Neuer Hund zieht ein: die 3 Fehler, die das Ankommen schwer machen

Woah, dein neuer Doggo ist eingezogen. Du hast ihn aus dem Auto gehoben und durch die Wohnungstür gelotst. Jetzt liegt er da in der Ecke, den Kopf auf den Pfoten. Und in deinem Kopf rattert es schon los: Muss ich jetzt irgendwas machen? Braucht er was? Muss der vielleicht schon Pipi, soll ich gleich noch mal mit ihm raus? Geht’s ihm überhaupt gut? Soll ich ihm die ganze Wohnung zeigen? 🤔

Ganz ehrlich: Oft hilft es deinem Hund am meisten, wenn du ihn erst mal in Ruhe ankommen lässt. Nur fühlt sich das komplett falsch an, weil du deinem Hund ja einen perfekten Start in sein neues Zuhause geben willst. Also legst du los. Und obwohl du nur das Beste willst, wird es für deinen Hund dann oft zu viel: zu viele Menschen, zu viele Ausflüge, zu viel auf einmal. 🫠

Dein Hund lernt sein ganzes Leben lang. Die ersten Wochen entscheiden also nicht über alles. Aber sie sind eine wichtige und sensible Zeit. In der geht es nicht darum, deinem Hund möglichst viel beizubringen, sondern darum, ihn zu verstehen: seine Körpersprache zu lesen, seine Bedürfnisse zu erkennen und ihm zu zeigen, dass er sich auf dich verlassen kann. Das sieht nicht spektakulär aus. Aber genau damit ersparst du euch beiden eine Menge Stress, den ihr sonst später mühsam wieder loswerden müsst.

Ich weiß das, weil ich es bei meinem eigenen Hund damals nicht wusste. Als Paco 2009 bei mir einzog, habe ich so vieles nicht gesehen und nicht verstanden. Vielleicht wäre ich sonst nie Hundetrainerin geworden. Aber Paco hätte sich vielleicht auch nie diese krassen Ängste aufgebaut, bis er irgendwann gar nicht mehr aus der Wohnung wollte.

Damit dir das erspart bleibt, zeige ich dir hier die drei Fehler, die den meisten Hundemenschen in den ersten Wochen mit ihrem neuen Hund passieren. Und was stattdessen hilft, damit dein Hund wirklich ankommt und sich zu Hause fühlt.

Fehler 1: Die Willkommensparty für den neuen Mitbewohner

Dein Hund zieht ein und die halbe Verwandtschaft steht schon im Flur. Oma will ihn knuddeln, die beste Freundin hat Leckerlis mitgebracht, und die Nachbarin, die ihn „nur mal ganz kurz“ sehen wollte, sitzt seit einer Stunde auf deinem Sofa. Alle freuen sich. Und das ist auch megaschön, denn was gibt es Besseres, als zu merken, dass die Menschen, die dir wichtig sind, deinen Hund genauso toll finden wie du?

Für deinen Hund ist das in den ersten Tagen trotzdem oft zu viel auf einmal. Versetz dich mal in seine Lage. Er hat gerade alles verloren, was er kannte: sein altes Zuhause, seine Menschen, vielleicht seine Hundekumpels. Und selbst wenn das alles nicht cool war und vielleicht sogar stressig, es war trotzdem sein Zuhause. Es war das, was er kannte. Bei dir riecht es anders, das Futter schmeckt anders, andere Orte, andere Möbel, andere Menschen, die er jetzt sieht, andere Hunde, die er trifft. Und jetzt wollen auch noch zehn fremde Hände an ihn ran.

Das stresst jeden Hund, egal ob er aus der Zucht kommt oder aus einer spanischen Tötungsstation. Das darfst du nie unterschätzen. Und du bist für ihn in diesem Moment auch noch keine sichere Bezugsperson. Diese Bindung muss erst wachsen, und dafür braucht ihr Zeit.

So hilfst du deinem Hund beim Ankommen

Bitte deine neugierige Familie und deine Freund*innen um etwas Geduld und schick ihnen erst mal Fotos und Videos. Deine Eltern, Großeltern und Lieblingsmenschen lernt dein Hund auch später noch kennen, wenn er sich sicherer fühlt. Und wenn du so ein Treffen dann so gestaltest, dass dein Hund sich dabei wohlfühlt, wird er deine Menschen viel entspannter ins Herz schließen.

Damit sich dein Hund gut eingewöhnen kann, hilft ihm in den ersten Wochen vor allem das:

  • Besuch verschieben: Freund*innen und Familie dürfen deinen Hund später kennenlernen, wenn er angekommen ist.
  • Reize & Überforderung dosieren: Nicht alles auf einmal, sondern nach und nach.
  • Genau hinschauen: Beobachte, wie dein Hund reagiert und pass das Tempo an ihn und seine Bedürfnisse an.

