Ich hab mir die Hundewiese früher so vorgestellt: Hunde, die happy durch die Gegend flitzen, Sonne, Wiese, alles easy. Was ich nicht erwartet habe: wie viel los ist, wie aufgedreht die meisten Hunde dort sind – und wie klein die Fläche oft wirklich ist. Ich zeige dir, worauf du achten solltest, damit es für dich und deinen Hund wirklich entspannt wird.
Hundewiese – was dich erwartet
Auf Hundewiesen dürfen Hunde ohne Leine laufen. Das ist für viele Hundemenschen der Hauptgrund, warum sie hingehen. Endlich mal kein Stress mit der Leinenpflicht, dein Hund kann sich frei bewegen und du musst nicht fürchten, dass das Ordnungsamt um die Ecke kommt. Hundewiesen werden auch Freilaufwiesen genannt.
Aber Achtung: In manchen Städten und Landkreisen gilt die Leinenpflicht auch für bestimmte Rassen – auch auf der Hundewiese. Informiere dich vorher, ob das für deinen Hund gilt.
Was dich sonst noch erwartet: viele Hunde auf engem Raum, die meisten davon völlig aufgedreht – und fremde Hunde, die sich zum ersten Mal begegnen. Das kann toll sein, aber es kann auch schnell stressig werden. Für deinen Hund und für dich.
Diese Regeln solltest du auf der Hundewiese kennen
Bleib aufmerksam
Klingt banal – ist es aber nicht. Die meisten Konflikte auf der Hundewiese entstehen, weil Hundemenschen nicht aufmerksam sind. Steck dein Handy weg, behalte deinen Hund im Blick und lies die Körpersprache deines Hundes und der anderen Hunde. Das ist dein wichtigster Job auf der Hundewiese.
Leinen deinen Hund an, wenn nötig
Es gibt Situationen, in denen du deinen Hund anleinen solltest – auch auf der Hundewiese:
- Wenn dein Hund einen anderen Hund bedrängt
- Wenn sich ein anderer Hund wegen deinem Hund unwohl fühlt
- Wenn ein Mensch Angst vor deinem Hund hat
- Wenn dich ein anderer Hundemensch darum bittet
- Wenn Kinder auf der Wiese sind
- Wenn es laut und hektisch wird
- Wenn dein Hund nicht abrufbar ist
- Wenn dein Hund jagen möchte
Und noch was: Wenn du eine Schleppleine oder Flexileine dabei hast, achte darauf, dass die für andere Hunde sicher ist. Haltet da bitte Abstand.
Bitte andere, ihren Hund anzuleinen
Trau dich, andere Hundemenschen anzusprechen – das ist nicht unhöflich, das ist Rücksichtnahme. Bitte sie, ihren Hund anzuleinen:
- Wenn dein Hund bedrängt wird
- Wenn dein Hund gejagt wird
- Wenn dein Hund mit der Situation überfordert ist
- Wenn du überfordert bist
- Wenn aus Spiel Ernst wird
Gib fremden Hunden keine Leckerlis
Außer du hast es vorher direkt mit dem anderen Hundemenschen abgesprochen. Nicht jeder Hund verträgt alles und nicht alle möchten, dass ihr Hund von fremden Menschen Futter bekommt.
Spielzeug auf der Hundewiese
Wenn du Spielzeug mitbringst, check vorher kurz, ob das für alle okay ist. Wenn’s sehr voll ist, lass es lieber in der Tasche. Ein Ball, der in eine fremde Hundegruppe fliegt, kann schnell für Chaos sorgen.
Respektiere es, wenn ein Hund nicht Hallo sagen will
Nicht jeder Hund möchte jeden Hund kennenlernen – das ist völlig okay. Wenn ein anderer Hundemensch seinen Hund nicht ranlässt, respektier das einfach. Kommentier es nicht und fang keine Diskussion an.
