Dein Hund hat wieder was Ekliges vom Boden gefressen und du stehst daneben und kannst nur zusehen. Kenn ich. Genau dafür ist das „Aus“-Signal da. Ich zeige dir, wie du deinem Hund „Aus“ beibringst – Schritt für Schritt, damit er wirklich zuverlässig ausspuckt ohne Stress, ohne Zwang, ohne Jagd quer durch den Park.
Was bedeutet „Aus“ beim Hund – und warum ist es so wichtig?
Ausgeben bedeutet, dass dein Hund seinen Kiefer öffnet und den Gegenstand fallen lässt oder in deine Hand legt. Das wichtigste Element ist das Öffnen des Kiefers – mir geht es dabei mehr um Sicherheit als um ein präzises in-die-Hand-Legen. Aber auch für einen sauberen Aufbau eines Apports brauchst du das Ausgeben in die Hand als einzelnes Element.
Das bedeutet, dass dein Hund natürlich nichts in die Hand legen muss. Wenn dir das wichtig ist oder du es praktisch findest, kannst du es natürlich auch so aufbauen. Unsere Hunde kennen das Signal „Aus“ – und es bedeutet nur: Kiefer öffnen. Es bedeutet nicht, dass dein Hund sein Verhalten unterbrechen oder stehenbleiben soll. Nur: Kiefer öffnen. (Wir haben dann n noch das Signal “Bring” und das bedeutet “Nimm den Gegenstand ins Maul, lauf damit auf dem schnellsten Weg zügig zu mir und leg mir den Gegenstand dann in die Hand”.)
6 Denkfehler beim „Aus“ beibringen
„Aus“ bedeutet, der Hund hört auf, alles zu machen
Nope. „Aus“ bedeutet genau eines: Kiefer öffnen. Nicht stehenbleiben, nicht innehalten, nicht das Verhalten unterbrechen. Nur: Kiefer öffnen. Wenn du willst, dass dein Hund ein anderes Verhalten zeigt, brauchst du dafür ein eindeutiges Signal, das du vorher trainiert hast.
Der Hund muss das Gefundene immer in die Hand legen
Muss er nicht. Klar, du kannst das so trainieren und fürs Apportieren ist es sogar ein wichtiges Element. Aber Apportieren ist eine ganze Verhaltenskette und braucht viel mehr Impulskontrolle. „Aus“ bedeutet erstmal nur, dass dein Hund den Kiefer öffnet und den Gegenstand fallen lässt. Das reicht für den Alltag völlig aus – und fällt Hunden auch viel leichter.
Der Hund macht das einfach, weil ich der Chef bin
Klingt easy, oder? Ist es leider nicht. „Aus“ ist kein Verhalten, das dein Hund von Natur aus mitbringt – es muss trainiert werden. Dein Hund macht das nicht, weil du es einfach erwartest. Er macht es, weil er gelernt hat, dass es sich lohnt und dass er in dem Moment sicher ist. Und wenn dein Hund draußen etwas Fressbares findet? Dann ist sein Instinkt erstmal: festhalten. Das hat jahrtausendelang zum Überleben gereicht. Denk mal drüber nach.
Mehr dazu: Impulskontrolle beim Hund – So trainierst du sie im Alltag
Wenn der Hund nicht ausspuckt, einfach das Maul aufmachen und das Ding rausnehmen
Das funktioniert vielleicht einmal. Vielleicht noch zweimal. Aber dein Hund lernt dabei nur: Menschenhände in der Nähe meines Mauls sind gefährlich. Beim nächsten Mal macht er sich schnell aus dem Staub – oder er schnappt zu. Beides keine gute Idee. Es schadet eurem Vertrauen und eurer Beziehung.
Wenn mein Hund zuhause gut ausspuckt, klappt das draußen automatisch auch
Leider nein. Draußen riecht es anders, dein Hund ist abgelenkt – und was dein Hund selbst gefunden hat, ist oft noch viel spannender als alles, was du je im Wohnzimmer rumliegen hast. Deswegen: gezielt draußen üben, an verschiedenen Orten.
Wenn „Aus“ nicht klappt, nimmt mein Hund mich nicht ernst
Halt, stopp – das ist Bullshit. Wenn dein Hund noch nicht ausspuckt, hat er es entweder noch nicht gut genug gelernt oder die Situation ist gerade noch viel zu schwer für ihn. Das ist kein Machtkampf. Ihr seid einfach noch nicht fertig mit dem Training.
