Viele Menschen denken, sie müssten nur ein paar Übungen machen, damit ihr Hund mehr Impulskontrolle bekommt.
Zum Beispiel soll der Hund warten, bis er ein Leckerli nehmen darf. Oder ruhig bleiben, wenn ein Ball fliegt.
Das Problem ist nur: So funktioniert Impulskontrolle beim Hund nicht.
Impulskontrolle hängt stark davon ab, wie gestresst dein Hund im Alltag ist, wie viele Entscheidungen er ständig treffen muss und in welchen Situationen du sie überhaupt von ihm verlangst. Wenn dein Hund draußen völlig überfordert ist, wird er auch mit den besten Übungen keine Impulskontrolle zeigen können.
In diesem Artikel zeige ich dir deshalb:
- warum viele typische Übungen wenig bringen
- wie Impulskontrolle beim Hund wirklich funktioniert
- und was du im Alltag verändern kannst, damit dein Hund leichter Impulskontrolle zeigt.
Impulskontrolle beim Hund – was bedeutet das eigentlich?
Impulskontrolle beschreibt die Fähigkeit eines Hundes, einen spontanen Impuls oder eine emotionale Reaktion zu unterbrechen und stattdessen ein anderes Verhalten zu zeigen.
Zum Beispiel: Dein Hund sieht ein Reh, bleibt aber stehen statt zu hetzen. Oder dein Hund möchte zu einem Hund hallo sagen und entscheidet sich aber, bei dir zu bleiben und neben dir zu warten.
Hat dein Hund genug Impulskontrolle?
Wenn alles passt, dann lässt du alles, wie es ist. Wenn dein Hund sehr gut durch seinen Alltag kommt und du mit ihm keine Probleme hast, dann trainiere bitte weiterhin so, wie du es bisher gemacht hat. Never change a running system… Dein Hund braucht kein Extra-Training für seine Impulskontrolle.
Impulskontrolle beim Hund verbessern – so funktioniert es im Alltag
Der einfachste und schnellste Weg
Spare Impulskontrolle bei deinem Hund an Stellen, wo du sie gar nicht brauchst. Dafür musst du zuerst dein Training und deinen Umgang überprüfen. Wo verbraucht dein Hund Impulskontrolle? Wenn es nicht sein muss, dann kannst du diese Belastung reduzieren.
Im ersten Artikel habe ich dir erklärt, dass dein Hund, nachdem er Impulskontrolle gezeigt hat, danach sofort weniger zur Verfügung hat. Deshalb ist es wichtig, dass du überprüfst, wo dein Hund Impulskontrolle zeigen muss und ob du daran etwas ändern kannst.
Lesetipp: 3 Dinge, die du über Impulskontrolle beim Hund wissen solltest
Was deinem Hund im Alltag Impulskontrolle kostet
Dein Hund verbraucht Impulskontrolle bei seiner Beschäftigung zum Auslasten
Schaue dir als erstes den Bereich der Beschäftigung und Auslastung an.
Wie viele und welche Regeln gibt es, wenn du mit deinem Hund spielst, ihn beschäftigst oder einem Hobby von deinem Hund oder dir nachgehst?
Regeln fordern immer Impulskontrolle. Deshalb sollten Regeln sorgfältig aufgebaut werden.
Generell sollte Beschäftigung deinen Hund nicht belasten, sondern Defizite auffüllen. Welche Regeln im Bereich der Beschäftigung kannst du lockerer nehmen?
Dein Hund verbraucht Impulskontrolle bei jeder Entscheidung
Jede Entscheidung, die dein Hund trifft, kostet ihn Impulskontrolle. Wenn du ein Signal oder Kommando bei deinem Hund abfragst und die Umwelt ihn lockt, muss er sich entscheiden zwischen zwei Optionen. Auch wenn du Signale über positive Verstärkung aufbaust, muss sich dein Hund entscheiden. Wenn die Umwelt ihn stark ablenkt oder du deinen Hund freundlich unterbrechen musst, wird dein Hund Impulskontrolle zeigen müssen. Er muss ein Verhalten beenden, um ein anderes auszuführen.
Umso wichtiger ist es, Pausen zu schaffen und für Momente zu sorgen, in denen dein Hund in einem sicheren Rahmen Hund sein darf. Natürlich ohne anderen oder sich selbst zu schaden.
Und du solltest dafür sorgen, dass du Verhalten sorgfältig trainierst und aufbaust.
