Wie du lernst, die Bedürfnisse deines Hundes zu nutzen und nicht gegen sie zu kämpfen

Du und dein Hund, ihr beide habt Bedürfnisse – ein Problem wird das erst, wenn eure Bedürfnisse nicht zusammenpassen.

Du möchtest mit deinem Hund kuscheln, aber er will das gerade gar nicht? Er geht einfach weg und legt sich lieber in sein Hundebett. Wenn du gut drauf bist, lässt du ihn ziehen. An einem schlechten Tag bist du enttäuscht, frustriert und bekommst schlechte Laune.

Und dein Hund versteht noch nicht mal, was du hast.

Oder du kuschelst einfach deinen Hund, obwohl er das gar nicht möchte. Wenn du Glück hast und dich gut anstellst, mag dein Hund es vielleicht doch. Im schlimmsten Fall machst du ihm Angst. Auch wenn dein Hund kuscheln möchte und du keine Zeit oder Lust hast, wirst du genervt reagieren, wenn er nicht lockerlässt.

Und es geht weiter mit dem Bedürfnis Jagdverhalten, was vielen Hunde nicht fremd ist. Dem Bedürfnis nach Nahrungserwerb, nicht nur zweimal am Tag zu Hause in der Küche aus dem Napf, dem Bedürfnis nach Sicherheit, Fortpflanzung und und und.

Je mehr die Bedürfnisse deines Hundes von deinen Vorstellungen abweichen, umso schwieriger wird das Zusammenleben von euch. Aber das muss nicht sein, denn du kannst die Bedürfnisse deines Hundes nutzen.

 

Wie du die perfekte Belohnung findest

Wenn deine Belohnung das aktuelle Bedürfnis deines Hundes befriedigt, hast du die perfekte Belohnung gefunden.

Eine Belohnung, die das Bedürfnis deines Hundes befriedigt, verstärkt das Verhalten, was du belohnt hast. Dein Hund reagiert auf sein Signal Sitz und setzt sich auf den Boden. Danach darf er zu seinem besten Hundekumpel laufen und ihn begrüßen, den er schon sehnsüchtig beobachtet hat, als du das Signal Sitz gegeben hast. Das Hundegehirn entscheidet darüber, ob deine Belohnung ein Verhalten verstärkt – leider nicht du und ich.

Lesetipp: So lernt dein Hund

Wichtig ist, du musst wissen, wie das aktuelle Bedürfnis deines Hundes aussieht. Um deine Beobachtungsgabe zu schulen, kannst du deinen Hund einmal in der Woche beobachten und dir notieren, was er immer wieder und anscheinend gern tut. Diese Verhaltensweisen müssen ihm wichtig sein, sonst würde er sie nicht immer wieder zeigen. Die notierten Verhaltensweisen kannst du dann als Belohnung einsetzen.

Dein Hund rennt gern durch Pfützen? Dann sprich ihn mit seinem Namen an und wenn er zu dir schaut, lässt du ihn durch die Pfützen düsen. Die Belohnung Pfütze gibst es, wenn er auf seinen Namen reagiert hat. So findest du weit mehr Belohnungen als nur Futter oder Spiel für euren Alltag.

 

Was du nicht als Belohnungen im Hundetraining nutzen solltest

Du nutzt natürlich nur Verhalten als Belohnung, mit dem du leben kannst und was keinem anderen oder der Umwelt schadet. Den Acker des netten Bauern von nebenan von deinem Hund umpflügen zu lassen, ist also keine gute Idee – auch wenn das deinem Hund großen Spaß macht. Du kannst in diesem Fall aber einen Kompromiss finden und deinen Hund an Stellen buddeln lassen, an denen es niemand stört.

Natürlich funktioniert das mit Belohnungen auch mit Verhaltensweisen, die du nicht gern siehst. Dein Hund folgt einem interessanten Geruch und findet Wildschweinkot, in dem er sich genüsslich wälzen kann. Du kannst dir sicher sein, dass er das nächste Mal wieder diesem interessanten Geruch folgen wird, der ihn zu dem Wildschweinkot geführt hat. Das Verfolgen des Geruches wurde verstärkt durch das Wälzen.