Übrigens: Tauschen ist völlig okay. Du gibst deinem Hund etwas anderes im Gegenzug und er lässt das Ding los. Aber verlass dich nicht nur darauf. Denn wenn du mal nichts zum Tauschen dabei hast, brauchst du ein „Aus“, das auch ohne Tauschgeschäft funktioniert. Also: trainier das „Aus“ – aber wenn Tauschen in einer Situation besser passt, nutz das ruhig.
Jetzt weißt du, was nicht stimmt. Hier zeige ich dir, wie es wirklich geht – Schritt für Schritt.
Schritt 1 – Hund aus beibringen: Ausspucken muss sich lohnen
Schimpfen, hinterherlaufen, das Maul aufreißen und den Gegenstand rausfummeln – das fühlt sich vielleicht nach einer Lösung an, ist aber langfristig keine. Sobald dein Hund merkt, dass er schneller ist als du und keine Leine dran ist, macht er sich mit seinem Fundstück einfach aus dem Staub.
Wenn du deinem Hund „Aus“ beibringen willst, gibt es einen Grundsatz, der alles andere übertrumpft: Ausspucken muss sich für deinen Hund lohnen. Das ist der Grundstein dafür, dass es überhaupt zuverlässig und easy klappt.
Dein Hund findet draußen einen Schatz – und der gehört erstmal ihm. Er wird nur dann mit dir kooperieren, wenn er weiß, dass es sich lohnt, in deiner Nähe seinen Kiefer zu öffnen. Nicht weil er muss. Sondern weil es sich für ihn lohnt – und weil es sich für ihn sicher anfühlt.
Übrigens: Wenn dein Hund draußen Giftköder fressen könnte, schau dir das hier an: Antigiftködertraining – 3 Fehler, die ich gemacht habe und wie du sie vermeiden kannst
Schritt 2 – Trainiere „Aus“ mit Plan
Bevor du anfängst, deinem Hund „Aus“ beizubringen: kurz nachdenken. Was soll dein Hund später ausgeben? Wie willst du das Signal nennen? Und womit belohnst du ihn?
Welches Signal willst du nutzen? Für deinen Hund spielt es keine Rolle, welches Wort du benutzt. Wichtig ist nur, dass du dich für eines entscheidest – und dabei bleibst.
Mögliche Signale sind zum Beispiel:
- Aus,
- Gib,
- Spuck,
- Danke,
- Drop.
- Such dir eines aus, das zu dir passt.
Und noch was: Wenn du dich für „Aus“ entscheidest, bedeutet „Aus“ ab sofort nur eines – Kiefer öffnen. Nicht stehenbleiben, nicht Verhalten unterbrechen. Nur: Kiefer öffnen. Ein Signal, eine Bedeutung. Das macht es für deinen Hund viel einfacher zu verstehen.
Was soll dein Hund ausgeben? Überleg dir, welche Gegenstände du trainieren willst und sortiere sie nach Schwierigkeitsgrad. Fang mit den leichten an.
Womit belohnst du deinen Hund? Dein Training wird schneller zum Erfolg kommen, wenn du deinen Hund überraschen kannst und verschiedene Belohnungen einsetzt.
Lesetipp: Welche Belohnungen du für ein erfolgreiches Training brauchst
Schritt 3 – So trainierst du deinen Hund, den Kiefer zu öffnen
Das wichtigste Element ist, dass dein Hund lernt, sein Maul zu öffnen – also den Kiefer auf dein Signal hin aufzumachen. Und der Schlüssel dazu ist dein Markersignal.
Mit einem Markersignal kannst du deinem Hund punktgenau sagen: genau das war’s, jetzt kommt deine Belohnung. Immer wenn dein Hund von allein etwas ausspuckt, fängst du das mit deinem Markersignal ein und belohnst ihn.
Lesetipp: Der Grund, warum du mit Markersignalen besser trainierst
Dein Hund spielt mit einem Ball und irgendwann spukt er ihn aus. In diesem Moment gibst du dein Markersignal und belohnst deinen Hund.

Was ist, wenn mein Hund nie ausspuckt?
Was passiert, wenn dein Hund kaut? Er öffnet und schließt seinen Kiefer im Wechsel. Genau das Öffnen des Kiefers kannst du mit deinem Markersignal betonen – und deinem Hund dann eine Belohnung vor die Nase werfen.