Und ganz ehrlich, plan dafür ruhig Zeit ein. Hunde brauchen oft viele Monate, bis sie richtig ankommen. Das gilt für den Hund aus der Zucht genauso wie für den aus dem Tierschutz. Gerade bei Hunden aus dem Tierheim wirst du dich in den ersten Monaten öfter sagen hören: „Das hat er ja noch nie gemacht!“ Je mehr dein Hund ankommt, desto mehr traut er sich. Und ja, da sind manchmal auch Sachen dabei, auf die du gut verzichten könntest. Freu dich trotzdem über jeden kleinen Moment, in dem ihr euch ein Stück näherkommt.

Podcast-Tipp Folge 30: Fehler beim Einzug von Tierschutzhunden

Und genau in dieser Ankomm-Phase passiert oft noch etwas, das viele Hundemenschen ins Grübeln bringt: Dein Hund kommt einfach nicht zur Ruhe.

Neuer Hund kommt nicht zur Ruhe? In den ersten Wochen ist das oft normal

Dein Hund wandert durch die Wohnung, legt sich hin, steht wieder auf, folgt dir von der Küche ins Bad und wieder zurück. Und nach dem Spaziergang, wenn du denkst, jetzt ist er platt und pennt endlich, dreht er erst so richtig auf. Kennst du das? Nach müde kommt bei vielen Hunden erst mal komisch.

In den ersten Wochen ist das oft ganz normal. Dein Hund lebt sich gerade erst ein, alles um ihn herum ist neu und prasselt auf ihn ein. Das strengt ihn an. Und wenn er einen richtig vollen Tag hatte, dann fährt er nicht in fünf Minuten wieder runter. Ein gestresster Hund kommt schwerer zur Ruhe und dass er nicht runterkommt, stresst ihn noch mehr.

Viele Hundemenschen denken dann: Ich muss ihn mehr bewegen, damit er sich auspowert. Das macht ihn meistens noch wuseliger, weil er dabei noch mehr Stresshormone aufbaut, die er dann erst wieder loswerden muss. Was deinem Hund beim Eingewöhnen wirklich hilft:

  • Ruhige Tage, an denen wenig los ist.
  • In Ruhe schnüffeln lassen, so viel er will, statt ein riesiges Trainingsprogramm durchzuziehen.
  • Ein Rückzugsort, an dem er nicht gestört wird.
  • Die Basics zuerst: Futtern, schlafen und sich lösen. Der Rest kommt später.

Zeig deinem Hund, wo er zur Ruhe kommen kann

Und jetzt kommt der Punkt, den viele falsch angehen: Du musst deinem Hund keinen Platz zuweisen, auf dem er gefälligst liegen soll. Beobachte lieber, wo er sich von allein hinlegt und was er dabei braucht. Manche Hunde mögen es weich und kuschelig, andere liegen am liebsten auf dem kühlen Boden. Da ist jeder Hund anders. Richte ihm einen Ort ein, der zu ihm passt, wo er nicht gestört wird und wo er sich zurückziehen darf, wenn er will.

Um zu erkennen, was dein Hund dir zeigt, hilft es dir, seine Körpersprache lesen zu können. Wann fühlt er sich wohl, wann wird ihm etwas zu viel? Genau das lernst du in meinem Video-Training Doggo Reading.

Als mein Hund Paco bei mir eingezogen ist, war alles zu viel für ihn: zu laut, zu viele Autos, zu viele Menschen, zu viele andere Hunde. Sein kleines Geschäft konnte er erst nach 24 Stunden machen, sein großes erst nach 48. So gestresst war er. Deshalb halte in den ersten Wochen die wichtigsten Sachen easy: futtern, schlafen und sich lösen. Erst wenn das läuft, kommt der Rest dazu.

Lesetipp: Was ich seit 2009 mit einem Tierschutzhund gelernt habe

Wann du genauer hinschauen solltest

Bleib trotzdem aufmerksam. „Der muss halt noch ankommen“ ist schnell gesagt, aber damit lässt sich nicht alles erklären, und schon gar nicht über Monate. Wenn dein Hund über Wochen kaum zur Ruhe kommt, lass ihn tierärztlich checken. Manchmal steckt was Gesundheitliches dahinter, das du dem Hund von außen gar nicht ansiehst. Und wenn dein Hund einfach sehr gestresst bleibt, hol dir früh eine gute Trainer*in dazu, die dir zeigt, wie du ihm konkret helfen kannst.