Wahrscheinlich wird dein Hund auch Bedürfnisse haben, die du nicht gern hast, aber du hast einen Hund in dein Leben geholt und auch, wenn du nicht erwartet hast, dass dein Ridgeback gern Katzenkot frisst, ist es erstmal so. Nimm das Bedürfnis deines Hundes wahr und versuche es nicht, durch Strafe zu unterdrücken, sondern Kooperation durch Belohnungen zu erzeugen. Statt Katzenkot zu fressen, kann dein Hund lernen, Katzenkot anzuzeigen.

Wenn du dir unsicher bist, wie du mit den Bedürfnissen deines Hundes umgehen sollst, dann sprich mit deiner Trainer*in darüber und verschaffe dir Klarheit, wie du sie im Training einsetzen kannst. Außerdem gibt es auch Momente, in denen dein Hund vielleicht Hilfe braucht. Dreht sich dein Hund mehrmals am Tag im Kreis und ist dabei nicht ansprechbar, macht ihm das sicher keinen Spaß, sondern er hat ein großes Problem.

 

Motivation ist alles

Du musst deinen Hund nur gut genug motivieren, das hast du sicher schon öfter gehört.

Motivation ist “nur” ein theoretischer Begriff aus der Verhaltensbiologie. Sie hilft uns, als Konzept zu verstehen, was uns und alle Tierarten zu ihren aktuellen Verhaltensweisen bewegt. Sie hilft dir, zu verstehen, warum dein Hund gerade jetzt und hier ein bestimmtes Verhalten zeigt.

Die Motivation deines Hundes wird durch innere und äußere Faktoren bestimmt und sie verändert sich immer wieder, auch im Laufe eines Hundelebens. Du erinnerst dich noch an deine Beobachtungsaufgabe? Du solltest deinen Hund über sein ganzes Leben lang immer mal wieder beobachten, denn auch er verändert sich, auch wenn sich einiges wahrscheinlich nie ändern wird.

Auch in der Umwelt findest du Belohnungen

Um deinen Hund zur Zusammenarbeit zu motivieren, musst du seine Bedürfnisse kennen und befriedigen. Und dein Hund hat sicher weit mehr Bedürfnisse, als nur Nahrung aufzunehmen.

Auch die Umwelt bietet deinem Hund viele Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung – in ihr kann dein Hund alles ausleben, was ihm wichtig ist und woran er Spaß hat. Du solltest also die Umwelt auch im Training nutzen, um deinen Hund zu belohnen und du solltest sie als Ablenkung in Trainingseinheiten einkalkulieren.

 

Intrinsische Motivation – was ist das?

Diese Form der Motivation kommt von innen. Dein Hund macht etwas, weil es ihm Spaß macht.

Stichwort selbstbelohnendes Verhalten – wie zum Beispiel Schnüffeln – dein Hund kann es, er tut es oft und überall und du hast es ihm nicht beigebracht und es auch nie belohnt, oder? Schnüffeln fühlt sich für deinen Hund einfach bombig an und deswegen ist er dann immer so schlecht ansprechbar.

Die besten Belohnungen liegen direkt vor deiner Nase

Verhalten, was intrinsisch bei deinem Hund motiviert ist, musst du ihm nicht beibringen und du musst es auch nicht belohnen. Allein das Verhalten zu zeigen, fühlt sich für deinen Hund gut an und deshalb wird er es immer wieder tun. Meist sind genau die Verhaltensweisen intrinsisch sehr stark motiviert, die uns Menschen schnell zur Verzweiflung bringen – wie zum Beispiel Jagdverhalten, Markieren, Schnüffeln, Buddeln und Co.