Ich kenn das aus eigener Erfahrung: Mein Hund Paco wollte früher Bälle und Spielzeug einfach nicht abgeben. Stundenlang im Maul behalten, war sein Ding. Meine Hände haben das Spielzeug immer geklaut – also hat er sich jedes Mal weggedreht, sobald sie in die Nähe seines Balls kamen. Ich hab dann angefangen, ihm die Belohnung einfach hinzuwerfen – Futter oder ein anderes Spielzeug. Und bitte gib nicht auf, wenn dein Hund die Belohnung erstmal liegen lässt. Bei Paco hat es im ersten Durchgang 50 kleine Salamistücke gebraucht, bis er den Ball losgelassen hat.
Trainiere diesen Schritt an möglichst vielen verschiedenen Gegenständen – Stöcke, Spielzeug, Pappe, Kauartikel, Grashalme. Alles, was nicht schädlich ist und dein Hund nicht schlucken kann.
Achtung: Hat dein Hund etwas Gefährliches im Maul, ist das kein Trainingsmoment – dann ist Management gefragt. Und wenn dein Hund regelmäßig gefährliche Sachen schluckt, bitte sofort eine gute Hundetrainer*in und Tierärzt*in aufsuchen.
Lesetipp: Warum Management so wichtig für deinen Trainingserfolg ist
Das Ziel von Schritt 3 ist, dass dein Hund immer schneller und bewusster seinen Kiefer öffnet und dir etwas vor die Füße spukt. Sobald du siehst, dass dein Hund seinen Kiefer öffnet, etwas ausspuckt und dich erwartungsvoll anschaut, kannst du das Ausgeben unter Signal stellen (Schritt 4).
Schritt 4 – Hund aus trainieren auf Signal
Du hast deinem Hund „Aus“ trainiert und er weiß jetzt, was es bedeutet. Jetzt kommt das Signal fürs Ausgeben ins Spiel.
Wichtig: Überspringe Schritt 3 niemals. Wer direkt mit dem Signal einsteigt, ohne den Kiefer vorher zu formen, wird damit nicht weit kommen.
So geht’s: Wenn du siehst, dass dein Hund seinen Kiefer öffnet, gibst du dein Signal fürs Ausspucken. Wenn dein Hund dann ausspuckt, folgt dein Markersignal und die Belohnung.
Wenn du dir zu 100 % sicher bist und mit mir um 100 € wettest, wann dein Hund ausspuckt, kannst du das Signal auch kurz davor geben. Aber Vorsicht: manchmal unterbricht dein Hund das Ausspucken, weil du etwas gesagt hast und er dich anschaut. Dann lieber auf Nummer sicher gehen und das Signal erst geben, wenn der Kiefer sich öffnet.
Und wie immer: an verschiedenen Gegenständen und an verschiedenen Orten trainieren. Dein Hund soll „Aus“ nicht nur zuhause im Wohnzimmer können, sondern auch draußen, wenn’s drauf ankommt.

Schritt 5 – Jetzt testest du, ob dein Hund „Aus“ wirklich verstanden hat
Jetzt kommt der Moment der Wahrheit. Dein Hund hat etwas im Maul – vielleicht etwas, das er gerade draußen gefunden hat. Du gibst dein Signal fürs Ausspucken und wartest ab.
Gib deinem Hund ruhig 15 Sekunden Zeit zum Überlegen. Nicht wiederholen, nicht hektisch werden. Einfach abwarten.
Sobald er ausspuckt, gibst du dein Markersignal und belohnst deinen Hund. Und mit jeder Übung wird dein Hund sicherer und schneller.
Und wie immer: an verschiedenen Gegenständen und an verschiedenen Orten üben.

Schritt 6 – Dran bleiben beim „Aus“ lohnt sich
Hund aus beibringen ist kein einmaliges Ding – du musst es regelmäßig üben. Wenn du lange nicht mehr übst oder deinem Hund jedes Mal sein Fundstück wegnimmst, nachdem er ausgespuckt hat, hat er irgendwann keinen Bock mehr drauf. Und auf dich. Das ist total verständlich.
Und es geht ja nicht nur ums Üben – es geht auch ums Belohnen. Ausspucken muss sich lohnen. Immer, nicht nur manchmal. Gib deinem Hund ruhig auch mal sein Fundstück zurück.