Hinterlasse die Hundewiese sauber
Bitte sammelt den Hundekot auf – immer, auch wenn’s nervt. Auf der Hundewiese gibt es meistens zumindest die Möglichkeit, ihn direkt zu entsorgen.
Hundewiese ist nicht gleich sicher
Viele denken, Leine ab gleich sicher. Aber viele Hundewiesen liegen direkt an stark befahrenen Straßen. Wenn dein Hund losrennt und du ihn nicht sicher abrufen kannst, kann das schnell gefährlich werden. Sorg deshalb durch Training dafür, dass dein Hund auch dann zu dir kommt, wenn gerade viel los ist. Eine Hundewiese ist also längst nicht so sicher, wie sie auf den ersten Blick scheint.
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„Die regeln das schon unter sich“ – und andere Klassiker
Wenn du andere Hundemenschen darum bittest, ihren Hund anzuleinen, wirst du nicht immer auf Verständnis stoßen. Auf der Hundewiese treffen viele Meinungen aufeinander – und manche Menschen denken, weil sie einen Hund haben, sind sie automatisch Expert*innen. Du kennst die Sprüche:
- „Die regeln das schon unter sich.“
- „Meiner will bloß spielen.“
- „Damit muss dein Hund klarkommen.“
- „Das hier ist die Hundewiese.“
- „Dann geh mit deinem Hund woanders spazieren.“
- „Nö.“
Die meisten Hundemenschen sind freundlich und verständnisvoll – aber auf die anderen solltest du vorbereitet sein. Denn wenn dein Hund auf der Hundewiese immer wieder in Situationen gerät, die ihn stressen oder überfordern, merkt er sich das. Und das wieder auszubügeln kostet dich später viel mehr als ein bisschen Nerven. Also: Steh für deinen Hund ein. Du kennst ihn am besten.
Hunde auf der Hundewiese – worauf du bei Begegnungen achtest
Viele unserer Kund*innen gehen jeden Tag zweimal auf die Hundewiese, damit ihr Hund Kontakt zu anderen Hunden hat. Sie sind sicher, dass das das Beste für ihn ist – er soll sich auspowern, Spaß haben, danach happy schlafen.
Was sie dann erleben, ist oft anders. Der Hund wird von anderen Hunden überrannt, umgerempert, bedrängt. Und irgendwann hat er einfach keinen Bock mehr, da hinzugehen. Das passiert uns in der Beratung sehr, sehr häufig.
Nicht jeder Hund, der auf die Hundewiese kommt, will auch wirklich mit anderen Hunden interagieren. Und nicht jede Situation, die wie Spiel aussieht, ist auch Spiel. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen.
Lesetipp: 3 Dinge, die Hundebegegnungen unnötig schwer machen
Lern, die Körpersprache der Hunde zu lesen
Wenn fremde Hunde aufeinandertreffen, passiert ganz viel gleichzeitig. Und je besser du die Körpersprache von Hunden lesen kannst, desto früher merkst du, wenn eine Situation gerade kippt.
Denn Hunde, die zu oft in stressige Situationen geraten, reagieren irgendwann heftiger – auf Dinge, die vorher kein Problem waren. Das schleicht sich oft langsam ein und viele merken es erst, wenn’s schon zu spät ist.
Achte deshalb auf Zeichen beim Hund wie zum Beispiel:
- Schnelle oder flache Atmung
- Starkes Hecheln
- Häufiges Schütteln
- Gähnen
- Angespannte Gesichtsmuskulatur
- Nacken- oder Rückenhaare aufstellen
- Einfrieren
- Das Weiß in den Augen ist häufiger zu sehen
- Lesetipp: Warum du Einfrieren bei deinem Hund erkennen musst
- Lesetipp: Nackenhaare aufstellen – Was bedeutet das beim Hund?
- Lesetipp: 3 Dinge, an denen du Stress bei deinem Hund erkennst
Wenn du schnell und sicher lernen willst, wie du das erkennst, schau dir mein Video-Training Doggo Reading an – da zeige ich dir genau, wie das aussieht.