Podcast-Tipp Folge 70: Was tun, wenn der Hund nicht zur Ruhe kommt

Fehler 2: Alles auf einmal, sonst lernt er es ja nie

Von überall hörst du, wie wichtig die erste Zeit ist. Also baut sich dieser Druck auf: Dein Hund muss jetzt schnell alles lernen, sonst wird’s später viel schwerer. Besonders bei Welpen sitzt dieses Gefühl tief. Also los: wichtige Signale, an der Leine laufen, gechillt Autofahren, allein bleiben, am besten alles in den ersten Wochen.

Spoiler: Dein Hund lernt sein ganzes Leben lang, auch mit zehn Jahren noch. Da ist kein Fenster, das sich nach ein paar Wochen für immer schließt. Nimm also den Druck raus. Wichtiger als möglichst viel ist, dass dein Hund sich dabei wohlfühlt. Fühlt er sich wohl, lernt er richtig gut. Fühlt er sich überfordert und gestresst, lernt er vor allem eins: dass sich diese Situation stressig und gefährlich angefühlt hat. Lieber ein paar Dinge, die richtig sitzen, als ganz viel auf einmal.

Seit 2011 werde ich zum 1:1 Training dazugeholt, wenn zu Hause schon die Nerven blank liegen: Der Hund rastet bei anderen Hunden aus und kommt nicht zur Ruhe. Und ganz oft stellt sich raus, dass die Menschen gar nicht auf dem Schirm hatten, was ihr Hund eigentlich braucht, weil ihnen von allen Seiten eingeredet wurde, dass Training bedeutet, sich durchzusetzen: „Da muss er jetzt durch, dann merkt er schon, dass es okay ist.“ Dabei überfordert genau das den Hund noch mehr. Was diese Hunde wirklich gebraucht hätten, ist eine Person, die ihnen mit Belohnung und in kleinen Schritten zeigt, wie sie mit einer Situation klarkommen, statt sie da einfach durchzuzerren.

Zeig deinem Hund lieber weniger, dafür richtig

Ein Klassiker: Du willst deinem Hund die schönste Welt zeigen und marschierst gleich stundenlang durch Wald, Stadt und über den Markt, damit er ja alles nachholt. Für viele Hunde ist das too much. Nicht nur, dass die vielen neuen Eindrücke stressen, auch die Muskeln machen das oft nicht mit.

Frag dich vorher: Ist mein Hund dem körperlich gewachsen? Wenn dein Hund vorher nur im Tierheim saß und kaum rauskam, holt er sich schnell einen fetten Muskelkater. Und Muskelkater tut weh, macht schlecht gelaunt, und ein schlecht gelaunter Hund zeigt schneller Verhalten, das ihr beide nicht wollt. Gönn deinem Hund deshalb echte Pausen: Wenn ihr einen neuen Ort erkundet habt oder er was Schwieriges gemeistert hat, geht’s am nächsten Tag ruhig und entspannt zu.

Podcast-Tipp Folge 97: Tierschutzhund: Erwartung & Realität

Diese Signale braucht dein Hund zuerst

Und die ganzen Signale und Tricks? Muss dein Hund nicht sofort alle können. Such dir ein bis drei Sachen aus, die im Alltag wirklich zählen, der Rest kommt später. Belohn deinen Hund lieber für gute Entscheidungen in schwierigen Momenten, für freiwillige Aufmerksamkeit und für alles, was du gern öfter sehen willst.

Und verlass dich nicht drauf, dass dein Hund etwas „schon kann“. Sobald er richtig ankommt und sich mehr traut, verändert sich sein Verhalten noch mal. Denk an die Hunde aus dem Tierschutz: Das dicke „Das hat er ja noch nie gemacht!“ kommt oft erst nach ein paar Wochen.

Lesetipp: Ziele im Hundetraining

Fehler 3: Wird schon irgendwie klappen

Klar darfst du optimistisch sein, bitte glaub dran, dass das gut wird mit euch beiden. Nur: Hoffnung allein ist kein Plan. Überleg dir vorher, was du machst, wenn etwas nicht so läuft, wie du dir das ausgemalt hast.

Was ist, wenn?

Ein paar Fragen, die du dir am besten stellst, bevor dein Hund einzieht:

  • Ist deine Wohnung hundesicher? Kann dein neuer Hund an etwas ran, das dir wirklich wichtig ist? Räum es weg, dann kann gar nichts passieren. Das habe ich schon 2007 durch meine Katzen gelernt.
  • Was, wenn dein Hund nicht allein bleiben kann? Vielleicht hieß es, das klappt schon, aber durch den ganzen Stress vom Umzug geht es plötzlich doch nicht. Wer springt dann ein? Können Freund*innen helfen, darf dein Hund mit ins Büro oder holst du dir eine*n Dogwalker*in dazu?
  • Kennst du eine gute Trainer*in, die dich unterstützt, wenn du mal nicht weiterweißt?

Setz Prioritäten und fang mit dem an, was für euren Alltag am wichtigsten ist.