Wenn du gerade mit deinem Hund gespielt hast und das Spiel beenden möchtest, lass es langsam ausklingen. Wenn du das Spielzeug einpackst, lass deinen Hund noch mal runterkommen, zum Beispiel mit einer kleinen Futtersuche oder ein paar Übungen, die er gern macht. Und belohn ihn dafür, dass er mitmacht.
Geheimtipp: Übe dort, wo du es wirklich brauchst
Übe außerdem gezielt an den Orten, wo du das Ausgeben wirklich brauchst. Findet dein Hund oft Sachen auf dem Fußweg und nimmt sie gern ins Maul? Dann geh genau dort üben – aber nicht direkt an dem, was er findet. Bring erstmal eigene Sachen mit fürs Training. Dein Hund lernt so, dass an diesem Ort Ausgeben-Übungen passieren und wird die Interaktion mit dir dort irgendwann ganz automatisch erwarten.
Du trainierst „Aus“, aber dein Hund ist draußen sowieso komplett auf einem anderen Planeten?
Du rufst, du redest, du wedelst mit dem geilsten Spielzeug – und für deinen Hund bist du Luft.
Ein Hund, der draußen gar nicht bei dir ist, wird auch nicht ausspucken, wenn du es brauchst.
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Fazit – Hund aus beibringen Schritt für Schritt
Schritt 1 – Ausgeben muss sich lohnen. Dass dein Hund einfach ausspuckt, wenn du es möchtest, ist nicht selbstverständlich – es ist das Ergebnis von gutem Training.
Schritt 2 – Trainiere mit Plan. Was soll dein Hund ausgeben? Wie willst du das Signal nennen? Womit belohnst du ihn?
Schritt 3 – Der Schlüssel ist das Öffnen des Kiefers. Fang es mit deinem Markersignal ein und belohn deinen Hund gezielt dafür.
Schritt 4 – Jetzt kommt das Signal ins Spiel. Dein Hund öffnet den Kiefer – du gibst dein Signal, dann Markersignal, dann Belohnung.
Schritt 5 – Dein Hund kann jetzt auf Signal ausspucken. Gib ihm Zeit zum Überlegen und bleib ruhig.
Schritt 6 – Dran bleiben. Regelmäßig üben, immer belohnen und Ausspucken muss sich für deinen Hund lohnen. Immer.
„Aus“ beibringen – eure häufigsten Fragen
Das hängt davon ab, wie oft du übst und mit welchen Gegenständen du anfängst. Wer regelmäßig trainiert und mit leichten Dingen startet, sieht oft schon nach wenigen Tagen erste Ergebnisse. Bis „Aus" auch draußen bei starker Ablenkung zuverlässig klappt, braucht es eher Wochen und gezieltes Training an verschiedenen Orten mit langsam steigender Ablenkung.
Erstmal: Management. Räum auf, meide Orte, wo dein Hund regelmäßig Sachen findet, nutz eine Schleppleine oder einen Maulkorb mit passendem Fressschutz. Das Training kannst du parallel zuhause trotzdem aufbauen, aber draußen brauchst du erstmal Sicherheit.
Lass deinen Hund außerdem tiermedizinisch durchchecken. Hunde, die draußen alles fressen, können gesundheitliche Probleme haben, massiv gestresst sein – oder sie haben gelernt, dass Menschen ihnen sowieso alles wegnehmen. In dem Fall: Hol dir Unterstützung von einer guten Hundetrainer*in.
Und bitte: nichts aus dem Maul reißen. Lieber tauschen – vom ersten Tag an.
Ab dem ersten Tag. Auch Welpen können das lernen – und je früher du anfängst, desto selbstverständlicher wird es für deinen Hund. Wichtig: mit einfachen Gegenständen starten, kurze Trainingseinheiten machen und bitte nichts aus dem Maul reißen. Lieber tauschen.
Weil zuhause alles anders ist. Draußen riecht es anders, dein Hund ist abgelenkter – und was er selbst gefunden hat, ist oft viel spannender als alles, was du je im Wohnzimmer trainiert hast. „Aus" zuhause können heißt noch nicht „Aus" draußen können. Deswegen: gezielt draußen üben, an verschiedenen Orten und mit verschiedenen Gegenständen.