Spiel oder Stress? So erkennst du den Unterschied
Wahrscheinlich gehst du auf die Hundewiese, damit dein Hund mit anderen spielen kann – denn das macht dich voll happy, wenn du siehst, wie er da rumhüpft und Spaß hat. Aber was die meisten für Spiel halten, ist oft keins. Ich zeige dir, woran du echtes Spiel erkennst und wann du eingreifen solltest.
Daran erkennst du Spiel unter Hunden
Bevor du entspannt auf der Hundewiese stehst und deinen Matcha trinkst – lern erstmal, wie echtes Spiel zwischen Hunden aussieht.
Daran erkennst du Spiel:
- Alle Hunde machen freiwillig mit
- Die Hunde machen immer wieder kurze Pausen
- Die Hunde wechseln die Rollen
- Die Bewegungen sind kurvig und weich
- Die Hunde zeigen übertriebene Bewegungen
- Die Hunde nehmen sich aktiv zurück
Lesetipp: 9-Punkte-Checkliste: Wie du Spiel unter Hunden erkennst
Wann Spiel kippt
Spiel kann kippen – manchmal sehr schnell. Das sind die Zeichen, dass es kein Spiel mehr ist:
- Einer der Hunde versucht, sich zu entziehen
- Die Hunde haben eine hohe Körperspannung
- Die Hunde zeigen keine Rollenwechsel mehr
- Die Hunde machen keine kurzen Pausen mehr
- Mindestens einer der Hunde zeigt wiederholt Stressanzeichen
In diesem Fall trennst du die Hunde gemeinsam mit den anderen Hundemenschen freundlich – bau mit deinem Hund Abstand auf und schau, ob er sich beruhigt.
Lesetipp: Was entspanntes Spiel zwischen Hunden unbedingt braucht
Gruppendynamiken auf der Hundewiese
Kennst du das? Du kommst auf die Hundewiese, da steht schon eine Gruppe Hunde und bevor du dich versiehst, stürzen sich alle auf deinen Hund. Hunde in Gruppen kommen manchmal auf Ideen, auf die sie allein nie gekommen wären.
Um solche Situationen zu vermeiden, mach mit deinem Hund einen Bogen um fremde Hundegruppen und halte Abstand. Wenn es trotzdem passiert und dein Hund gejagt oder bedrängt wird, unterstütz ihn. Bitte die anderen Hundemenschen, ihre Hunde abzurufen oder anzuleinen und geh mit deinem Hund dann weg.
Lesetipp: Impulskontrolle beim Hund: So trainierst du sie im Alltag
Hundewiese ohne Vergleiche – so machst du das Beste draus
Auf der Hundewiese siehst du viele verschiedene Hunde und ganz automatisch fängst du an zu vergleichen. Warum kann mein Hund das nicht? Warum ist meiner so aufgedreht? Warum hört der Hund da drüben sofort, wenn er gerufen wird – und meiner dreht sich nicht mal um?
Das kennen wir alle. Und es ist total menschlich. Aber es hilft dir und deinem Hund nicht weiter.
Konzentriere dich stattdessen auf die Momente, die gut laufen. Die gibt es nämlich auch – du schaust nur gerade nicht hin. Zum Beispiel:
- Dein Hund ist freundlich zu einem anderen Hund
- Dein Hund sucht deine Nähe
- Dein Hund kommt zu dir, wenn er Hilfe braucht
- Dein Hund hört auf deinen Rückruf
- Dein Hund rennt ausgelassen durch Pfützen
Lesetipp: Warum du dich nicht mit anderen Hundehalter*innen vergleichen darfst
Wenn die Hundewiese nicht das Richtige für deinen Hund ist
Ganz ehrlich: Die Hundewiese ist für viele Hunde einfach nichts. Zu voll, zu laut, zu viele fremde Hunde auf engem Raum. Manche Hunde haben gar nicht so viel Bock auf viele Hunde gleichzeitig – die wollen lieber mit einem Hundefreund oder einer Hundefreundin spazieren gehen, den oder die sie gut kennen. Die wollen nicht an einem Ort rumstehen und beobachtet werden, sondern lieber unterwegs sein.