Gewohnheiten im Tagesablauf helfen deinem Hund und er muss sehr viel weniger Impulskontrolle aufbringen. Du kannst zum Beispiel ein Kindergitter nutzen, um Trainingseinheiten mit mehreren Hunden zu strukturieren und um den Hunden das Warten einfacher zu machen.
Lesetipp: 4 Gründe – warum jeder Hundehaushalt ein Kindergitter braucht
Dein Hund verbraucht Impulskontrolle bei Stress
Im ersten Teil des Artikels habe ich dir erklärt, dass Stress dafür sorgt, dass der präfrontale Kortex seine Leistung runterfährt. Dieser Teil im Gehirn ist für Impulskontrolle notwendig. Deshalb solltest du dafür sorgen, dass Stressoren im Alltag reduziert werden. Damit kannst du die Impulskontrollfähigkeit deines Hundes steigern.
Und du solltest dafür sorgen, dass dein Hund stressige Situationen bewältigen kann und du ihn dabei unterstützt. Generell solltest du die Stress-Belastung deines Hundes im Blick haben, um einschätzen zu können, was das Gehirn deines Hundes leisten kann. Denn du kennst es selbst von dir – wenn du belastet bist, zeigst du nicht die besten Leistungen, was die Impulskontrolle angeht. Und das hat nichts mit Training zu tun und kann auch nicht durch noch mehr Training verbessert werden.
Lesetipp: 3 Dinge, an denen du Stress bei deinem Hund erkennst
Impulskontrolle und Frustrationstoleranz beim Hund – was ist der Unterschied?
Impulskontrolle beschreibt beim Hund die Fähigkeit, seine Emotionen und sein Verhalten bewusst zu steuern.
Zur Impulskontrolle gehört zum Beispiel, dass dein Hund ein Verhalten stoppen kann, um stattdessen ein anderes zu zeigen.
Zum Beispiel:
- Dein Hund riecht ein Reh. Statt sofort loszurennen, kann er stehen bleiben.
- Dein Hund sieht einen anderen Hund und möchte eigentlich hinlaufen und Hallo sagen – bleibt aber neben dir stehen.
- Dein Hund findet einen anderen Hund gruselig und würde am liebsten bellen, damit der verschwindet – schafft es aber, mit dir zur Seite zu gehen und zu warten.
Hier geht es also immer um einen Moment, in dem starke Emotionen auftreten. Dein Hund hat einen Impuls – entscheidet sich aber für ein anderes Verhalten.
Frustrationstoleranz bedeutet etwas anderes. Hier geht es darum, wie gut dein Hund damit umgehen kann, wenn nicht das passiert, was er gerade möchte oder erwartet.
Zum Beispiel:
- Dein Hund möchte zu einem anderen Hund Hallo sagen – das geht aber gerade nicht.
- Dein Hund möchte mit dir spielen – du musst aber noch arbeiten.
- Dein Hund möchte weiterlaufen und schnüffeln – du bleibst stehen und unterhältst dich.
In solchen Situationen entsteht Frust, weil ein Bedürfnis gerade nicht erfüllt wird.
Frust macht Impulskontrolle für deinen Hund schwieriger
Frust stresst den Hund. Der Körper schüttet Stresshormone aus und dein Hund wird aufgeregter. Und genau dann wird es für ihn schwieriger, seine Impulse zu kontrollieren.
Denn unter Stress arbeitet ein Teil im Gehirn – der präfrontale Kortex – nicht mehr so gut. Dieser Bereich hilft deinem Hund normalerweise dabei, Entscheidungen zu treffen und sein Verhalten zu steuern.
Wenn dein Hund gestresst ist, fällt ihm deshalb oft genau das schwer:
- ruhig bleiben
- innehalten
- sich für vorher gelernte Sachen entscheiden, die mit ihm trainiert hast
Dein Hund reagiert dann schneller impulsiv, obwohl er das Verhalten vielleicht eigentlich gelernt hat.
Deshalb hängen Impulskontrolle und Frustrationstoleranz eng zusammen: Ein Hund, der ständig frustriert und gestresst ist, kann seine Impulse deutlich schlechter steuern.
Und genau deshalb reicht es nicht, einfach nur Impulskontrolle zu trainieren. Genauso wichtig ist es, den Alltag so zu gestalten, dass dein Hund nicht ständig in Frust gerät.