Lesetipp: Wie viel eine Hundeschule kostet und woran du gutes Training erkennst

Das Wichtigste in den ersten Wochen mit deinem neuen Hund

Erinnerst du dich an deinen Hund in der Ecke, den Kopf auf den Pfoten? In ein paar Wochen liegt er da vielleicht immer noch. Nur nicht mehr angespannt und beobachtend, sondern tief schlafend, weil er weiß: Hier ist er sicher.

Bis dahin brauchst du keine perfekte Checkliste und keinen vollen Trainingsplan. Du brauchst einen Blick für deinen Hund. Lern ihn zu lesen, erkenne, was er gerade braucht, und zeig ihm, dass er sich auf dich verlassen kann. Der Rest kommt dann Stück für Stück dazu, ihr habt ein ganzes Hundeleben Zeit.

Und wenn du dir dabei Hilfe holen willst, mach das ruhig früh. Gutes Training fängt nicht mit „Sitz“ und „Platz“ an. Es fängt damit an, dass du Sätze wie „Ich muss mich durchsetzen“ und „Der Hund muss machen, was ich sage“ hinter dir lässt. Und stattdessen lernst, deinen Hund wirklich zu verstehen, ihm die Welt zu zeigen und mit ihm zu trainieren, ohne Druck und ohne Zwang.

 

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Du willst tiefer einsteigen? In meinem Buch Markertraining für Hunde zeige ich dir genau das, was ich seit 2011 im Training mit Tausenden von Menschen und ihren Hunden umsetze.

 

P.S. Du hast noch gar keinen Hund und liest dich schon mal schlau? Stark. 🤩 Dann schau dir meine 6 Tipps an, die du vor der Anschaffung kennen solltest. Dein Hund bleibt sein ganzes Leben bei dir. Deshalb lohnt es sich, dass ihr von Anfang an gut zusammenpasst.

 

Häufige Fragen, wenn ein neuer Hund einzieht

Was muss ich beachten, wenn ein neuer Hund einzieht?

Gib deinem Hund die ersten Wochen Ruhe. Verschieb den großen Besuch, halt die Tage entspannt und schau, was dein Hund gerade braucht. Wichtiger als viel Programm ist, dass sich dein Hund bei dir sicher fühlt. Kümmer dich zuerst darum, dass die Basics laufen: Futtern, schlafen und sich draußen lösen. Alles andere kommt Stück für Stück dazu.

Wie lange braucht ein Hund, bis er sich eingewöhnt hat?

Das ist von Hund zu Hund verschieden. Viele Hunde brauchen mehrere Monate, bis sie richtig ankommen, manche auch länger. Das gilt für den Hund aus der Zucht genauso wie für den aus dem Tierschutz. Gerade bei Hunden aus dem Tierheim traut sich dein Hund oft erst nach ein paar Wochen so richtig und dann zeigt er dir Seiten, die du vorher noch gar nicht kanntest.

Warum kommt mein neuer Hund nicht zur Ruhe?

In den ersten Wochen ist das oft ganz normal. Dein Hund lebt sich gerade erst ein, alles ist neu und strengt ihn an. Ein gestresster Hund kommt schwerer runter, und mehr Bewegung macht das meistens schlimmer statt besser. Sorg lieber für ruhige Tage und einen Ort, an dem dein Hund sich zurückziehen kann. Kommt dein Hund über Wochen kaum zur Ruhe, lass ihn tierärztlich checken, manchmal steckt was Gesundheitliches dahinter.

Wo soll mein neuer Hund schlafen?

Da, wo er sich sicher fühlt und das ist bei vielen Hunden erst mal in deiner Nähe. Gerade in den ersten Nächten ist alles fremd, und dein Hund schläft oft ruhiger, wenn er dich hört und riecht. Du musst ihn nicht von Tag eins in ein anderes Zimmer bringen, damit er "nicht verwöhnt" wird. Bleib da ganz pragmatisch und schau, wo bei dir zu Hause ein guter Platz ist. Beobachte auch, was dein Hund dir zeigt, wo er gern liegen möchte. Ob er später im Schlafzimmer, im Flur oder im Wohnzimmer schläft, findet ihr in Ruhe heraus, wenn er angekommen ist. Wichtiger als der perfekte Schlafplatz ist, dass dein Hund zur Ruhe kommt und sich nicht allein gelassen fühlt.

Ulrike Seumel

Ulrike Seumel ist ausgebildete Hundetrainerin, Coach, Autorin des Buches „Markertraining für Hunde“ und Gründerin von Dog It Right®. Seit 2011 arbeitet sie hauptberuflich im Hundetraining, seit 2013 online.

Sie begleitet Menschen, deren Hunde wie auf einem anderen Planeten sind, sobald irgendwo ein anderer Hund auftaucht.

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