Wenn du gern ein Buch liest und es dir riesigen Spaß macht zu lesen, wirst du ein Buch nach dem anderen verschlingen – die meisten Hobbies, die wir Menschen haben, sind intrinsisch motiviert. Wir tun sie um ihrer selbst willen. Auch dein Hund hat solche Hobbies, welche sind das bei ihm? Denn diese musst du in deine Belohnungskiste mit aufnehmen, ansonsten geht dein Hund allein seinen Hobbies nach und lässt dich rufend im Regen stehen, denn er hat ja alles, was er braucht.

Wurdest du in der Schule zum Lesen von Büchern gezwungen und du hattest nur zwei Gründe, sie zu lesen – die Angst vor schlechten Noten und vor der Reaktion des Lehrers? Dann wird dir Lesen kein Spaß machen. Du hattest gar keine Chance, Spaß am Lesen zu entwickeln. Auch deinem Hund wird es schwer fallen, Spaß am Training mit dir zu haben, wenn du ihn zu Verhaltensweisen zwingst oder mit Strafe drohst.

 

Extrinsische Motivation – was ist das?

Diese Motivation kommt von außen. Das Versprechen auf Belohnung, das wir dem Hund geben, motiviert ihn, ein Verhalten zu zeigen. Auch die Angst vor Strafe kann deinen Hund dazu motivieren, sich anzupassen – siehe das Beispiel mit dem Bücherlesen in der Schule… Das Ziel ist, sich einen Vorteil zu holen durch eine Belohnung oder etwas Unangenehmes zu vermeiden wie Strafe.

Das spielt bei allen Verhaltensweisen eine Rolle, die du deinem Hund beibringst und auf die er ohne deine Hilfe nicht kommen würde. Das ist meist das Übliche wie Sitz, Platz, Bleib und Co.

Warum ist mir die Arbeit mit Belohnungen im Hundetraining so wichtig?

Mein Ziel im Training ist, dass mein Hund freiwillig ein Verhalten zeigt, weil sich dieses Verhalten schon mal gelohnt und zu einer Befriedigung seiner Bedürfnisse geführt hat. Wenn du Belohnungen geschickt einsetzt und deinem Hund Erfolge verschaffst, wird es ihm Spaß machen, deine Signale ausführen.

Dein Hund lernt nicht nur, dass er eine Belohnung bekommt, wenn er auf deine Signale reagiert, sondern dass er Einfluss auf seine Bedürfnisbefriedigung und die Umwelt hat. Das gibt deinem Hund Selbstbewusstsein und du schaffst es, dass ihm das Ausführen des Verhaltens Spaß macht und damit selbstbelohnend für ihn wird.

Ich weiß zum Beispiel nicht, ob unsere Ridgeback Hündin Ami auf Baumstämme springt, weil sie von uns eine Belohnung erwartet oder weil es ihr mittlerweile einfach Spaß macht, es zu tun. Ich kann sie leider nicht fragen, aber es sieht so aus, als würde sie es lieben – auch ohne unsere Belohnung danach.

Belohnungen im Hundetraining für eine gute Bindung

Wenn du die Bedürfnisse deines Hundes befriedigst, wirst du deinem Hund wichtig, weil du ihm Zugang zu dem verschaffst, was er braucht und was bei ihm gute Emotionen auslöst (und du ihm keine Angst machst).

Und auch du hast Spaß mit deinem Hund und freust dich darüber, dass er gern mitarbeitet.

Außerdem kannst du ihn mit deinen Belohnungen gleich beschäftigen und findest außerdem Beschäftigungsmöglichkeiten, die zu deinem Hund passen.

Dadurch ist dein Hund im Alltag weniger frustriert, weil du ihm Möglichkeiten schaffst, seine Bedürfnisse auszuleben.

Wichtig dabei ist, dass du darauf achtest, dass dein Hund dabei nicht sich selbst oder der Umwelt schadet. Nächste Woche findest du in meinem Blog den zweiten Teil zum Thema Belohnungen.

 

Wie du verschiedenen Belohnungen für deinen Hund findest, kannst du in meinen letzten Beiträgen über Belohnungen nachlesen:

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