Denn ein Hund, der sich wohlfühlt und dessen Bedürfnisse erfüllt werden, kann viel leichter gute Entscheidungen treffen.
Podcast-Tipp Folge 59: Frustration beim Hund
Wenn dein Hund, sobald andere Hunde auftauchen, plötzlich wie auf einem anderen Planeten ist und alles spannender wird als du, dann liegt das oft nicht daran, dass dein Hund „zu wenig Impulskontrolle“ hat.
In meinem 0 € Guide zeige ich dir 3 Strategien, mit denen du entspannter an anderen Hunden vorbeikommst, auch dann, wenn du gerade das Gefühl hast: Sobald ein Hund auftaucht, habe ich eigentlich schon verloren.
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Die eine Übung für Impulskontrolle gibt es nicht
So eine Übung gibt es nicht! Sorry not sorry.
Es gibt keine Übungen, um beim Hund generell die Impulskontrollfähigkeit zu steigern.
Für jedes beliebige Verhalten kannst du aber die Impulskontrollfähigkeit deines Hundes ausbauen. Dein Hund kann diese Fähigkeit aber nicht auf andere Situationen übertragen.
Du kannst in jeder Situation, in der du die Impulskontrolle deines Hundes verbessern möchtest, trainieren. Deshalb solltest du dich fragen: In welchen Situationen möchtest du die Impulskontrollfähigkeit deines Hundes verbessern und was soll dein Hund in diesen Situationen genau tun?
Übungen für Impulskontrolle beim Hund – was wirklich funktioniert
Stehen bleiben bei Wildsichtung
Wenn du dir wünschst, dass dein Hund stehenbleibt oder sich abwendet von Wild, dann solltest du dieses Verhalten bei deinem Hund verstärken. Dazu musst du in der Lage sein, zu erkennen, wann dein Hund Wild wahrnimmt und dabei steht oder wann er sich von Wild abwendet.
Und du darfst nicht bei der stärksten Ablenkung mit dem Training beginnen – das fliehende Reh in zwei Meter Entfernung wird wahrscheinlich eine zu große Ablenkung sein.
Warten, während andere Hunde spielen, auftauchen oder üben.
Wenn du dir wünschst, dass dein Hund sich abwenden oder warten kann, wenn andere Hunde auftauchen, dann solltest du dieses Verhalten verstärken. Auch da musst du einschätzen können, wann es für deinen Hund überhaupt möglich ist – damit du mit dem Training beginnen kannst auf einer Ablenkungsstufe, die für deinen Hund machbar ist.
50 Kekse vor der Nase deines Hundes auslegen
Du beginnst mit einem Keks und einer sehr kurzen Zeit, die dein Hund warten musst. Danach darf dein Hund diesen Keks essen und du steigerst nach und nach langsam die Anzahl der Kekse, unabhängig von der Wartezeit.
Danach kann dein Hund warten, während du 50 Kekse auslegst, aber nicht, wenn du ein Kaninchen auslegst oder seinen Lieblingsball. Das ist eine Übung, mit der du lustige Videos oder Fotos machen kannst, die ich aber niemandem empfehlen würde, wenn der Hund an anderen Stellen Impulskontrolle braucht und Probleme im Alltag hat. Denn in dieser Übung verbraucht dein Hund unnötig viel Impulskontrolle.
3 wichtige Prinzipien für Impulskontrolle beim Hund
Impulskontrolle muss sich lohnen
Wenn dein Hund Impulskontrolle zeigt und sich zum Beispiel vom fremden Hund abwendet oder stehenbleibt, obwohl das Reh rennt, dann muss sich das für ihn lohnen.
Und die Belohnung sollte zur Motivation deines Hundes passen, damit du die Impulskontrollfähigkeit in der Situation verstärkst. Im besten Fall bekommt der Hund das, was er wollte, während er Impuskontrolle gezeigt hat. Das ist leider nicht immer möglich, deshalb darfst du kreativ sein und musst Ersatz finden.
In dieser Artikelreihe habe ich alles zum Thema Belohnung zusammengefasst.
Dein Timing
Um das passende Verhalten zu verstärken, was dein Hund zeigen soll, musst du wissen, was du willst. Und du musst es im richtigen Moment verstärken.
Mit einem positiven Markersignal kannst du das einfangen und belohnen, was du vermehrt bei deinem Hund sehen möchtest. Und du kannst Entscheidungen belohnen, die dein Hund trifft und du die häufiger sehen möchtest.
