgewachsen ist.
  • Der Preis ist auffällig niedrig.
  • Du kannst den Hund sofort mitnehmen.
  • Die Übergabe soll auf einem Parkplatz oder aus dem Kofferraum stattfinden.
  • Auf deine Fragen zu Herkunft und Aufzucht bekommst du nur schwammige Antworten.

Ein Tipp: Lass dir Fotos der Elterntiere schicken und jag sie durch die umgekehrte Bildersuche einer Suchmaschine. Taucht das Bild woanders auf, ist es geklaut.

Bitte unterstütze keine Qualzucht!

Es gibt Hunde, die auf ein bestimmtes Aussehen gezüchtet werden, obwohl sie ihr Leben lang darunter leiden. Zum Beispiel:

  • Hunde mit so kurzen Schnauzen, dass sie kaum Luft bekommen
  • Hunde mit so viel Haut, dass sich die Falten ständig entzünden
  • Hunde mit Problemen an den Augen, weil die Form ihres Kopfes das mitbringt
  • Hunde mit Zahnproblemen, weil in der kurzen Schnauze kein Platz ist
  • Hunde, denen ihr eigener Körperbau Schmerzen macht

Betroffen sind zum Beispiel Möpse, Französische und Englische Bulldoggen, Cavalier King Charles Spaniel, Dackel, Shar Peis und Chihuahuas mit besonders rundem Kopf. Bei diesen Rassen gehören solche Probleme oft schon zum Zuchtstandard dazu.

Wenn dir so ein Aussehen gefällt, guck bitte lieber im Tierschutz. Auch dort warten genau solche Hunde auf ein Zuhause. Und mach dir vorher klar, was so ein Hund mitbringt: oft jede Menge Kosten für die tiermedizinische Behandlung und viel Support im Training, weil diese Hunde durch ihre gesundheitlichen Probleme dauerhaft unter Stress stehen.

Und mal unter uns: Solange du nicht wirklich darauf angewiesen bist, dass dein Hund aus einer Zucht kommt, würde ich generell keine Zucht unterstützen. Und die allermeisten Menschen sind darauf gar nicht angewiesen.

Vergiss den perfekten Hund!

Vergiss den perfekten Hund. Den gibt es nicht, und du brauchst ihn auch nicht. Die Frage ist nicht, welcher Hund objektiv der beste ist, sondern welcher Hund zu dir passt.

Was zählt, ist ein Hund, dessen Art zu deinem Leben passt. Denn wenn Hund und Mensch überhaupt nicht zusammenpassen, leiden am Ende beide. Du bist gestresst, und dein Hund erst recht, weil er in einem Leben gelandet ist, das ihm einfach nicht liegt. Welcher Hund für dich geeignet ist, hängt nicht von der Hunderasse ab, sondern davon, wie er tickt und wie du lebst.

Deshalb guck vorher ehrlich hin, statt dich nur in ein süßes Foto zu verlieben. Dein Hund bleibt zehn, fünfzehn Jahre bei dir. Diese Zeit habt ihr beide verdient miteinander, ohne dass einer von euch die ganze Zeit an seine Grenzen kommt.

Du hast deinen Hund gefunden und willst schon loslegen, bevor er bei dir einzieht? In meinem Buch Markertraining für Hunde zeige ich dir, wie dein Hund lernt und wie du ihm ohne Druck zeigst, was du dir wünschst.

Und wenn dein Hund bald einzieht, lies am besten noch das hier: Neuer Hund zieht ein: die 3 Fehler, die das Ankommen schwer machen. Da geht’s darum, wie dein Hund gut bei dir ankommt.

 

Welcher Hund passt zu mir? Die häufigsten Fragen

Welcher Hund passt zu mir als Anfänger*in?

Nicht die Hunderasse entscheidet, sondern der einzelne Hund. Für deinen ersten Hund ist oft ein erwachsener, entspannter Hund die bessere Wahl als ein Welpe. Bei einem erwachsenen Hund siehst du schon eher, wie er tickt, wie viel er sich bewegen will und wie er auf andere Hunde und Menschen reagiert.

Welcher Hund passt zu mir, wenn ich wenig Zeit habe?

Ehrlich gesagt: Jeder Hund braucht Zeit, jeden Tag. Wenn du wenig Zeit hast, achte auf einen Hund, der nicht extrem viel Beschäftigung braucht und gut. allein bleiben kann.

Welcher Hund passt zu mir in einer Wohnung?

In einer Wohnung, vor allem in der Stadt, ist dein Hund vielen Reizen ausgesetzt. Achte auf einen Hund, der nicht besonders ängstlich oder geräuschempfindlich ist und der nicht bei jedem Geräusch im Treppenhaus anschlägt. Die Größe ist dabei weniger wichtig als der Charakter. Auch ein großer, chilliger Hund kann in einer Wohnung gut leben.

Ist ein Rüde oder eine Hündin besser für mich?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Beide können super zu dir passen. Viel wichtiger als das Geschlecht ist, wie der einzelne Hund tickt. Wenn du schon einen Hund hast, lohnt sich der Blick darauf, ob die zwei sich verstehen.

Welcher Hund passt zu mir und meinen Kindern?

Ein Hund, der offen und neugierig auf Kinder reagiert und nicht besonders schreckhaft ist. Genauso wichtig: dass in eurem Alltag Ruhe für den Hund drin ist und dass deine Kinder lernen, den Hund in Ruhe zu lassen, wenn er sich zurückzieht. So fühlen sich beide sicher.

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist ausgebildete Hundetrainerin, Coach, Autorin des Buches „Markertraining für Hunde“ und Gründerin von Dog It Right®. Seit 2011 arbeitet sie hauptberuflich im Hundetraining, seit 2013 online.

Sie begleitet Menschen, deren Hunde wie auf einem anderen Planeten sind, sobald irgendwo ein anderer Hund auftaucht.

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