Und Hunde, die bei anderen Hunden schnell gestresst sind, Angst haben oder heftig reagieren – für die ist die Hundewiese oft too much. Zu viele Gerüche, zu viele Eindrücke, kein Ausweg. Das bedeutet nicht, dass du irgendwas falsch gemacht hast. Es ist einfach zu viel auf einmal für sie.
Lesetipp: Aggressiver Hund: Warum Hunde aggressiv reagieren – und was du tun kannst
Und weißt du was? Hunde brauchen keine Hundewiese. Sie brauchen nicht mal zwingend andere Hunde, um glücklich zu sein. Vor allem keine Horde fremder Hunde, denen sie nicht aus dem Weg gehen können.
Wenn du lieber allein mit deinem Hund unterwegs bist – völlig okay. Wenn dein Hund lieber einen ruhigen Spaziergang mit einem Hundekumpel macht als auf die Hundewiese zu gehen – auch völlig okay. Du kennst deinen Hund am besten.
Wenn du trotzdem Hundefreund*innen finden möchtest, gibt es viele Möglichkeiten – auf Spaziergängen, auf Ausflügen oder in der Dog It Right Community.
Hundewiese macht mehr Spaß, wenn dein Hund draußen auf dich hört
Hundewiese kann toll sein – für dich und deinen Hund. Aber sie muss es nicht. Was zählt, ist nicht, ob ihr auf der Hundewiese seid. Was zählt, ist, dass ihr beide entspannt unterwegs sein könnt.
Und da kommen Ansprechbarkeit und Rückruf ins Spiel. Denn egal ob Hundewiese oder nicht – ein Hund, der draußen auf dich hört, macht alles leichter. In meinem 0 Euro Online-Training zeige ich dir, warum dein Hund draußen nicht auf dich hört und was ihr wirklich braucht, damit das klappt.
Das fragen Hundemenschen am häufigsten zur Hundewiese
Das kommt ganz auf deinen Hund an. Für manche Hunde ist die Hundewiese super – sie lieben den Kontakt zu anderen Hunden und toben sich gerne aus. Für andere ist sie too much. Zu viele fremde Hunde, zu wenig Platz, zu viele Eindrücke auf einmal. Beobachte deinen Hund genau: Ist er danach entspannt und schläft happy? Oder ist er aufgedreht, gestresst oder will gar nicht mehr hin? Das sagt dir mehr als jede Faustregel.
Da gibt es keine pauschale Antwort. Wichtiger als die Häufigkeit ist, wie es deinem Hund dabei geht. Wenn dein Hund die Hundewiese mag und danach entspannt ist – gern öfter. Wenn er dort aber immer wieder gestresst wird oder sich unwohl fühlt, hilft es nicht, einfach öfter hinzugehen. Dann lieber seltener und dafür mit einem guten Blick dafür, was gerade passiert.
Erstmal: Leine ran und Abstand schaffen. Beobachte genau, in welchen Situationen es passiert und meide diese Situationen auf Hundewiesen erstmal. Eine Hundewiese ist dafür nicht der richtige Trainingsort. Hol dir lieber Unterstützung von einer guten Hundetrainer*in und schau dir an, was wirklich hinter dem Verhalten steckt.
Lesetipp: Aggressiver Hund – warum Hunde aggressiv reagieren und was du tun kannst
Steh für deinen Hund ein. Bitte die anderen Hundemenschen, ihren Hund anzuleinen – auch wenn das unangenehm ist. Und wenn das nicht klappt, geh einfach. Du musst nicht bleiben. Dein Hund hat das Recht, sich sicher zu fühlen auch auf der Hundewiese.