Wenn es für deinen Hund schwer wird, kannst du die Wartezeit mit kleinen Belohnungen zwischendurch überbrücken.
Buchtipp: Markertraining für Hunde
Einsatz verschiedener Belohnungen
Durch den Einsatz verschiedener Belohnungen mit einer unterschiedlichen Wertigkeit kannst du immer die Impulskontrolle und auch die Frustrationstoleranz deines Hundes ausbauen.
Du belohnst jedes Verhalten, das du bei deinem Hund gut und wichtig findest, aber du setzt verschiedene Belohnungen ein. Von einem Lächeln über stimmliches Lob bis zu Futter, Spiel und Dingen, die dein Hund in der Umwelt tun kann, ist alles dabei.
Warum Strafe die Impulskontrolle deines Hundes verschlechtert
Theoretisch ist es möglich, ein Verhalten durch ängstigende Strafe abzustellen. Die Nebenwirkung davon ist Stress, was die Fähigkeit zur Impulskontrolle reduziert. Du hinderst deinen Hund an einem Verhalten, sorgst aber dafür, dass sein präfrontaler Kortex nicht mehr 100% seiner Leistung bringt. Neben vielen anderen möglichen Nebenwirkungen ist das eine schlechte Trainingsgrundlage. Und es ist nicht mein Weg im Umgang mit Hunden!
Lesetipp: Was jede*r über Strafe im Hundetraining wissen sollte
Impulskontrolle beim Hund trainieren – was wirklich funktioniert
Impulskontrolle kannst du beim Hund natürlich trainieren. Aber nicht mit einer einzelnen Übung, die plötzlich überall funktioniert.
Stattdessen trainierst du immer konkretes Verhalten für konkrete Situationen.
Wenn dein Hund bei Wild stehen bleiben soll, dann trainierst du genau dieses Verhalten: stehen bleiben, schauen, sich abwenden. Wenn dein Hund bei anderen Hunden warten soll, dann trainierst du genau dieses Verhalten: Stehen bleiben mit allen vier Pfoten auf dem Boden in deiner Nähe.
Impulskontrolle entsteht also nicht durch möglichst schwierige Übungen, sondern dadurch, dass dein Hund lernt, was er stattdessen tun kann, wenn ein starker Impuls auftaucht.
Und genauso wichtig ist der Alltag drumherum. Wenn dein Hund ständig gestresst ist, dauernd Entscheidungen treffen muss oder permanent Impulskontrolle zeigen soll, wird es für ihn viel schwieriger, ruhig zu bleiben und gute Entscheidungen zu treffen.
Wenn du dagegen Verhalten sinnvoll und fair aufbaust, die Situationen für deinen Hund machbar gestaltest und darauf achtest, wann er überhaupt Impulskontrolle leisten kann, wird dein Hund immer häufiger mit dir kooperieren.
Nicht weil er „mehr Disziplin“ hat, sondern weil er gelernt hat, was in dieser Situation funktioniert und sich für ihn lohnt.
Impulskontrolle bedeutet nicht, dass dein Hund ständig gegen seine Bedürfnisse ankämpfen oder sie unterdrücken muss. Impulskontrolle entsteht, wenn dein Hund gelernt hat, welches Verhalten ihm in einer Situation wirklich hilft.
Impulskontrolle beim Hund trainieren – das Wichtigste zusammengefasst
- Impulskontrolle ist keine einzelne Übung.
- Stress reduziert die Fähigkeit zur Impulskontrolle.
- Dein Hund braucht passende Alternativen für schwierige Situationen.
- Gute Entscheidungen müssen sich für deinen Hund lohnen.
Wenn dein Hund draußen schnell in seinen eigenen Film abtaucht wegen anderer Hunde, Wild oder spannender Gerüche, dann hilft es nicht, einfach nur „mehr Impulskontrolle“ zu verlangen.
Du musst deinem Hund zeigen, was er stattdessen tun kann.
Genau darum geht es in Rückruf Pro. Dort zeige ich dir Schritt für Schritt, wie dein Hund draußen wieder ansprechbarer wird und sich in schwierigen Situationen für dich entscheidet.
👉 Hier erfährst du mehr über Rückruf Pro.
Oder starte hier, wenn du Dog It Right erst einmal kennenlernen möchtest.

